Sachets — der technische Leitfaden für Abfüller, Markeninhaber & Produktentwickler
Sachets sind flexible Portionsverpackungen aus drei- oder vierseitig versiegelten Folienverbunden — konzipiert für exakt dosierte Einzelportionen von Pulvern, Pasten, Flüssigkeiten oder Granulaten. Sie verbinden absolute Hygiene, brillante Markenkommunikation auf großer Druckfläche und industrielle Skalierbarkeit. Die technologische Transformation zum Monomaterial-Sachet ist dabei der Schlüssel zur Erfüllung der EU-Verpackungsverordnung PPWR 2025/40. Die wichtigsten Entscheidungsgrundlagen:
- Füllvolumen: 0,5 ml bis 50 g bzw. 50 ml — skalierbar auf VFFS/HFFS-Anlagen
- Barriere: Alu-Verbund oder SiOx/AlOx-beschichtetes Monomaterial — OTR unter 0,1 cm³/m²·Tag
- PPWR 2025/40: Recyclingfähigkeit ab 01.01.2030 Pflicht — Monomaterial-Sachets sind PPWR-Ready
- MOQ bei OH!S: Kleinserien für Start-ups bis industrielle Großauflagen flexibel planbar
- Compliance: VO 1935/2004, VO 10/2011, VO 2024/3190 (BPA-Verbot), EU-Bio, IFS-Food
- Was ist ein Sachet? Definition & Morphologie
- Sachet-Typen: Twin, Triplet, Strip & Shaped Sachets
- Sachet vs. Stickpack — die technische Abgrenzung
- Anatomie eines Sachets: der mehrschichtige Aufbau
- Materialevolution: von Multilayer zu Monomaterial
- VFFS & HFFS — wie Sachets industriell abgefüllt werden
- Branchenspezifische Einsatzgebiete
- EU-Regulatorik: was du bei Sachets beachten musst
- Sachets abfüllen lassen bei OH!S
- Häufige Fragen zu Sachets
Was ist ein Sachet? Definition & Morphologie
Ein Sachet (abgeleitet aus dem Französischen für „kleines Säckchen") ist eine flexible, flache Portionsverpackung, die durch thermisches oder ultraschallbasiertes Versiegeln von Folienkanten entsteht. In der klassischen Ausführung handelt es sich um einen Drei- oder Vier-Rand-Siegelbeutel. Gefertigt aus hochentwickelten Kunststoff-Monofolien, Papierverbunden oder hauchdünnem Aluminium, dient das Sachet primär der absolut hygienischen, luft-, feuchtigkeits- und lichtdichten Verpackung von festen, pulverförmigen, pastösen oder flüssigen Gütern in exakt definierten Kleinmengen.
Die Konstruktion folgt einem einfachen, aber präzisen Prinzip: Zwei aufeinanderliegende Folienlagen werden entlang der Ränder miteinander versiegelt, nach der Befüllung wird die letzte offene Kante geschlossen. Was trivial klingt, ist in Wahrheit eine hochpräzise Fertigungsdisziplin — denn jede einzelne Siegelnaht entscheidet über Dichtigkeit, Barriere-Integrität und damit über die gesamte Produkthaltbarkeit.
Sachets sind die technisch präziseste Antwort auf einen klar definierten Bedarf: exakt dosierte Einzelportionen mit maximaler Barriereleistung bei minimalem Materialeinsatz. Kein anderes Format verbindet Hygiene, Haltbarkeit, On-the-go-Fähigkeit und großflächige Markenkommunikation so effizient.
