Verpackungslexikon · Abfüllung & Technik
Nassabfüllung bezeichnet das Abfüllen flüssiger und pastöser Produkte in Flaschen, Gläser, Dosen oder Beutel, im Gegensatz zur Trockenabfüllung von Pulvern, Granulaten und Stückgut. Je nach Produkt wird kalt, heiß oder aseptisch gefüllt. Die Viskosität des Füllguts bestimmt das Dosierprinzip, das Haltbarkeitsziel das Verfahren.
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01 · Definition
Nassabfüllung ist der Oberbegriff für alles, was fließt: Getränke, Soßen, Dressings, Gele und Cremes. Zwei Fragen entscheiden über jedes Projekt: Wie lässt sich das Füllgut dosieren, und wie wird es haltbar?
Das Gegenstück ist die Trockenabfüllung von Pulvern, Granulaten und Stückgut, bei der Fließverhalten und Staub im Mittelpunkt stehen; mehr dazu im Eintrag Dosieranlagen. Bei der Nassabfüllung dominieren Viskosität, Schaumneigung und die Frage, ob das Produkt Hitze verträgt.
Die erste Frage, das Dosieren, beantwortet die Viskosität: Wasserdünne Flüssigkeiten lassen sich anders handhaben als zähe Massen. Die zweite Frage, die Haltbarkeit, beantwortet das Verfahren: kalt, heiß oder aseptisch. Beide Antworten müssen zu Behälter und Verschluss passen.
| Füllgut | Beispiele | Folge für das Dosieren |
|---|---|---|
| niedrigviskose Flüssigkeit | Säfte, Wasser, alkoholische Getränke, Flüssigseifen, flüssige Haushaltsreiniger | fließt schnell, neigt zu Schaum und Nachtropfen |
| pastöses, hochviskoses Medium | Ketchup, Senf, Mayonnaise, Gele, Kosmetikcremes | fließt langsam, braucht Förderdruck, schließt leicht Luft ein |
| Flüssigkeit mit Stücken | Soßen mit Gemüsestücken, Dressings mit Kräutern | Stücke verlangen ein Dosierorgan mit freiem Querschnitt |
02 · Verfahren
Das Verfahren folgt aus Produkt, Behälter und Haltbarkeitsziel. Die Tabelle zeigt die drei Wege der Nassabfüllung im Überblick.
| Kriterium | Kaltabfüllung | Heißabfüllung | aseptische Abfüllung |
|---|---|---|---|
| Prinzip | Produkt wird kalt gefüllt, die Haltbarkeit stützt sich auf Rezeptur, Hygiene und oft Kühlung | Produkt wird erhitzt und heiß in den Behälter gefüllt | Produkt und Packmittel werden getrennt entkeimt und in geschützter Umgebung zusammengeführt |
| Eignung | Produkte, die aus sich heraus stabil sind oder gekühlt vertrieben werden | Produkte, die Hitze vertragen und deren Rezeptur Keimwachstum begrenzt | empfindliche, wasserreiche Produkte, die ungekühlt haltbar sein sollen |
| Anforderung an den Behälter | geringe Temperaturanforderung | muss Fülltemperatur und Abkühlen vertragen | muss das Entkeimungsverfahren vertragen |
| Aufwand und Nachweis | Hygiene, Kühlkette | Temperatur und Zeit überwacht und aufgezeichnet | Validierung der gesamten Linie |
| Typisches Risiko | Verderb bei unterbrochener Kühlkette | Verformung, undichter Verschluss | Rekontamination über Verschluss oder Eingriffe |
Die aseptische Abfüllung ist das aufwendigste Verfahren und hat einen eigenen Eintrag: Aseptische Abfüllung. Dort steht auch, warum „garantiert steril“ keine belastbare Aussage ist.
Eine vierte Möglichkeit ist die Wärmebehandlung im Behälter: Der gefüllte und verschlossene Behälter, etwa ein Beutel, wird anschließend hitzebehandelt. Dann müssen Siegelschicht und Kaschierkleber die Belastung aushalten, sonst droht Delamination.

