Verpackungslexikon · Packmittel & Beutel
Bag-in-Box ist ein zweiteiliges Packmittel: Ein flexibler Innenbeutel mit Armatur, meist einem Zapfhahn, steckt in einem Außenkarton, der den Beutel schützt, stapelbar macht und Platz für Druck bietet. Eingesetzt wird es vor allem für Flüssiges und Pastöses wie Wein, Saft, Sirup oder Soßen in größeren Füllmengen.
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01 · Definition
Bag-in-Box heißt: Das Füllgut steckt in einem flexiblen Beutel, der Beutel in einem Karton, und ein Hahn ersetzt Flasche und Ausguss.
Der Innenbeutel besteht aus Folie, meist mehrschichtig, und nimmt das Füllgut auf. Eine Armatur, die mit dem Beutel verschweißt ist, dient zum Befüllen und zum Entnehmen und trägt den Zapfhahn. Der Außenkarton schützt den Beutel, hält das Gebinde in Form und lässt sich bedrucken.
Beim Zapfen fällt der Beutel in sich zusammen, statt dass Luft nachströmt. Das ist der Kern des Prinzips: Anders als bei einer angebrochenen Flasche kommt das Restfüllgut kaum mit Sauerstoff in Berührung.
Bag-in-Box ist damit ein Gebinde für Entnahme in Portionen aus größeren Mengen, etwa in Gastronomie, Gemeinschaftsverpflegung oder Haushalt.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Aufbau | Innenbeutel mit Armatur und Zapfhahn, Außenkarton |
| Füllgut | Flüssiges und Pastöses, etwa Wein, Saft, Sirup, Soßen, Speiseöl |
| Entnahme | Zapfen über den Hahn, der Beutel fällt dabei in sich zusammen |
| Barriere | über den Folienaufbau des Beutels einstellbar |
| Rolle nach PPWR | Verkaufsverpackung aus mehreren Materialien |
| Lebensmittelkontakt | Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004, für Kunststoffschichten zusätzlich Verordnung (EU) Nr. 10/2011 |
| Kurzform | BiB |
02 · Einsatz
Bag-in-Box ist ein Gebinde für Flüssiges und Pastöses, das portionsweise aus größeren Mengen entnommen wird.

Je zäher oder stückiger das Füllgut, desto enger wird die Auswahl an Armatur und Abfüllverfahren. Und je empfindlicher es gegen Sauerstoff oder Licht ist, desto mehr Barriere braucht die Folie. Beides gehört vor jeder Formatentscheidung in die Spezifikation.
03 · Vergleich
Wer ein flüssiges Produkt in größeren Mengen anbietet, wählt selten zwischen allen Formaten. Meist stehen Bag-in-Box und ein weiteres Gebinde zur Auswahl: die Flasche, weil sie vertraut ist, oder der Standbodenbeutel mit Ausgießer, weil er ähnlich flexibel ist.
Die Tabelle ordnet die Unterschiede qualitativ ein. Konkrete Werte hängen vom Produkt ab und gehören in eine Spezifikation, nicht in einen Vergleich. Zur Flasche mehr im Eintrag Glasverpackung.

| Kriterium | Bag-in-Box | Glasflasche | Standbodenbeutel mit Ausgießer |
|---|---|---|---|
| Entnahme | Zapfen über den Hahn, Beutel fällt zusammen | Gießen, Luft strömt nach | Ausgießen oder Ausdrücken |
| Gewicht und Bruch | leicht, kein Glasbruch | schwerer, bruchempfindlich | leicht und flexibel |
| Füllmenge | eher größere Gebinde für Gastronomie und Haushalt | von der Einzelportion bis zur Großflasche | eher kleinere bis mittlere Mengen |
| Barriere | über den Folienaufbau einstellbar | Glas ist sehr dicht, der Verschluss entscheidet | über den Folienaufbau einstellbar |
| Druckfläche | große Fläche auf dem Karton | Etikett | Fläche auf dem Beutel |
| Abfüllung | Beutelabfüllung mit Armaturhandling | Flaschenabfüllung | Beutelabfüllung |
| Recyclingbewertung | Beutel und Karton aus verschiedenen Materialien, Bewertung offen | Glas und Verschluss getrennt zu bewerten | je nach Aufbau Verbund oder Monomaterial |
04 · Aufbau
Mehrschichtfolie: Innen sitzt die Siegelschicht, meist PE. Empfindliche Füllgüter brauchen eine Barriere, etwa aus EVOH, Aluminium oder metallisierter Folie. Messgrößen erklärt der Eintrag Barriereeigenschaften, den Schichtaufbau der Eintrag Verbundfolie.
Die Armatur ist mit dem Beutel verschweißt. Wie beim Ausgießer entscheidet die Werkstoffpaarung mit der innersten Siegelschicht über die Naht: Artgleiche Polymere verschweißen zuverlässig, artfremde nicht. Der Hahn muss nach jedem Zapfen dicht schließen.
Er schützt den Beutel, hält die Form, macht das Gebinde stapelbar und trägt Druck und Kennzeichnung. Meist besteht er aus Wellpappe oder Vollkarton und hat einen Ausschnitt für den Hahn.

Haltbarkeit nach dem Anzapfen belegenWeil sich der Beutel beim Zapfen zusammenzieht, strömt wenig Luft nach. Wie lange ein Füllgut nach dem Anzapfen haltbar bleibt, hängt aber von Produkt, Folie, Hahn und Lagerung ab. Verlassen Sie sich nicht auf Pauschalwerte, sondern prüfen Sie es am echten Füllgut.
05 · Abfüllung
Der leere Beutel mit eingeschweißter Armatur wird angeliefert, je nach Verfahren keimarm vorbehandelt.
AnlieferungDas Füllgerät greift die Armatur und öffnet sie; eine Schutzkappe oder ein Ventil gibt den Weg frei.
FüllgerätDie Menge wird volumetrisch über einen Durchflussmesser oder gravimetrisch über eine Wägezelle dosiert und gegen die Nennfüllmenge kontrolliert.
DosierungDie Armatur wird wieder verschlossen. Kopfraum und Restluft werden je nach Füllgut minimiert, bei empfindlichen Produkten teils mit Inertgas.
VerschlussDer Beutel kommt in den Außenkarton, Charge und Mindesthaltbarkeit werden aufgebracht, die Einheiten palettiert.
VerpackungKalt-, Heiß- und aseptische Abfüllung unterscheiden sich in der Temperaturbelastung für Folie und Armatur und in den Hygieneanforderungen. Die Grundlagen stehen in den Einträgen Nassabfüllung, aseptische Abfüllung und CIP und SIP. Für die Füllmengenkontrolle gelten die Regeln der Nettofüllmenge.
Ob und wie wir ein Bag-in-Box-Projekt umsetzen können, klären wir nach Ihrer Anfrage im Einzelfall. Mehr zum allgemeinen Leistungsumfang: Lohnabfüllung für Lebensmittel.
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06 · Regulatorik
Für einen Bag-in-Box gelten die Regeln für jedes Bauteil: Beutelfolie, Armatur, Klebstoff, Druckfarbe und Karton.
Folie und Armatur müssen für das Füllgut geeignet sein (Verordnung (EG) 1935/2004), Kunststoffschichten zusätzlich nach Verordnung (EU) 10/2011 mit Konformitätserklärung. Geprüft wird mit Prüfflüssigkeiten, die zum Füllgut passen: Essigsäure 3 Prozent bei pH-Werten unter 4,5, Ethanol 20 Prozent bei alkoholischen Lebensmitteln bis 20 Prozent, pflanzliches Öl bei Lebensmitteln mit freiem Fett an der Oberfläche. Mehr: Lebensmittelkontaktmaterialien.
Die Verordnung (EU) 2024/3190 gilt für alle Lebensmittelkontaktmaterialien, auch Klebstoffe, Lacke und Druckfarben. Auf allen Stufen außer dem Einzelhandel ist eine Konformitätserklärung nach Anhang III nötig. Mehr: BPA und Bisphenole.
Für Getränkebehälter bis drei Liter verlangt Art. 6 der Richtlinie (EU) 2019/904 befestigte Kunststoffverschlüsse; maßgeblich ist die Funktion als Getränkebehälter, nicht die Bauform. Ob ein Zapfhahn darunter fällt, ist uns aus keiner amtlichen Auslegung bekannt. Klären Sie das bei Getränken bis drei Litern früh.
Dazu kommen die Pflichten der PPWR seit 12. August 2026: PFAS- und Schwermetallgrenzwerte für Lebensmittelkontaktverpackungen (Art. 5), technische Dokumentation und EU-Konformitätserklärung des Erzeugers. Kennzeichnung und Mindesthaltbarkeit richten sich nach dem Lebensmittelrecht; planen Sie Fläche am Karton dafür ein.
Recyclingfähigkeit und UmweltaussagenEine Leistungsstufe A, B oder C wird erst nach den delegierten Rechtsakten der EU bewertet, deren Methode bis zum 1. Januar 2028 feststeht. Ein Bag-in-Box besteht aus Kunststoffbeutel, Armatur und Karton; wie die Trennbarkeit in die Bewertung eingeht, ist nicht abschließend geklärt. Eine Recyclingklasse sagen wir nicht zu. Pauschale Umweltaussagen sind seit dem 27. September 2026 problematisch, siehe Umweltaussagen.
07 · Einkauf
Diese Punkte gehören in jede Spezifikation, die später in eine Verpackungsspezifikation mündet.
Prüfen Sie auch die Haltbarkeit nach dem Anzapfen am echten Füllgut, mit Lagerung und Entnahme wie im späteren Gebrauch.
Artfremde Werkstoffe verschweißen schlecht. Legen Sie die Paarung von Armatur und Siegelschicht früh fest.
Auch Armatur, Klebstoff und Druckfarbe brauchen Unterlagen. Fragen Sie sie beim Lieferanten für jedes Bauteil an.
Mit diesen Punkten können wir Ihr Projekt in der Regel ohne Rückfragen einordnen.
08 · Anfrage
Mindestmengen für dieses Format nennen wir nicht pauschal; sie hängen am Projekt und werden im Einzelfall geklärt.
Preise nennen wir verbindlich erst im Angebot, weil sie an Füllmenge, Armatur und Auflage hängen.
09 · FAQ
Bag-in-Box ist ein Packmittel aus zwei Teilen: einem flexiblen Innenbeutel mit Armatur, meist einem Zapfhahn, und einem Außenkarton. Der Beutel hält das Füllgut, der Karton schützt, macht das Gebinde stapelbar und trägt den Druck. Eingesetzt wird es vor allem für Flüssiges und Pastöses wie Wein, Saft, Sirup oder Soßen, wenn Verbraucher oder Gastronomie portionsweise aus einer größeren Menge entnehmen.
Beim Zapfen fällt der Beutel Stück für Stück in sich zusammen, statt dass Luft in das Gebinde nachströmt. Der Hahn schließt nach jeder Entnahme dicht. Das schont sauerstoffempfindliche Füllgüter im Vergleich zur angebrochenen Flasche. Wie gut das gelingt, hängt von der Bauart des Hahns, vom Folienaufbau und vom Füllgut ab.
Geeignet sind Flüssigkeiten und Pasten, die portionsweise aus größeren Mengen entnommen werden, etwa Wein, Fruchtsaft, Sirup, Soßen, Speiseöl oder Pürees. Je zäher oder stückiger das Füllgut ist, desto enger wird die Auswahl an Armatur und Abfüllverfahren. Sauerstoff- oder lichtempfindliche Füllgüter brauchen einen Folienaufbau mit passender Barriere.
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Die Haltbarkeit nach dem Anzapfen hängt von Füllgut, Folienaufbau, Hahn, Lagertemperatur und Entnahmeverhalten ab. Belastbar wird eine Angabe erst durch eine Haltbarkeitsprüfung am echten Füllgut unter den Bedingungen, die später gelten. Pauschale Werte aus Prospekten ersetzen diese Prüfung nicht.
Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Ein Bag-in-Box besteht aus einem Kunststoffbeutel mit Armatur und einem Karton, also aus verschiedenen Materialien. Die Recyclingfähigkeit bewertet die PPWR erst nach den delegierten Rechtsakten, deren Methode die EU bis zum 1. Januar 2028 festlegt; wie die Trennbarkeit von Beutel und Karton dabei zählt, ist nicht abschließend geklärt. Eine Recyclingklasse sagen wir für keinen Aufbau zu.
Beutelfolie und Armatur brauchen Nachweise für den Lebensmittelkontakt: Konformität nach Verordnung (EG) 1935/2004 und bei Kunststoffschichten nach Verordnung (EU) 10/2011 samt Konformitätserklärung. Hinzu kommen die Bisphenol-Erklärung nach Verordnung (EU) 2024/3190 sowie PFAS- und Schwermetallnachweise nach Art. 5 PPWR. Bei Getränken bis drei Liter ist außerdem die Einwegkunststoff-Richtlinie zu prüfen. Die Unterlagen sollten vor dem Produktionsstart vorliegen.
Hilfreich sind das Füllgut mit Viskosität, die Füllmenge je Gebinde, die Prozesstemperatur (kalt, heiß oder aseptisch), Sauerstoff- und Lichtempfindlichkeit samt gewünschter Haltbarkeit, die Angabe, ob es sich um ein Getränk handelt, der Wunsch für Armatur und Hahn, der Außenkarton, die Auflage und der Wunschtermin. Ob und wie wir ein Bag-in-Box-Projekt umsetzen können, klären wir danach im Einzelfall; innerhalb von 48 Stunden melden wir uns mit einer ersten Einschätzung.
10 · Fazit
Bag-in-Box lohnt sich dort, wo Flüssiges in größeren Mengen portionsweise entnommen wird und Luftkontakt nach dem Anzapfen vermieden werden soll. Drei Dinge entscheiden: das Füllgut mit seiner Viskosität und Empfindlichkeit, die Barriere von Beutel und Armatur und die Nachweise für jedes Bauteil.
Rechtlich lohnt der Blick auf zwei Punkte, die schnell untergehen: die Einwegkunststoff-Richtlinie bei Getränken bis drei Liter und die offene Bewertung der Recyclingfähigkeit. Beides gehört vor den ersten Entwurf in die Planung.
Wenn Sie so weit sind, schicken Sie uns die Angaben aus der Checkliste. Zum Weiterlesen eignet sich der Eintrag zur Nassabfüllung.
Weiterlesen
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Kalt-, Heiß- und aseptische Abfüllung von Flüssigem: Viskosität und Füllmengenkontrolle.
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Beutel mit Ausgießer: Positionen, Kaliber, Verschluss und Abfüllweg.
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Keimarm abfüllen: Prinzip, Ablauf und Grenzen, ohne Absolutzusagen.
Packmittel
Der Standbodenbeutel im Überblick: Aufbau, Zipper, Materialien, Abfüllung und Recht.
Packmittel
Aufbau, Funktionen und Recyclingbewertung ohne pauschales Verbundverbot.
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Rechtlicher HinweisDie hier bereitgestellten Informationen dienen als fachliche Orientierung für Produktentwickler, Einkauf und Geschäftskunden der OH!S GmbH. Sie ersetzen keine Rechtsberatung und keine rechtliche Einzelfallprüfung; maßgeblich ist der amtliche Wortlaut der genannten Rechtsakte und Normen. Für Produktkonformität, Kennzeichnung und Umweltaussagen ist die jeweils nach Gesetz verantwortliche Partei zuständig, in der Regel der Inverkehrbringer. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen auf Basis der genannten Quellen zusammengestellt; eine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit wird nicht übernommen.
Rechts- und Quellenstand: Oktober 2026. Änderungen: 05.10.2026 Erstveröffentlichung.
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