Größenordnungen und Füllvolumen
Die Abfüllung in Sachets erfolgt in Volumina von 0,5 ml bis rund 50 g (pulverförmig) oder bis zu 50 ml (flüssig/pastös). Typische Einsatzbereiche und ihre Standardgrößen:
| Anwendung | Typische Füllmenge | Format | Branche |
|---|---|---|---|
| Kosmetik-Sample | 0,5 – 3 ml | Flach, 4-Rand | Magazin, Launch-Sampling |
| Soßen & Condiments | 5 – 25 ml | Flach oder Twin | QSR-Gastronomie, Lieferdienste |
| Getränkepulver (NEM) | 3 – 15 g | Stickpack bevorzugt | Superfoods, Vitamin-Shots |
| Gewürze & Würzsalze | 2 – 10 g | Flach, 3-Rand | Grillmischungen, Instant-Küche |
| Kosmetische Creme | 2 – 15 ml | Flach oder Shaped | Hotel-Amenities, Travel-Sets |
| Pharma-Granulat | 1 – 8 g | Stickpack oder Strip | OTC, rezeptfreie Präparate |
Sachet-Typen: Twin, Triplet, Strip & Shaped Sachets
Neben dem flachen Standard-Sachet für klassische Single-Serve-Anwendungen existieren hochspezialisierte Derivate, die jeweils spezifische Funktionen erfüllen:
Twin- und Triplet-Sachets
Zwei- oder Drei-Kammern-Systeme, die durch Perforationen oder Schwachsiegelnähte voneinander getrennt sind. Sie ermöglichen die isolierte Aufbewahrung reaktiver Komponenten bis zum unmittelbaren Nutzungsmoment — relevant für:
- Zwei-Komponenten-Klebstoffe in der Industrie
- Komplementäre Kosmetika (z. B. Aktivserum + Aktivator)
- Instant-Getränke mit separaten Geschmacks- und Funktionskomponenten
- Duo-Saucen für die Gastronomie (z. B. Ketchup + Senf in einer Verpackung)
Strip-Sachets
Aneinanderhängende Beutelketten, die als Streifen abgetrennt werden können. Besonders im Pharma- und NEM-Bereich gewährleisten sie chronologische Dosierung und hohe Einnahmetreue über definierte Zeiträume (Tagesblister, Wochenpläne). Jedes einzelne Sachet ist mit Produktdatum, Chargennummer oder Tagesbezeichnung bedruckbar — ein entscheidender Vorteil für Therapietreue und Compliance-Tracking.
Shaped Sachets (Formbeutel)
Asymmetrisch gestanzte Sonderformen mit der Geometrie des Markenlogos, eines Produktumrisses oder einer emotional aufgeladenen Silhouette. Am Point of Sale sind sie das stärkste differenzierende Regal-Signal — besonders wirksam für Launches, Limited Editions und Geschenksets. Nachteil: höhere Werkzeugkosten und reduzierte Maschinengeschwindigkeit in der Produktion.
Sachet vs. Stickpack — die technische Abgrenzung
In der industriellen Lohnabfüllung werden die Termini „Sachet" und „Stickpack" häufig synonym verwendet. Technologisch, geometrisch und ökonomisch weisen sie jedoch signifikante Unterschiede auf, die für die strategische Verpackungswahl kritisch sind:
| Kriterium | Sachet (flach) | Stickpack |
|---|---|---|
| Geometrie | Breit, flach, quadratisch oder rechteckig | Schlank, länglich (L:B = 3:1 bis 5:1) |
| Siegelnähte | Drei oder vier Randsiegelnähte | Eine Längs- und zwei Quernähte |
| Materialverbrauch | Relativ hoch (große Siegelflächen) | Gering (bis zu 30 % weniger Folie) |
| Applikation | Pasten, Lotionen, Feuchttücher, Saucen | Pulver, Granulate, Getränkemixe |
| Druckfläche | Groß, zusammenhängend — ideal für Branding | Schmal, länglich — limitierte Designmöglichkeit |
| Öffnungsprinzip | Seitlich aufreißen (Laser Scoring) | Kopfseitig knicken oder reißen |
| Konsument-Use | Entnehmen, auftragen, ausdrücken | Einschütten, trichterfrei in Flasche |
| Typische Füllmenge | 1 – 50 ml/g | 1 – 15 g (primär Trockenprodukte) |
Faustregel für die Wahl: Sachets wählen, wenn die Druckfläche für das Branding entscheidend ist oder pastöse/flüssige Füllgüter portioniert werden sollen. Stickpacks wählen, wenn On-the-go-Konsum, Pulverhandling oder Materialersparnis im Vordergrund stehen.