Hitze verändert den VerschlussBei Heißabfüllung und Wärmebehandlung im Behälter fällt das Rückdrehmoment messbar ab. Ein Beutel mit Ausgießer, der vorher dicht war, kann danach undicht oder schlechter gegen Manipulation gesichert sein. Die Drehmomentprüfung gehört deshalb nach der Wärmebehandlung, nicht davor. Reine PE-Ausführungen sind für Heißabfüllung grenzwertig.
03 · Dosierung
Welches Dosierorgan passt, hängt vom Fließverhalten ab. Bei der Nassabfüllung gibt es vier Grundprinzipien, die sich in Genauigkeit, Takt und Eignung für Stücke unterscheiden.

Viskosität beschreibt, wie zäh ein Füllgut fließt. Wasser läuft in Sekunden durch eine Düse, eine Creme bewegt sich nur unter Druck. Dazwischen liegen Soßen, deren Fließverhalten sich mit Temperatur und Rühren ändert. Deshalb gibt es kein Dosierorgan für alles, und deshalb ist die Viskosität die wichtigste Angabe für die Nassabfüllung.
| Prinzip | So funktioniert es | Stärke | Grenze |
|---|---|---|---|
| Kolbendosierer | Ein Zylinder saugt ein festes Volumen an und drückt es durch die Düse | zähe und stückige Massen, wiederholbares Volumen | Volumen und Gewicht hängen von Dichte und Temperatur des Produkts ab |
| Zahnradpumpe | fördert zähe Medien, die Menge folgt aus Drehzahl und Zeit | pastöse Massen, gleichmäßiger Fluss | kann scherempfindliche oder stückige Produkte belasten |
| Durchflussmesser (induktiv oder Coriolis) | misst den Durchfluss, das Ventil schließt bei der Sollmenge | niedrigviskose bis mittlere Flüssigkeiten; Coriolis misst die Masse | induktiv nur bei leitfähigem Füllgut |
| Wägung | Der Behälter steht auf einer Wägezelle, die Waage steuert das Ventil | Masse unabhängig von Dichte und Temperatur | geringerer Takt je Füllstelle |
Ein einziger Tropfen auf dem Siegelrand macht eine Naht undicht. Abschneidedüsen mit Rücksaugung verhindern, dass Produkt nachläuft.
Niedrigviskose Flüssigkeiten schäumen bei hoher Fließgeschwindigkeit auf. Bei der Unterspiegelfüllung bleibt die Düsenspitze unter der Flüssigkeitsoberfläche.
Temperatur und Scherung verändern die Viskosität. Ein Messwert ist nur mit Temperatur aussagekräftig, bei Strukturviskosität auch mit der Schergeschwindigkeit.
Bei Beuteln mit Ausgießer entscheidet der Weg des Produkts: durch den Ausgießer (Spout-Fill) oder über die offene Kopfnaht (Top-Fill). Das fällt vor der Formatwahl, weil es Hygiene, Takt und die verarbeitbaren Füllgüter bestimmt. Mehr zum Bauteil: Spout (Ausgießer).
| Kriterium | Spout-Fill | Top-Fill |
|---|---|---|
| Weg | Füllnadel fährt durch den Ausgießer | Beutel wird oben offen gefüllt und danach versiegelt |
| Siegelzone | bleibt unberührt, System praktisch geschlossen | muss produktfrei bleiben, Reste sind die häufigste Leckageursache |
| Durchsatz | durch den Querschnitt begrenzt, viskose Produkte laufen langsam | höher, auch für stückige und hochviskose Füllgüter |
04 · Füllmenge
Bei der Nassabfüllung steht auf dem Etikett die Nennfüllmenge, und der Durchschnitt aller abgefüllten Packungen muss sie mindestens erreichen. Weil jede Waage Toleranzen hat, wird die Anlage minimal höher eingestellt, etwa auf 502 g statt 500 g. Dieses Give-away erscheint in der Kalkulation als Mehrverbrauch. Die Regeln bündelt der Eintrag Nettofüllmenge; hier gilt: keine rechtsverbindliche Auslegung.
Bei heiß gefüllter Ware kommt hinzu, dass sich das Volumen beim Abkühlen verkleinert. Die Anlage muss das berücksichtigen, oder die Füllmenge wird nach Masse bestimmt.
| Kontrolle | Sie zeigt | Ihre Grenze |
|---|---|---|
| Kontrollwaage | Masse jeder Packung, Abweichungen werden aussortiert | sagt nichts über Dichtheit oder Fremdkörper |
| Dichtheitsprüfung | grobe Lecks, etwa im Blasentest unter Vakuum (ASTM D3078) | findet keine Mikrolecks |
| Verschlusskontrolle | Öffnungsmoment des Verschlusses | nach der Wärmebehandlung messen |
| Fremdkörperkontrolle | Metall, bei Röntgen auch Glas und harte Kunststoffe | Auswahl nach Produkt und Verpackung |
05 · Praxis
OH!S füllt Lebensmittel, Nahrungsergänzungsmittel, Tiernahrung und Kosmetik im Lohn ab. Flüssige und pastöse Produkte sowie die Heißabfüllung laufen im Produktionsverbund, der aus Hannover koordiniert wird. Wir prüfen Ihr Projekt der Nassabfüllung vorab und sagen Ihnen, welches Verfahren in Frage kommt.
Mehr zu Soßen und Gewürzen: Lohnabfüllung Gewürze und Soßen.
06 · Regulatorik
Für die Nassabfüllung gelten Lebensmittelhygiene, Lebensmittelkontakt und Füllmengenrecht nebeneinander. Keines ersetzt das andere.
Die Verordnung (EG) Nr. 852/2004 verlangt in Anhang II, Kapitel XI, für Wärmebehandlung in dicht verschlossenen Behältnissen: Jeder Produktteil erreicht die erforderliche Temperatur für die erforderliche Zeit, das Produkt wird nicht kontaminiert, die Hauptparameter werden regelmäßig kontrolliert. Dazu kommt HACCP nach Art. 5, siehe HACCP.
Behälter, Verschlüsse und Beutel müssen für den Lebensmittelkontakt geeignet sein (Verordnung (EG) Nr. 1935/2004), siehe Lebensmittelkontaktmaterialien. Für Verpackungen gilt seit 12.08.2026 die PPWR; wer Erzeuger ist, klärt Erzeuger und Hersteller nach PPWR.
Fertigpackungen unterliegen dem Füllmengenrecht, in Deutschland der Fertigpackungsverordnung auf Grundlage der Richtlinie 76/211/EWG. Kennzeichnung und Allergene regeln Etikettierung und Allergene.
Orientierung, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist der amtliche Wortlaut der genannten Rechtsakte und Normen.
07 · Entscheidung
Diese Punkte klären Sie am besten vor der Anfrage zur Nassabfüllung. Sie bestimmen Verfahren, Dosierorgan und Behälter.
Typische FehlerDas Verfahren wird nach Gewohnheit statt nach Haltbarkeitsziel gewählt. Die Viskosität wird ohne Temperatur angegeben. Der Verschluss wird vor statt nach der Wärmebehandlung geprüft. Das Give-away fehlt in der Kalkulation. Und „steril“ wird zugesagt, wo nur ein validierter, beherrschter Prozess belegt ist.
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08 · Anfrage
Ein Datenblatt der Rezeptur und ein Muster beschleunigen die Einschätzung. Für die erste Rückmeldung genügen die Eckdaten.
Eine verbindliche Kalkulation folgt, sobald Verfahren, Behälter und Chargengröße geklärt sind.
09 · FAQ
Nassabfüllung ist das Abfüllen flüssiger und pastöser Produkte in Flaschen, Gläser, Dosen oder Beutel. Im Gegensatz zur Trockenabfüllung von Pulver oder Stückgut kommt es auf Viskosität, Schaumneigung und Haltbarkeitsverfahren an. Typische Füllgüter sind Getränke, Soßen, Dressings, Gele und Cremes, auch in Kosmetik und technischen Anwendungen.
Bei der Kaltabfüllung wird das Produkt kalt gefüllt, die Haltbarkeit stützt sich auf Rezeptur, Hygiene und oft Kühlung. Bei der Heißabfüllung wird das erhitzte Produkt heiß in den Behälter gefüllt, der die Temperatur vertragen muss. Bei der aseptischen Abfüllung werden Produkt und Packmittel getrennt entkeimt und in geschützter Umgebung zusammengeführt.
Sie bestimmt, wie das Füllgut fließt und welches Dosierorgan passt: niedrigviskose Flüssigkeiten laufen über Durchflussmesser oder Waage, pastöse Massen eher über Kolben oder Zahnradpumpe. Die Viskosität ist keine feste Zahl, denn Temperatur und Scherung verändern sie. Nennen Sie deshalb den Messwert immer mit Temperatur.
Über das Dosierprinzip und eine Kontrolle am Linienende, zum Beispiel eine Kontrollwaage, die jede Packung wiegt und Abweichungen aussortiert. Rechtlich muss der Durchschnitt aller Packungen die Nennfüllmenge erreichen, deshalb wird die Anlage minimal höher eingestellt. Die Regeln dazu bündelt der Eintrag Nettofüllmenge.
Für flüssige und pastöse Produkte gilt im Produktionsverbund ein Richtwert von rund 100 Litern je Charge. Er dient der Orientierung und ist kein Ausschlusskriterium: Liegt Ihre Menge darunter, klären wir im Gespräch, welche Optionen es gibt, etwa eine höhere Menge. Preise nennen wir erst im Angebot.
Flüssige und pastöse Produkte sowie die Heißabfüllung laufen im Produktionsverbund, der aus Hannover koordiniert wird. Wir prüfen Ihr Projekt vorab: Produkt, Haltbarkeitsziel, Behälter und Menge. Eine aseptische Abfüllung führen wir nicht als Standardverfahren, sie lässt sich aber anfragen und wird im Einzelfall geprüft.
Ja. Behälter und Verschluss müssen Fülltemperatur und Abkühlen vertragen, ohne sich zu verformen oder undicht zu werden. Bei Beuteln ist reines Standard-PE für die Heißabfüllung grenzwertig. Prüfen Sie außerdem das Verschlussdrehmoment nach der Wärmebehandlung, denn es kann messbar abfallen.
10 · Fazit
Die Nassabfüllung hängt an zwei Entscheidungen. Die Viskosität bestimmt, wie das Füllgut dosiert wird, das Haltbarkeitsziel bestimmt, ob kalt, heiß oder aseptisch gefüllt wird. Behälter und Verschluss müssen zu beiden Entscheidungen passen, und der Verschluss ist nach einer Wärmebehandlung erneut zu prüfen.
Planen Sie die Füllmenge realistisch: Das Give-away gehört in die Kalkulation, und bei heiß gefüllter Ware ändert sich das Volumen beim Abkühlen. Aussagen wie „garantiert steril“ gehören nicht in ein Pflichtenheft, ein validierter Prozess mit Nachweis schon.
Wenn Ihr Produkt flüssig oder pastös ist, schicken Sie uns die Angaben aus der Checkliste. Für die Abgrenzung zum aufwendigsten Verfahren lesen Sie als Nächstes die aseptische Abfüllung.
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Rechtlicher HinweisDie hier bereitgestellten Informationen dienen als fachliche Orientierung für Produktentwickler, Einkauf und Geschäftskunden der OH!S GmbH. Sie ersetzen keine Rechtsberatung und keine rechtliche Einzelfallprüfung; maßgeblich ist der amtliche Wortlaut der genannten Rechtsakte und Normen. Für Produktkonformität, Kennzeichnung und Umweltaussagen ist die jeweils nach Gesetz verantwortliche Partei zuständig, in der Regel der Inverkehrbringer. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen auf Basis der genannten Quellen zusammengestellt; eine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit wird nicht übernommen.
Rechts- und Quellenstand: Oktober 2026. Änderungen: 13.05.2025 Erstveröffentlichung · 05.10.2026 vollständig überarbeitet: Kalt-, Heiß- und aseptische Abfüllung unterschieden, Dosierprinzipien nach Viskosität und Füllmengenkontrolle ergänzt, Fallstudie ohne Beleg und Validierungsintervall entfernt, Anfrage-Checkliste ergänzt.
Sam W. Pack · Fach- und Blogstimme der OH!S GmbH
Das offene Geheimnis: Hinter Sam steckt kein einzelner Mensch, sondern unser gesamtes OH!S-Team – über 30 Jahre Verpackungskompetenz, gebündelt in einer ehrlichen Stimme. Mehr davon im Schnack&Pack-Blog.
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