Verpackungslexikon · Abfüllung & Technik
Dosieranlagen teilen Pulver, Granulate, Stückgut oder Flüssigkeiten in definierte Portionen, bevor diese verpackt werden. Sie arbeiten volumetrisch, also nach Raummaß, oder gravimetrisch, also nach Gewicht. Welches Dosiersystem passt, hängt vom Fließverhalten des Füllguts und von der geforderten Zielgenauigkeit ab, nicht von der Größe der Anlage.
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01 · Definition
Dosieranlagen teilen ein Füllgut in genau definierte Portionen, bevor es in die Verpackung fällt. Was hier ungenau oder instabil läuft, lässt sich später nicht mehr korrigieren.
Dosieren ist nicht dasselbe wie Mischen oder Abfüllen. Das Mischen stellt die Zusammensetzung her, siehe Lohnmischen. Das Dosieren bildet die Portion, das Abfüllen bringt sie in die Verpackung und verschließt sie. Zu Dosieranlagen gehören Vorratsbehälter, Dosierorgan, Steuerung und Kontrolle.
Zwei Messprinzipien teilen die Technik. Die volumetrische Dosierung misst nach Raummaß, die gravimetrische nach Gewicht. Beide haben ihren Platz, und beide lassen sich kombinieren: Eine volumetrische Dosierung mit gewichtsbasierter Kontrolle am Linienende ist ein üblicher Aufbau.
| Kriterium | volumetrisch | gravimetrisch |
|---|---|---|
| Messgröße | Raummaß: Schneckenumdrehung, Becher, Kolbenhub | Gewicht über Wägezelle |
| Stärke | einfach und schnell bei gleichmäßigem Schüttgut | unabhängig von der Schüttdichte |
| Schwäche | Gewicht der Portion folgt der Schüttdichte | meist langsamer oder mechanisch aufwendiger |
| Beispiele | Schneckendosierer, Becherdosierer, Kolbendosierer | Linearwaage, Mehrkopfwaage, Wägung im Behälter |
02 · Vergleich
Das Füllgut wählt das Dosiersystem, nicht der Wunsch nach hoher Genauigkeit. Die Tabelle ordnet die fünf Füllgutklassen den passenden Dosiersystemen zu.
| Füllgut | Dosiersystem | Typische Herausforderung | Gegenmaßnahme |
|---|---|---|---|
| feine, staubende Pulver (Proteinpulver, Kakao, Mehl, Nahrungsergänzung) | volumetrischer Schneckendosierer mit Servoantrieb | Staub im Siegelbereich, Mikrolecks | Tauchfüllung von unten nach oben, Absaugung am Füllkopf, Rüttelstation |
| körnige, freifließende Produkte (Zucker, Salz, Reis, Kaffeebohnen, feines Tierfutter) | Mehrkopfwaage oder Becherdosierer | Produkt springt zurück und landet im Siegelbereich | angepasste Fallrohre, sanfte Rutschen |
| stückige, empfindliche Produkte (Kekse, Pralinen, Trockenfrüchte, Nudeln) | Mehrkopfwaage | Brückenbildung, Bruch | Rüttler am Trichter, große Beutelöffnung, gummierte Rutschen |
| Flüssigkeiten und Pasten (Säfte, Soßen, Gele, Cremes) | Kolben, Zahnradpumpe, Durchflussmesser | Nachtropfen, Schaum | Rücksaugung, Unterspiegelfüllung |
| faseriges Trockengut (Safranfäden, Blütenblätter, ganze Kräuter) | Handeinwaage mit Feinwaage | maschinelle Dosierung bricht Fasern, bildet Brücken, streut stark | Einwaage von Hand mit dokumentierter Nennfüllmenge |

Dosieranlagen arbeiten Hand in Hand mit der Verpackungsmaschine. Pulver und Granulat laufen meist in einem vertikalen Schlauchbeutelprozess, siehe Schlauchbeutelmaschine. Die Dosierung sitzt dort oberhalb des Formrohrs: Das Füllgut fällt in den geformten Beutel. Bei vorgefertigten Beuteln, etwa Doypacks, gibt das Dosierorgan die Portion in den geöffneten Beutel ab.
Eine Dosierschnecke fördert das Pulver in den Beutel, die Menge folgt aus den Umdrehungen. Weil sie nach Volumen arbeitet, schwankt das Gewicht mit der Schüttdichte. Gegen Brückenbildung im Trichter helfen Rührwerk oder Rüttler. Geeignet für feine Pulver.
Ein Becher mit festem Volumen wird gefüllt und entleert. Das ist einfach und schnell für freifließende Granulate, das Gewicht folgt aber der Schüttdichte.
Linear- und Mehrkopfwaage wiegen nach Gewicht, die Mehrkopfwaage kombiniert dazu Teilmengen. Das ist unabhängig von der Schüttdichte, braucht aber rieselfähiges, stückiges Gut: Mehrkopfwaage.
03 · Fließverhalten
Bevor für Dosieranlagen ein Dosiersystem gewählt wird, muss das Fließverhalten bekannt sein. Diese sieben Eigenschaften entscheiden darüber, ob ein Produkt sauber dosiert werden kann.

Kennzahlen wie Schüttwinkel und Hausner-Faktor helfen bei der Einordnung, ersetzen aber den Versuch nicht. Entscheidend ist ein Lauf mit Ihrem echten Rohstoff, denn dieselbe Rezeptur kann mit einem anderen Lieferanten anders durch die Dosieranlagen laufen. Deshalb braucht eine verbindliche Kalkulation ein Muster. Für die erste Einschätzung genügen Datenblatt und Eckdaten.
04 · Genauigkeit
Eine Zahl wie „±0,5 %“ ohne Füllgut, Portionsgröße und Messbedingung sagt wenig. Belastbar ist die Rechnung aus Nennfüllmenge, Mittelwert und Give-away.
Rechtlich muss das Durchschnittsgewicht aller Packungen mindestens der Nennfüllmenge entsprechen. Weil Waagen in Dosieranlagen Toleranzen haben, wird die Anlage minimal höher eingestellt. Diese Überfüllung heißt Give-away und erscheint im Verschnitt der Kalkulation. Die Regeln bündelt der Eintrag Nettofüllmenge; hier gilt: keine rechtsverbindliche Auslegung.
Je kleiner die Portion, desto stärker wiegt dieselbe absolute Abweichung. Die Tabelle zeigt es an drei Rechenbeispielen.
| Nennfüllmenge | Einstellwert | Mehrverbrauch |
|---|---|---|
| 500 g | 502 g | 0,4 % |
| 100 g | 101 g | 1,0 % |
| 30 g | 30,5 g | 1,7 % |
| Pulvertyp | Beispiele | Typischer Verschnitt | Ursache |
|---|---|---|---|
| freifließend | Zucker, grobes Salz, Proteingranulat | unter 1,5 % | geringe Anhaftung |
| fein und staubend | Matcha, Kakao, Mehl, feines Isolat | 2–4 % | Abzug über die Absaugung, Filterverlust |
| klebrig oder fettig | Hanfprotein, Pulver mit hohem Ölanteil | 3–5 % | Anhaftung an Schnecke, Trichter, Wänden |
Kleinserien liegen höher: Bei 500 bis 1.000 Beuteln sind oft 5 bis 10 % üblich, weil Anfahr- und Abfahrverlust prozentual stark ins Gewicht fallen. Ab 10.000 Einheiten pendelt sich der Verschnitt bei 1 bis 2 % ein. Mehr zu Mischcharge und Erstcharge: Lohnmischen.
Praxis-Richtwerte, keine Zusage. Verbindlich ist die Vereinbarung für Ihr Projekt. Die Rechenbeispiele sind keine Messwerte.
05 · Praxis
Die meisten Störungen an Dosieranlagen sind keine Frage der Technik allein, sondern des Zusammenspiels von Füllgut und Verpackung. Drei Phänomene sind typisch.
Feiner Staub legt sich auf die Innenseite der Siegelzone und verhindert, dass die Siegelschicht sauber verschmilzt. Es entstehen Mikrolecks. Abhilfe schaffen Tauchfüllung, Absaugung am Füllkopf und Rüttelstationen.
Folie und Pulver laden sich bei Reibung auf. Ionisationsstäbe an Magazin, Füllstation und Siegelstation neutralisieren die Ladung, damit das Pulver dort bleibt, wo es hingehört.
Sperrige oder feuchte Produkte verkeilen sich im Trichter oder im Beutelmund und blockieren den Fluss. Rüttler und ausreichend große Beutelöffnungen beugen vor.
Faseriges Trockengut gehört nicht in eine maschinelle Dosierung: Safranfäden, Blütenblätter und ganze Kräuter werden bei uns von Hand eingewogen und abgefüllt, mit Feinwaage und dokumentierter Nennfüllmenge. Das passt zu Premium- und Handverpackt-Positionierungen. Zum Thema Aroma und Staub in empfindlichen Produkten: Aromaschutz.
06 · Regulatorik
Fertigpackungen unterliegen dem Füllmengenrecht, in Deutschland der Fertigpackungsverordnung auf Grundlage der Richtlinie 76/211/EWG. Kern ist das Durchschnittsprinzip. Mehr dazu im Eintrag Nettofüllmenge.
Dosieranlagen sind Ausrüstung mit Lebensmittelkontakt. Die Verordnung (EG) Nr. 852/2004 verlangt in Anhang II, dass solche Ausrüstung gereinigt werden kann. Beim Produktwechsel zählen Reinigungsstufen und bei Allergenen die Allergenreinigung: CIP und SIP, Allergene. Jede Charge ist rückverfolgbar: Chargennummer.
Organische Feinstäube wie Mehl, Zucker oder Proteine können explosionsfähig sein. Dann ist Explosionsschutz nach den ATEX-Regeln zu planen: Richtlinie 2014/34/EU für Geräte, Richtlinie 1999/92/EG für den Betrieb. Die Kenngrößen werden im Labor am konkreten Produkt bestimmt.
Orientierung, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist der amtliche Wortlaut der genannten Rechtsakte und Normen.
07 · Entscheidung
Staubendes Pulver, freifließendes Granulat, Stückgut, Flüssigkeit oder Faser? Die Klasse engt die Auswahl auf ein bis zwei Dosierorgane ein.
KlasseJe kleiner die Portion, desto kritischer die Streuung. Große Portionen verzeihen mehr.
GrammNennfüllmenge, Mittelwert, Give-away und Kontrollwaage festlegen, statt einen Universalwert zu verlangen.
RechnungWie oft wechselt das Produkt, gibt es Allergene oder Wechsel zwischen Bio und konventionell? Das bestimmt den Reinigungsaufwand.
RüstzeitPulver oder Stückgut?
Dosieranlagen am Muster klären, dann verbindlich kalkulieren
Schicken Sie uns Füllgut, Portionsgewicht und Wunschformat. Innerhalb von 48 Stunden wissen Sie, wie wir Ihr Projekt einordnen.
Mit diesen Punkten können wir Ihr Projekt für die passenden Dosieranlagen in der Regel ohne Rückfragen einordnen.
08 · Anfrage
Ein Rohstoffmuster ist die beste Grundlage. Ohne Muster können wir eine erste Einschätzung geben, verbindlich kalkulieren wir erst am echten Produkt.
Formatabhängige Mindestmengen nennen wir Ihnen mit der ersten Antwort. Mehr zum Leistungsumfang: Lohnabfüllung Pulver bei OH!S.
09 · FAQ
Dosieranlagen teilen ein Füllgut in genau definierte Portionen, bevor es verpackt wird. Sie bestehen aus Vorratsbehälter, Dosierorgan, Steuerung und Kontrolle. Das Dosierorgan richtet sich nach dem Füllgut, etwa Schnecke für feine Pulver, Waage für Stückgut oder Kolben und Pumpe für Pasten. Dosieren, Mischen und Abfüllen sind drei getrennte Schritte.
Volumetrische Dosierung misst nach Raummaß, etwa über Schneckenumdrehungen, Becher oder Kolbenhub. Das Gewicht der Portion folgt dann der Schüttdichte. Gravimetrische Dosierung misst nach Gewicht, unabhängig von der Schüttdichte, ist aber meist langsamer oder mechanisch aufwendiger. Beide Prinzipien lassen sich kombinieren, etwa mit einer Kontrollwaage am Linienende.
Für feine Pulver wie Proteinpulver, Kakao oder Mehl kommt in der Regel ein volumetrischer Schneckendosierer mit Servoantrieb zum Einsatz. Wichtig sind Maßnahmen gegen Staub im Siegelbereich, etwa Absaugung am Füllkopf, Tauchfüllung und Rüttelstation, sowie Schutz vor Elektrostatik. Welche Lösung passt, zeigt ein Lauf mit Ihrem echten Rohstoff.
Die Mehrkopfwaage kombiniert Teilmengen und eignet sich für rieselfähiges Granulat und Stückgut. Der Schneckendosierer fördert Pulver über eine Schnecke und eignet sich für feine, staubende Pulver. Als Faustregel gilt: Stückig und rieselfähig spricht für die Waage, fein und staubend für die Schnecke. Beides entscheidet am Ende der Versuch am Muster.
Einen Universalwert gibt es nicht. Die erreichbare Genauigkeit hängt von Füllgut, Portionsgröße, Dosierprinzip und Takt ab. Belastbar ist die Rechnung: Der Durchschnitt aller Packungen muss die Nennfüllmenge erreichen, die Anlage wird dafür minimal höher eingestellt, und dieses Give-away steht in der Kalkulation. Zahlen ohne Füllgut und Messbedingung sind wenig aussagekräftig.
Weil Korngröße, Feuchte und Schüttdichte entscheiden, ob ein Produkt sauber durch die Dosieranlage läuft. Dieselbe Rezeptur kann mit einem anderen Rohstoffmuster anders fließen. Deshalb kalkulieren wir verbindlich erst am Muster. Für die erste Einschätzung genügen Datenblatt und Eckdaten.
Faseriges Trockengut wie Safranfäden, Blütenblätter oder ganze Kräuter wird bei uns von Hand eingewogen und abgefüllt, mit Feinwaage und dokumentierter Nennfüllmenge. Eine maschinelle Dosierung führt zu Faserbruch, Brückenbildung und großen Streuungen im Füllgewicht. Für Premium- und Handverpackt-Konzepte ist das kein Nachteil.
10 · Fazit
Dosieranlagen sind so gut wie ihre Passung zum Füllgut. Das gilt unabhängig von der Anlagengröße. Staubende Pulver verlangen eine andere Lösung als freifließendes Granulat, Stückgut oder Flüssigkeiten, und faseriges Trockengut gehört in die Handeinwaage. Wer zuerst die Füllgutklasse bestimmt und dann das Dosiersystem wählt, vermeidet die meisten Störungen.
Verlangen Sie keinen Universalwert für die Genauigkeit, sondern rechnen Sie: Nennfüllmenge, Mittelwert, Give-away und Verschnitt. Das Muster zeigt, ob Ihr Rohstoff sauber läuft.
Wenn Ihr Projekt steht, schicken Sie uns die Angaben aus der Checkliste. Als Nächstes lesen Sie, wie die Mehrkopfwaage Teilmengen kombiniert und wann sie dem Schneckendosierer überlegen ist.
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Rechtlicher HinweisDie hier bereitgestellten Informationen dienen als fachliche Orientierung für Produktentwickler, Einkauf und Geschäftskunden der OH!S GmbH. Sie ersetzen keine Rechtsberatung und keine rechtliche Einzelfallprüfung; maßgeblich ist der amtliche Wortlaut der genannten Rechtsakte und Normen. Für Produktkonformität, Kennzeichnung und Umweltaussagen ist die jeweils nach Gesetz verantwortliche Partei zuständig, in der Regel der Inverkehrbringer. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen auf Basis der genannten Quellen zusammengestellt; eine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit wird nicht übernommen.
Rechts- und Quellenstand: Oktober 2026. Änderungen: 19.05.2025 Erstveröffentlichung · 05.10.2026 vollständig überarbeitet: Dosiersysteme nach Pulver, Stückgut und Flüssigkeit verglichen, Universalaussagen („hohe Dosiergenauigkeit für alle Anwendungen“, „problemlose Integration“) entfernt, Zielgenauigkeit als Rechengröße erklärt, Fließverhalten, Praxis-Richtwerte und Anfrage-Checkliste ergänzt.
Sam W. Pack · Fach- und Blogstimme der OH!S GmbH
Das offene Geheimnis: Hinter Sam steckt kein einzelner Mensch, sondern unser gesamtes OH!S-Team – über 30 Jahre Verpackungskompetenz, gebündelt in einer ehrlichen Stimme. Mehr davon im Schnack&Pack-Blog.
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