Anatomie eines Sachets: der mehrschichtige Aufbau
Ein High-Performance-Sachet besteht typischerweise aus drei funktionalen Schichten, die jeweils eine spezifische Aufgabe erfüllen. Die gesamte Folienstruktur ist nur 40–80 µm dünn — und muss gleichzeitig als Barriere, Träger und Siegelmedium funktionieren:
Schicht 1 — Außen: Das Trägermaterial (bedruckbare Schicht)
Besteht meist aus PET, BOPP oder hochwertigem Kraftpapier. Diese Schicht dient der Markenkommunikation durch Druckbilder höchster Qualität (typischerweise 8–10-Farben-Rotogravur oder Flexodruck) und verleiht dem Sachet mechanische Stabilität sowie eine hochwertige Haptik. Die Oberflächenveredelung (Matt-Lack, Soft-Touch, UV-Hochglanz, Prägung) geschieht auf dieser Schicht.
Schicht 2 — Mitte: Das Barriere-Shield
Das Herzstück für die Haltbarkeit. Eine dünne Schicht aus Aluminium (7–12 µm) oder EVOH (Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer) bildet einen nahezu undurchdringlichen Schutzwall gegen Sauerstoff, UV-Licht und Feuchtigkeit. Moderne Alternativen setzen auf keramisch beschichtete Monofolien — SiOx (Siliziumoxid) oder AlOx (Aluminiumoxid), im Vakuum auf PP oder PE aufgedampft. Diese Lösungen erreichen Sauerstoffdurchlässigkeitsraten von unter 0,1 cm³/m²·Tag·bar und sind gleichzeitig PPWR-konform recyclingfähig.
Schicht 3 — Innen: Die Siegelschicht
Gefertigt aus PE (Polyethylen) oder PP (Polypropylen). Diese Schicht schmilzt beim thermischen oder Ultraschall-Siegeln und sorgt für die hermetische Dichtigkeit der Verbindung. Die Siegeltemperatur (120–180 °C je nach Material) und der Siegeldruck sind kritische Prozessparameter — bei OH!S werden beide bei jeder Produktionslinie inline überwacht, um Leckagen auszuschließen.
Zusätzliche Funktionselemente
Easy-Open-Technologie (Laser Scoring)
Eine per Laser mikroskopisch perforierte Linie ermöglicht dem Endverbraucher ein sauberes, gerades Aufreißen ohne Schere. Die Lasertiefe ist präzise einstellbar — nur die äußere Trägerschicht wird perforiert, die Barriere- und Siegelschicht bleiben vollständig intakt. Die Dichtigkeit ist bis zum Öffnungszeitpunkt gewährleistet.
Notch (Einrisskerbe)
Die traditionelle, mechanisch gestanzte Alternative zum Laser Scoring. Einfacher in der Produktion, aber weniger präzise im Öffnungserlebnis. Bei Premium-Produkten wird heute fast ausschließlich Laser Scoring eingesetzt.
Tear-Tab oder Re-Close
Für mehrmals verwendbare Sachets (z. B. bei Feuchttüchern) kommen wiederverschließbare Klebestreifen oder Zipper zum Einsatz. Diese Funktion vervielfacht die Material- und Siegelanforderungen und ist deshalb nur für bestimmte Produktkategorien wirtschaftlich sinnvoll.
Technische Spezifikationen für Einkauf & QM
PET 12 µm / Alu 7–9 µm / LDPE 50 µm — klassischer Premium-Verbund
PET 12 µm / Metallisiertes BOPP 20 µm / LDPE 40 µm — mittlere Barriere
Mono-PP 60–80 µm mit SiOx/AlOx — PPWR-konform, recyclingfähig
Papier 40 g/m² / Alu 9 µm / LDPE 30 µm — hybride Papier-Lösung
Barrierewerte (Richtwerte):
Alu-Verbund: OTR < 0,01 cm³/m²·Tag, WVTR < 0,01 g/m²·Tag
SiOx-beschichtet: OTR 0,05–0,5 cm³/m²·Tag
Metallisiertes BOPP: OTR 0,5–2 cm³/m²·Tag
EVOH (relative Feuchte abhängig): OTR 0,1–1 cm³/m²·Tag
Siegelparameter:
PE-Siegelschicht: 120–160 °C, 0,2–0,5 MPa, 0,3–1,0 sek
PP-Siegelschicht: 140–180 °C, 0,3–0,6 MPa, 0,3–1,0 sek
Ultraschall-Siegeln: 20–40 kHz, Amplitude 10–30 µm
Typische Leistungsdaten VFFS/HFFS:
VFFS Pulver: 80–160 Zyklen/min
HFFS flüssig/pastös: 40–120 Zyklen/min
Stickpack-Linien: 120–240 Sticks/min je Spur (Mehrspurig bis 16 Spuren)
Materialevolution: von Multilayer zu Monomaterial
Historisch verließ sich die Verpackungsindustrie auf komplexe Verbundfolien (Multilayer-Laminate), um Sauerstoff- und Feuchtigkeitstransfer zu stoppen. Schichten aus PET, Polyvinylidenchlorid (PVDC), Aluminium und Ethylen-Vinylalkohol-Copolymer (EVOH) wurden zu untrennbaren Strukturen laminiert. Das Ergebnis: hervorragende Barriereleistung, aber vollständige Unrecyclierbarkeit.
Die europäische Verpackungsverordnung PPWR 2025/40, die bis 01.01.2030 eine vollumfängliche Recyclingfähigkeit (Design for Recycling) für alle Verpackungen vorschreibt, hat diese Architektur obsolet gemacht. Die Zukunft der Sachet-Verpackung liegt in innovativen, nachhaltigen Monomaterialien:
Keramisch beschichtete Monofolien (SiOx / AlOx)
Reine PP- oder PE-Strukturen werden im Vakuum mit einer ultradünnen, transparenten Schicht aus Siliziumoxid (SiOx) oder Aluminiumoxid (AlOx) bedampft. Diese Beschichtungen blockieren Sauerstoff und Feuchtigkeit nahezu vollständig — ohne den Recyclingprozess des Kunststoffs zu stören. Das Beschichtungsverfahren (Plasma- oder Elektronenstrahl-PVD) ist industriell etabliert und skalierbar.
Monomaterial-Sachets mit SiOx/AlOx-Beschichtung erfüllen sowohl die Anforderungen an Barriereleistung für sensible Füllgüter als auch die harmonisierten EU-Kriterien für Recyclingfähigkeit. OH!S verarbeitet diese Folien seit 2024 in Serienproduktion.
Biobasierte und kompostierbare Lösungen
Zertifizierte Bioplastics (Basis PLA, PHA, Stärke-Cellulose-Compound) und kompostierbare Papiersachets kommen ohne PFAS-Beschichtungen aus und ermöglichen eine drastische Reduktion des CO₂-Fußabdrucks. Wichtig: Nicht jede „biobasierte" Folie ist auch kompostierbar — und nicht jede kompostierbare Folie erreicht die Barriereleistung, die für sensible Pulver wie Vitamine oder Aromen nötig ist. Der Einsatz muss produktspezifisch geprüft werden.
Papierbasierte Sachets
Der wachsende Trend zu papierbasierten Verpackungen macht auch vor Sachets nicht halt. Moderne Lösungen kombinieren 40–60 g/m² Kraftpapier mit einer ultradünnen Barriere-Funktionsbeschichtung (Polymer-Dispersion oder metallische Sperrschicht). Für trockene Produkte ohne hohe Aromaschutz-Anforderungen sind sie bereits serientauglich und erfüllen die höchsten Recyclingstufen (Klasse A nach EU-Kriterien).
| Material | Barriere | PPWR-konform | Geeignet für | Kosten-Indikator |
|---|---|---|---|---|
| PET/Alu/PE (klassisch) | Exzellent | ❌ Nein | Premium, hochsensible Füllgüter | Niedrig |
| Mono-PP + SiOx | Sehr gut | ✅ Ja | Vitamine, Pulver, Aromen | Mittel bis hoch |
| Mono-PE + AlOx | Sehr gut | ✅ Ja | Flüssige und pastöse Produkte | Mittel bis hoch |
| Metallisiertes BOPP | Gut | ⚠️ Eingeschränkt | Standard-Food, Gewürze | Niedrig |
| Papier mit Sperrlack | Moderat | ✅ Ja (Klasse A) | Trockene Produkte, Tees, Salze | Mittel |
| Kompostierbare Biofolie | Variabel | ✅ Ja (je nach Norm) | Eco-Brands, Spezialsegmente | Hoch |
Monomaterial-Sachets für dein Produkt
PPWR-konform, recyclingfähig und mit der Barriere, die dein Füllgut braucht. Wir verarbeiten auch nachhaltige Folien ohne Qualitätskompromiss.
VFFS & HFFS — wie Sachets industriell abgefüllt werden
Die industrielle Abfüllung von Sachets erfolgt auf Form-Füll-Siegel-Anlagen (kurz: FFS). Diese Maschinen formen, befüllen und versiegeln Sachets in einem einzigen, vollautomatischen Prozess aus der Folienrolle. Zwei Bauarten dominieren den Markt:
VFFS — Vertikal Form-Füll-Siegel (Vertical Form Fill Seal)
Die Folie läuft senkrecht über ein Formrohr, wird zu einem Schlauch geformt, längs versiegelt und unten quer zugeschweißt. Danach fällt das Produkt (Pulver, Granulat) durch das Rohr nach unten in das Sachet, die obere Quernaht schließt die Portion — und gleichzeitig wird die Unterkante des nächsten Sachets geformt.
Typisch für: Pulver, Granulate, trockene Schüttgüter wie Gewürze, Getränkepulver, Nahrungsergänzung, Tiernahrung. Leistung: 80–160 Zyklen/min pro Linie.
HFFS — Horizontal Form-Füll-Siegel (Horizontal Form Fill Seal)
Die Folie läuft horizontal. Zwei Folienbahnen werden übereinandergeführt oder eine einzelne wird gefaltet. Dosier- und Siegelstationen arbeiten nebeneinander — besonders vorteilhaft für Formbeutel (Shaped Sachets), Twin-Packs und flüssige/pastöse Produkte, bei denen die Schwerkraft-Nutzung ausreicht.
Typisch für: Saucen, Cremes, Shampoos, Gel-Produkte, komplexe Sachet-Formen. Leistung: 40–120 Zyklen/min pro Linie.
Stickpack-Linien (Mehrspurig)
Eine Sonderbauart der VFFS für Stickpacks. Mehrspurige Stickpack-Maschinen produzieren bis zu 16 Sticks parallel und erreichen Gesamtausstöße von 200–500 Sticks/min. Das ist der Produktivitätsvorteil, der Stickpacks für Volumengeschäfte attraktiv macht.
Prozess-Schritte im Detail
Kritische Prozessparameter — darauf kommt es an
- Siegeltemperatur: Zu niedrig = Leckagen, zu hoch = Materialschädigung. Präzise Regelung auf ±2 °C ist Standard.
- Siegeldruck: Muss über die gesamte Siegelnaht gleichmäßig sein — andernfalls entstehen Kanalundichtigkeiten.
- Siegelzeit: Zu kurz = unzureichende Polymer-Diffusion, zu lang = Produktivitätsverlust. Typisch 0,3–1,0 sek.
- Restsauerstoff: Bei oxidationsempfindlichen Produkten wird mit N₂ geflushed — Zielwerte unter 1 % O₂-Gehalt im Kopfraum.
- Chargenrückverfolgung: Jedes Sachet trägt Chargennummer, MHD, ggf. Losnummer — inline bedruckt.
Branchenspezifische Einsatzgebiete
Die Vielseitigkeit von Sachets macht sie branchenübergreifend zum bevorzugten Format für Einzelportionen. Jede Branche bringt dabei eigene regulatorische, sensorische und wirtschaftliche Anforderungen mit:
Lebensmittel & Nahrungsergänzung
Schutz vor Oxidation für Gewürze, Backpulver, Saucen, flüssige Superfoods und Vitaminpräparate. Hierbei sind Migrationsprüfungen gemäß VO (EU) 10/2011 essenziell, um den Übergang von Druckfarben-Bestandteilen oder NIAS (Non-Intentionally Added Substances) in das Füllgut zu verhindern. Zertifizierungen wie IFS Food und das EU-Bio-Siegel garantieren Sicherheit im gesamten Lohnabfüllprozess — OH!S verfügt über beide.
Wachstumsthemen: Functional Foods, Adaptogene, Pre-Workout-Mixe, