Verpackungslexikon · Abfüllung & Technik
Schlauchbeutelmaschine ist der Oberbegriff für Form-Füll-Siegel-Anlagen, die aus Rollenfolie einen Schlauch formen, befüllen und mit Quernähten zu Beuteln verschließen. Vertikale Maschinen (VFFS) lassen Schüttgut von oben einfallen, horizontale (HFFS) legen die Folie um ein zugeführtes Produkt. Beide Bauarten sind nicht dasselbe.
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01 · Definition
Eine Schlauchbeutelmaschine formt, füllt und verschließt den Beutel in einem Durchlauf: aus Rollenfolie, ohne vorgefertigte Beutel.
Das Prinzip heißt Form-Füll-Siegel (FFS). Die Maschine legt Folie von der Rolle zu einem Schlauch, siegelt die Längsnaht, füllt das Produkt und trennt den Beutel mit Quernähten ab.
Schlauchbeutelmaschine ist der Oberbegriff für zwei Bauarten, die oft gleichgesetzt werden: vertikale (VFFS) und horizontale (HFFS). Sie unterscheiden sich darin, wie das Produkt in den Beutel kommt, und damit in Füllgut, Formaten und Geschwindigkeit. Wer „die Schlauchbeutelmaschine“ sagt, meint also nicht automatisch eine vertikale Anlage.
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Schlauchbeutelmaschine | Oberbegriff für vertikale und horizontale Form-Füll-Siegel-Anlagen |
| VFFS | vertikal: Produkt fällt von oben in den Schlauch, typisch für Schüttgut |
| HFFS (Flowpacker) | horizontal: Folie legt sich um ein zugeführtes Produkt; der Beutel heißt Flowpack |
| Pick-Fill-Seal | füllt vorgefertigte Beutel, etwa Standbodenbeutel; keine Schlauchbeutelmaschine |
02 · Funktionsweise
Die Folie läuft von der Rolle und wird zur Formstation geführt.
RollenwareEine Formschulter legt die Flachfolie zum Schlauch, eine Längsnaht schließt ihn.
FormschulterVertikal fällt das Produkt von oben in den Schlauch, horizontal wird es zugeführt und von der Folie umhüllt.
VFFS oder HFFSQuernähte verschließen den Beutel, danach wird er abgetrennt. Temperatur, Verweilzeit und Druck bestimmen die Naht, siehe Siegelnaht.
SiegelfensterGewicht und Naht werden kontrolliert, Charge und Mindesthaltbarkeit aufgebracht, siehe Chargennummer.
je Charge
Bei einer vertikalen Schlauchbeutelmaschine fällt das Produkt in den geformten Schlauch, der Beutel wird erst nach dem Befüllen oben verschlossen. Jede Schlauchbeutelmaschine arbeitet nach demselben Grundprinzip, nur der Weg des Produkts unterscheidet sich.
03 · VFFS und HFFS

Die Wahl der Bauart folgt dem Produkt: Schüttgut fällt, feste Einzelprodukte werden zugeführt. Daneben gilt: HFFS erreicht bei kleinen Beutelgrößen in der Regel höhere Geschwindigkeiten und ist bei den Formaten vielseitiger; VFFS ist die Standardlösung für Rieselgüter.
Auf Schlauchbeutelmaschinen entstehen Kissenbeutel (die häufigste Form), Seitenfaltenbeutel, Blockbodenbeutel und der schmale Stickpack. Flache Dreirand- und Vierrandbeutel entstehen je nach Maschinenkonzept meist auf horizontalen Anlagen oder Spezialmaschinen, siehe Siegelrandbeutel.
| Kriterium | VFFS (vertikal) | HFFS (horizontal) |
|---|---|---|
| Produktweg | fällt von oben in den Schlauch | wird zugeführt, Folie umhüllt es |
| Geeignet für | Pulver, Granulate, Körner, Stückgut aus der Mehrkopfwaage | feste, formstabile Einzelprodukte wie Riegel, Kekse, Technikartikel |
| Dosierung | Schnecke oder Mehrkopfwaage, siehe Dosieranlagen und Mehrkopfwaage | geordnete Zuführung des Einzelprodukts |
| Typische Beutel | Kissen-, Seitenfalten-, Blockboden-, Stickpack | Kissenbeutel (Flowpack) |
| Geschwindigkeit | hängt von Beutelgröße und Produkt ab | bei kleinen Beuteln in der Regel höher |
04 · Formatgrenzen
Jede Schlauchbeutelmaschine hat Grenzen für Beutelbreite, Beutellänge und Takt. Die Zahlen der Hersteller sind Beispiele, keine Leistungsdaten Ihrer Linie.
| Modell | Beutelbreite | Beutellänge | Takt |
|---|---|---|---|
| Ishida INSPIRA | 70–250 mm bzw. 70–330 mm je Ausführung | 75–533 mm bzw. 75–711 mm | bis 250 Beutel/min (mechanische Maximalgeschwindigkeit) |
| Syntegon SVX | bis 400 mm | nicht genannt | bis 300 Beutel/min |
| Syntegon SVE DoyZip (Standbodenbeutel) | nicht genannt | nicht genannt | bis 100 Beutel/min |
Herstellerangaben, abgerufen 05.10.2026. Das Datenblatt des konkreten Modells ist maßgeblich.
Die Spanne reicht von wenigen Zentimetern Breite (Stickpack) bis über 40 cm bei großen Modellen. Das Maximum gilt für den Takt auf dem Papier: Rechnerisch ergeben 100 Beutel pro Minute in einer Achtstundenschicht 48.000 Beutel. Die Tagesleistung liegt darunter, weil Rüsten, Folienwechsel, Reinigung, Prüfung und Stillstände Zeit kosten.
Was Sie fragen solltenBei welcher Beutelgröße und mit welchem Produkt gilt die Taktzahl? Ist sie ein mechanischer Maximalwert oder eine Dauerleistung? Welche Folie liegt zugrunde?
05 · Folien
| Folienart | Eignung | Worauf achten |
|---|---|---|
| Verbund, z. B. PET/PE oder PET/Alu/PE | verarbeitbar | Barriere nach Datenblatt, Naht bei Produkt in der Siegelzone |
| Mono-PE oder Mono-PP | verarbeitbar mit angepasster Siegeltechnik | Ultraschall- oder Impulssiegelung bei dünnen Folien, genaue Temperaturführung; das Siegelfenster kann enger sein |
| Papierbasiertes Laminat mit Siegelschicht | verarbeitbar | Siegelschicht, PFAS-Nachweis, Barriere nur mit zusätzlicher Schicht |
Ob eine Folie läuft, zeigt erst der Test mit der konkreten Rolle auf der Maschine. Mehr zu Verbundfolien und Monomaterial. Ultraschallsiegeln gilt als Gegenmittel bei Pulver in der Naht, weil die Schwingung Produktreste aus der Siegelzone verdrängen kann.
06 · Wechselzeiten
| Hersteller | Angabe | Was die Zahl umfasst |
|---|---|---|
| Schur (Star 2060-C) | 4–5 Minuten | Formatteilwechsel |
| Bosch Packaging Systems | 5 Minuten durch einen Bediener | Formatteilwechsel |
| Schubert | rund 15 Minuten, werkzeuglose Spannsysteme | Formatwechsel |
| PFM | rund 30 Minuten | Formatwechsel |
Diese Werte gelten für Flowwrapper, nicht für eine Schlauchbeutelmaschine mit Pulver. Die Gesamtumrüstzeit umfasst zusätzlich Reinigung, Folienwechsel, Einstellungen und Erstmusterfreigabe und ist deutlich länger. Bei Pulver mit Sortenwechsel und Allergenreinigung ist keiner dieser Werte übertragbar; eine belegte Zeit gibt es dafür nicht, sie ergibt sich je Produkt aus der Reinigung.
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07 · Make or Buy
| Kriterium | Eigene Anlage | Lohnabfüllung |
|---|---|---|
| Auflage und Auslastung | lohnt bei dauerhaft hoher Auslastung | passt zu schwankenden oder kleinen Mengen |
| Sortenzahl | jeder Wechsel bindet Rüst- und Reinigungszeit | Wechsel und Reinigung liegen beim Dienstleister |
| Folie und Naht | Folienfreigabe und Siegelversuche im eigenen Haus | Test an Folie und Produkt vor der Serie |
| Nachweise | Zertifizierung, Allergenmanagement, Dokumentation selbst aufbauen | IFS Food und EU-Bio (DE-ÖKO-003) vorhanden |
Bei OH!S laufen Sachets, Stickpacks und Siegelrandbeutel vollautomatisch von der Rolle auf VFFS- und HFFS-Anlagen, im Monat über 160.000 Schlauchbeutel (Größenordnung). Für Sachets und Stickpacks gelten mindestens 10.000 Stück je Auftrag, davon mindestens 5.000 je Sorte. Für kleinere Auflagen kommen andere Formate in Frage, etwa Standbodenbeutel mit einer Mindestmenge von 500 Stück. Mehr zur Lohnabfüllung von Sachets und Stickpacks.
08 · Regulatorik

Lebensmittelkontakt: Folie, Lack, Kleber und Druckfarbe müssen für den Lebensmittelkontakt geeignet sein, siehe Lebensmittelkontaktmaterialien.
PPWR: Seit dem 12.08.2026 gilt die Verordnung (EU) 2025/40. Der Erzeuger der Verpackung verantwortet Dokumentation und Konformitätserklärung; der Folienlieferant liefert die Unterlagen (Art. 16). Die Leistungsstufen A bis C sind frühestens ab 01.01.2030 anzuwenden. Eine Klasse für einen Aufbau sagt niemand zu, ein Monomaterial belegt sie nicht. Mehr: Erzeuger und Hersteller nach PPWR.
Umweltaussagen: Pauschale Angaben wie „nachhaltig“ sind seit 27.09.2026 nach der Richtlinie (EU) 2024/825 ohne Nachweis problematisch, siehe Umweltaussagen.
09 · Einkauf
Diese Punkte gehören vor der Maschinen- oder Dienstleisterwahl in die Verpackungsspezifikation.
| Fehler | Folge | Gegenmittel |
|---|---|---|
| Schlauchbeutelmaschine mit VFFS gleichgesetzt | falsche Anlage für feste Einzelprodukte | Produktform vorab benennen |
| Maximaltakt als Tagesleistung gerechnet | Terminplan nicht haltbar | Rüsten, Reinigung und Stillstand einrechnen |
| Wechselzeit des Flowwrappers auf Pulver übertragen | Umrüstzeit unterschätzt | Reinigung und Allergenwechsel getrennt ansetzen |
| Folie ohne Maschinentest bestellt | enges Siegelfenster fällt erst in der Serie auf | Test mit der konkreten Rolle |
Mit diesen Punkten können wir Ihr Projekt in der Regel ohne Rückfragen einordnen.
10 · Anfrage
Mischen wir Ihre Rezeptur, bestimmen mindestens 100 kg je Mischcharge die Mindeststückzahl, siehe Lohnmischen. Planen Sie vom Auftrag bis zur Produktion 4 bis 8 Wochen ein, gerechnet ab der Auftragsklärung und sobald das Material vorliegt.
11 · FAQ
Eine Schlauchbeutelmaschine ist eine Form-Füll-Siegel-Anlage, die aus Flachfolie von der Rolle einen Schlauch formt, die Längsnaht siegelt, das Produkt einfüllt und mit Quernähten Beutel abtrennt. Der Begriff umfasst vertikale Maschinen (VFFS) und horizontale Maschinen (HFFS, Flowpacker). Vorgefertigte Beutel verarbeitet sie nicht; dafür gibt es Pick-Fill-Seal-Anlagen.
Die Folie läuft von der Rolle über eine Formschulter und wird zum Schlauch gelegt. Eine Längsnaht schließt ihn. Bei vertikalen Maschinen fällt das Produkt von oben in den Schlauch, bei horizontalen wird es zugeführt und von der Folie umhüllt. Quernähte verschließen den Beutel und trennen ihn ab. Danach folgen Prüfung und Codierung.
Vertikale Maschinen (VFFS) formen einen senkrechten Schlauch, in den Schüttgut wie Pulver, Granulat oder Körner von oben einfällt. Horizontale Maschinen (HFFS) formen die Folie waagerecht um ein zugeführtes Produkt und eignen sich für feste, formstabile Einzelprodukte wie Riegel oder Kekse. HFFS erreicht bei kleinen Beuteln in der Regel höhere Geschwindigkeiten und ist bei den Formaten vielseitiger.
Das hängt vom Modell ab. Als Beispiele nennen Hersteller für vertikale Anlagen Beutelbreiten von 70 bis 250 oder 330 mm bei einer Länge von 75 bis 533 oder 711 mm (Ishida INSPIRA) und bis 400 mm Breite (Syntegon SVX). Sehr schmale Beutel wie der Stickpack liegen im Bereich weniger Zentimeter Breite. Verbindlich ist das Datenblatt des Modells.
Verarbeitet werden Verbundfolien wie PET/PE oder PET/Alu/PE, Mono-PE und Mono-PP sowie papierbasierte Laminate mit Siegelschicht. Monofolien verlangen angepasste Siegeltechnik, etwa Ultraschall- oder Impulssiegelung bei dünnen Folien, und eine genaue Temperaturführung. Ob eine Folie läuft, zeigt erst der Test mit der konkreten Rolle auf der Maschine.
Hersteller von Flowwrappern nennen für den Formatwechsel 4 bis 5 Minuten (Schur), 5 Minuten durch einen Bediener (Bosch Packaging Systems), rund 15 Minuten (Schubert) und rund 30 Minuten (PFM). Die Gesamtumrüstzeit mit Reinigung, Folienwechsel, Einstellungen und Erstmusterfreigabe ist deutlich länger. Für Pulver mit Sortenwechsel und Allergenreinigung sind diese Werte nicht übertragbar.
Vertikale Maschinen verarbeiten Schüttgüter wie Pulver, Granulate und Körner sowie Stückgut aus der Mehrkopfwaage, horizontale feste Einzelprodukte. Flüssigkeiten brauchen eine andere Dosierung als Pulver und sind eine eigene Projektfrage. Faseriges Trockengut wie Safranfäden wiegen wir von Hand ein, weil maschinelle Dosierung zu Faserbruch und großen Füllgewichtsstreuungen führt.
Entscheidend sind Auflage, Sortenzahl, Reinigungs- und Nachweisaufwand und das Know-how für Folie und Naht. Bei Sachets und Stickpacks füllt OH!S ab einer Auflage von mindestens 10.000 Stück je Auftrag ab, davon mindestens 5.000 je Sorte. Für kleinere Auflagen kommen andere Formate in Frage, etwa Standbodenbeutel mit einer Mindestmenge von 500 Stück. Eine Anfrage mit Produkt, Format und Menge klärt den Weg.
12 · Fazit
Die Schlauchbeutelmaschine ist kein einzelner Maschinentyp. Vertikal läuft Schüttgut, horizontal laufen feste Einzelprodukte; wer beides gleichsetzt, bekommt die falsche Anlage. Formatgrenzen, Takt und Wechselzeiten der Hersteller sind Beispiele und Maximalwerte, die erst am eigenen Produkt, an der Folie und an der Reinigung etwas bedeuten.
Prüfen Sie vor dem Kauf einer Anlage, ob eine Lohnabfüllung zu Auflage und Sortenzahl besser passt. Schicken Sie uns Produkt, Format und Menge, dann sagen wir Ihnen innerhalb von 48 Stunden, wie wir Ihr Projekt umsetzen. Die Beutelseite erklärt der Eintrag Flowpack, das schmale Portionsformat der Stickpack.
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Temperatur, Druck, Zeit und Prüfung: was eine dichte Siegelnaht ausmacht.
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Rechtlicher HinweisDie hier bereitgestellten Informationen dienen als fachliche Orientierung für Produktentwickler, Einkauf und Geschäftskunden der OH!S GmbH. Sie ersetzen keine Rechtsberatung und keine rechtliche Einzelfallprüfung; maßgeblich ist der amtliche Wortlaut der genannten Rechtsakte und Normen. Für Produktkonformität, Kennzeichnung und Umweltaussagen ist die jeweils nach Gesetz verantwortliche Partei zuständig, in der Regel der Inverkehrbringer. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen auf Basis der genannten Quellen zusammengestellt; eine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit wird nicht übernommen.
Rechts- und Quellenstand: Oktober 2026. Änderungen: 14.05.2025 Erstveröffentlichung · 13.09.2026 Aktualisierung · 05.10.2026 vollständig neu aufgebaut: VFFS und HFFS getrennt, Formatgrenzen, Folientauglichkeit und Wechselzeiten mit belegten Herstellerbeispielen, unbelegte Leistungs- und Wirtschaftlichkeitszahlen entfernt, Entscheidung zwischen eigener Anlage und Lohnabfüllung, Anfrage-Checkliste ergänzt.
Sam W. Pack · Fach- und Blogstimme der OH!S GmbH
Das offene Geheimnis: Hinter Sam steckt kein einzelner Mensch, sondern unser gesamtes OH!S-Team – über 30 Jahre Verpackungskompetenz, gebündelt in einer ehrlichen Stimme. Mehr davon im Schnack&Pack-Blog.
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