Verpackungslexikon · Packmittel & Beutel
Verbundfolie, auch Mehrschichtfolie genannt, ist eine Verpackungsfolie aus mehreren Lagen, die coextrudiert oder mit Klebstoff kaschiert werden. Jede Lage übernimmt eine Aufgabe, etwa Druckträger, Barriere oder Siegelschicht. So verbindet sie Eigenschaften, die ein einzelner Kunststoff nicht liefert. Die Recyclingbewertung gilt dem Gesamtaufbau, nicht der Kategorie Verbund.
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01 · Definition
Eine einzelne Kunststofffolie kann selten alles: bedruckbar sein, Sauerstoff und Wasserdampf bremsen und sich sicher siegeln lassen. Die Verbundfolie verteilt diese Aufgaben auf mehrere Lagen.
Mehrschichtfolien entstehen auf zwei Wegen. Bei der Coextrusion werden mehrere Schmelzen in einem Arbeitsgang zusammengeführt. Beim Kaschieren, auch Laminieren genannt, werden fertige Einzelfolien mit Klebstoff verbunden. Kaschieren erlaubt Kombinationen, die sich nicht coextrudieren lassen, etwa Kunststofffolie mit Aluminium oder Papier.
Im Einkauf steht „Verbund“ meist für beides. Daneben hat das Wort eine eigene Bedeutung im Mindeststandard der Zentralen Stelle Verpackungsregister: Dort gilt eine Verpackung als Verbund, wenn keine Materialart mehr als 95 % der Masse ausmacht.
| Kriterium | Coextrusion | Kaschieren |
|---|---|---|
| Prinzip | Mehrere Schmelzen werden in einem Arbeitsgang zusammengeführt | Fertige Einzelfolien werden mit Klebstoff verbunden |
| Kombinierbar | Kunststoffe, die sich gemeinsam extrudieren lassen | Auch Kunststofffolie mit Aluminium oder Papier |
| Verbindung der Lagen | Haftvermittler-Schichten (Tie-Layer) | Kaschierkleber |
02 · Aufbau
Eine Verbundfolie ist von außen nach innen aufgebaut: Druckträger, Barriere, Siegelschicht. Dazwischen sitzen Haftvermittler oder Kaschierkleber.
Trägt Druck und Veredelung und gibt dem Beutel mechanische Festigkeit. Üblich sind PET, OPP oder OPA.
Bremst Sauerstoff, Wasserdampf, Licht und Aromen. Beispiele sind EVOH, Aluminium, AlOx- oder SiOx-Beschichtung und PVDC. Kennwerte erklärt der Eintrag Barriereeigenschaften.
Liegt innen und schmilzt beim Siegeln. Meist PE oder PP, bei Retortbeuteln CPP. Wie daraus eine dichte Naht wird, zeigt der Eintrag Siegelnaht.
| Aufbau | Aufgabe der Lagen | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| PET/PE | PET außen: reißfest, bedruckbar, temperaturstabil. PE innen: Siegelschicht | Standardaufbau ohne besondere Barriereanforderung |
| PET/Alu/PE | Aluminium in der Mitte bremst Licht, Sauerstoff und Feuchtigkeit | Sehr empfindliche Füllgüter, bei denen die Barriere im Vordergrund steht |
| PET/VMPET/PE | Aufgedampfte Metallschicht statt Aluminiumfolie | Hohe Licht- und Sauerstoffbarriere bei flexiblerem Aufbau |
| Kraftpapier/Folie | Außen Kraftpapier, innen PE, CPP oder Aluminium kaschiert | Papieroptik; das Papier allein bietet keine Gasbarriere |
| Mono-PE oder Mono-PP | Gleiche Polymerfamilie in allen Lagen, oft mit EVOH | Siehe Monomaterial |

Aluminiumfolie gilt im intakten Verbund als praktisch dicht. Dünne Aluminiumfolien von 6 bis 9 µm haben allerdings Nadellöcher, und Knicken verschlechtert die Barriere weiter. Ein einzelnes kleines Loch im Verbund wirkt sich jedoch nur gering auf die Durchlässigkeit aus.
Wer Verbundfolien für Doypacks und Standbodenbeutel spezifiziert, legt deshalb nicht nur die Werkstoffe fest, sondern auch Dicken, Schichtfolge und Prüfbedingungen der Barrierewerte.
03 · Nachteile
Die Verbundfolie löst ein Barriere- und Verarbeitungsproblem und schafft ein Recyclingproblem. Beides gehört in dieselbe Rechnung.
Die Wortwahl zählt: Eine Verbundfolie erschwert das Recycling, sie verhindert es nicht. Pauschal von „nicht recycelbar“ zu sprechen, wäre ebenso unbelegt wie von „recycelbar“.
04 · Recyclingbewertung
Weder die PPWR noch der ZSVR-Mindeststandard enthalten ein pauschales Verbundverbot. Bewertet wird der konkrete Aufbau nach Sortierbarkeit, Recyclingprozess und Marktakzeptanz. Der Mindeststandard behandelt die Verbundfolie als eigene Kategorie mit eigener Bewertung, und auch eine Verbundfolie kann eine Bewertung erhalten.
Ein Beispiel aus der Praxis: Das Institut cyclos-HTP hat für Mehrschichtfolien aus PE und PA6 eine Recyclingverträglichkeit für den PE-Folienstrom attestiert. Ein solches Testat gilt für den geprüften Aufbau und die geprüfte Methode, es ist nicht auf andere Strukturen übertragbar.
Artikel 6 der Verordnung (EU) 2025/40 verlangt recyclinggerechte Gestaltung und Leistungsstufen von A bis C. Die Kommission legt Kriterien und Methode bis zum 1. Januar 2028 fest. Eine Klasse lässt sich bis dahin für keinen konkreten Aufbau zusagen. Mehr im Eintrag Recyclingfähigkeit.
| Faktor | Wirkung |
|---|---|
| Art und Zahl der Polymere | Verschiedene Polymere im selben Aufbau, etwa PET/PE, sind im Recyclingstrom meist nicht verwertbar |
| Barriereschicht | In RecyClass-Bewertungen für PE-Folien gelten bis 5 Gew.-% EVOH als zulässig, wenn das Verhältnis zur Haftvermittlerschicht stimmt |
| Kleber und Druckfarbe | Sie beeinflussen das Rezyklat |
| Einzelne Komponente | Nach der 0-%-Regel setzt eine als unverträglich eingestufte Komponente das Ergebnis auf 0 % |
| Gesamtaufbau | Entscheidend ist die geprüfte Struktur, nicht die Materialfamilie |
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05 · Entscheidungshilfe
Die Verbundfolie bleibt die richtige Wahl, wenn die Barriere es verlangt. Die Frage lautet, wie viel davon Ihr Füllgut wirklich braucht.
| Situation | Das spricht für die Verbundfolie | Das ist zu prüfen |
|---|---|---|
| Sehr empfindliches Füllgut, lange Haltbarkeit | Aluminium oder Metallisierung liefern hohe Barriere | Recyclingbewertung des Aufbaus; Mono-Aufbau mit EVOH als Alternative |
| Heißabfüllung oder Retorte | Verbund mit CPP-Siegelschicht und hitzebeständigem Kleber | Haftung der Lagen vor und nach dem Prozess |
| Standardprodukt, mittlere Haltbarkeit | PET/PE ist etabliert und siegelt mit großem Fenster | Mono-PE oder Mono-PP, wenn Verwertung Ziel ist; Siegelfenster klären |
| Papieroptik gewünscht | Kraftpapier-Verbund mit Barriere in der Innenlage | Bei fett- oder feuchtigkeitsabweisender Ausrüstung PFAS-Nachweis, siehe PFAS in Lebensmittelverpackungen |

Muster nebeneinander zu legen, ist der schnellste Weg, Optik, Steifigkeit und Siegelverhalten zu vergleichen. Die Barriere sehen Sie dabei nicht: Dafür brauchen Sie Messwerte mit Prüfbedingung und, für das Haltbarkeitsziel, eine Stabilitätsprüfung am echten Füllgut.
Bei Standard-PE-, -PP- und -PET-Folien ohne fluorierte Ausrüstung ist das PFAS-Risiko gering, ein Nachweis ist trotzdem nötig. Am höchsten ist es bei beschichteten Papier- und Kartonverbunden mit fett- oder feuchtigkeitsabweisender Ausrüstung.
Ob Verbundfolie oder Mono-Aufbau besser passt, entscheidet erst der Vergleich am Muster: Barrierewerte, Siegelversuch, Stabilitätsprüfung am Füllgut und Bewertung des Aufbaus. Eine Hilfe für die Auswahl bei Portionsbeuteln gibt der Eintrag Sachets.
06 · Regulatorik
Eine Verbundfolie besteht aus vielen Bestandteilen. Für alle gilt: Die Nachweise müssen vor Produktionsstart vorliegen.
Folie, Kaschierkleber, Lack und Druckfarbe müssen für den Lebensmittelkontakt geeignet sein (Verordnung (EG) Nr. 1935/2004, bei Kunststoffen auch Verordnung (EU) Nr. 10/2011). Mehr im Eintrag Lebensmittelkontaktmaterialien.
Der Verpackungshersteller liefert Materialaufbau und Lieferanteninformationen nach Artikel 16. Die technische Dokumentation und die EU-Konformitätserklärung liegen beim Erzeuger der Verpackung. Mehr in Erzeuger und Hersteller nach PPWR.
Seit dem 27. September 2026 sind allgemeine Umweltaussagen ohne anerkannten Nachweis unzulässig. Ob „recyclingfähig“ auf einer Packung stehen darf, hängt vom Beleg für den konkreten Aufbau ab, siehe Umweltaussagen.
Wer Aufbau, Nachweise und Rollen früh klärt, spart Schleifen in Bemusterung und Freigabe. Unterstützung bei Materialwahl und Nachweisen finden Sie auf der Seite zu nachhaltigen Verpackungen.
Mit diesen Punkten können wir Ihr Projekt in der Regel ohne Rückfragen einordnen.
07 · Anfrage
Haben Sie noch keine Verbundfolie spezifiziert, besprechen wir Füllgut, Haltbarkeitsziel und Zielmarkt und leiten daraus Anforderungen an die Folie ab. Die Beschaffung des Packmittels und die Rolle des Erzeugers sind zwei Fragen: Wer die Folie beschafft, entscheidet nicht allein darüber, wer Erzeuger ist.
Planen Sie vom Auftrag bis zur Produktion 4 bis 8 Wochen ein, gerechnet ab der Auftragsklärung und sobald das Material vorliegt.
08 · FAQ
Eine Verbundfolie ist eine Verpackungsfolie aus mehreren Lagen, die coextrudiert oder mit Klebstoff kaschiert werden. Die Lagen haben unterschiedliche Aufgaben: Die Außenlage trägt Druck und gibt Festigkeit, eine Barriereschicht bremst Sauerstoff, Wasserdampf, Licht oder Aromen, die Siegelschicht schließt den Beutel. Mehrschichtfolie ist ein Synonym.
Bei der Coextrusion werden mehrere Schmelzen in einem Arbeitsgang zu einer Folie zusammengeführt. Beim Kaschieren, auch Laminieren genannt, werden fertige Einzelfolien mit Klebstoff verbunden. Kaschieren erlaubt Kombinationen, die sich nicht coextrudieren lassen, etwa Kunststofffolie mit Aluminium oder Papier. Welches Verfahren passt, hängt vom gewünschten Aufbau ab.
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Mehrere Werkstoffe erschweren Sortierung und Recycling, und Kleber, Druckfarben, Metallisierung und Barriereschichten beeinflussen das Rezyklat. Es gibt aber Verbunde, deren Aufbau für ein Recyclingverfahren bewertet oder testiert wurde. Eine Aussage gilt immer nur für den geprüften Gesamtaufbau. Eine Recyclingklasse sagen wir für keinen konkreten Aufbau zu.
Ein pauschales Verbundverbot enthalten weder die PPWR noch der ZSVR-Mindeststandard. Die PPWR verlangt in Artikel 6 recyclinggerechte Gestaltung und Leistungsstufen von A bis C; die Methode legt die Kommission bis zum 1. Januar 2028 fest. Ein Verbund kann bewertet werden wie jeder andere Aufbau. Ob er eine Stufe erreicht, zeigt erst die Bewertung der konkreten Struktur.
Häufig sind PET außen und PE innen. Für höhere Barriere kommt in der Mitte Aluminiumfolie oder metallisiertes PET dazu, bei Papieroptik liegt Kraftpapier außen und innen eine kaschierte Siegelschicht aus PE, CPP oder Aluminium. Dazu kommen Kaschierkleber oder Haftvermittler zwischen den Lagen. Den genauen Aufbau legt das Datenblatt des Folienlieferanten fest.
Bei einer Verbundfolie übernehmen verschiedene Werkstoffe verschiedene Aufgaben. Bei Monomaterial gehören alle Lagen derselben Polymerfamilie an, meist PE oder PP. Monomaterial schafft eine bessere Ausgangslage für die Verwertung, belegt sie aber nicht. Der Verbund erlaubt oft höhere Barriere und ein größeres Siegelfenster. Beide Bauarten brauchen eine Bewertung des konkreten Aufbaus.
Verlangen Sie die Schichtfolge mit Werkstoffen und Dicken, Barrierewerte mit Prüfbedingung, die Siegelkurve der Siegelschicht, die Konformitätserklärung für Lebensmittelkontakt, Nachweise zu PFAS und Schwermetallen sowie, falls vorhanden, eine Recyclingbewertung des Aufbaus mit Stelle, Datum und Methode. Ohne diese Unterlagen lässt sich der Aufbau weder spezifizieren noch rechtlich einordnen.
09 · Fazit
Eine Verbundfolie ist kein Problemfall und kein Auslaufmodell, sondern ein Werkzeug: Jede Lage übernimmt eine Aufgabe, und die Kombination liefert Schutz und Verarbeitung, die ein Einzelkunststoff oft nicht erreicht. Der Preis ist ein erschwertes Recycling. Weder die PPWR noch der ZSVR-Mindeststandard verbieten Verbunde pauschal; sie bewerten den konkreten Aufbau.
Spezifizieren Sie deshalb Schichtfolge, Barrierewerte mit Prüfbedingung und Siegelschicht, und verlangen Sie die Nachweise vor Produktionsstart. Als Alternative mit anderer Ausgangslage lesen Sie als Nächstes den Eintrag zu Monomaterial.
Weiterlesen
Packmittel
Ein Kunststoff statt Verbund: was Monomaterial leistet und was es nicht belegt.
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Zwei Messgrößen, klare Einheiten und Prüfbedingungen für die Folienwahl.
Recht
Wann eine Verpackung als recyclingfähig gilt, nach PPWR-Klassen und Praxis.
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Temperatur, Druck, Zeit und Prüfung: was eine dichte Siegelnaht ausmacht.
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Papieroptik ist nicht gleich Nachhaltigkeit: Schichtaufbau, Barriere und Entsorgung im Faktencheck.
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Rechts- und Quellenstand: Oktober 2026. Änderungen: 05.10.2026 Erstveröffentlichung (neuer Eintrag): Aufbau, Funktion der Schichten, Nachteile, Recyclingbewertung ohne pauschales Verbundverbot, Entscheidungshilfe und Anfrage-Checkliste.
Sam W. Pack · Fach- und Blogstimme der OH!S GmbH
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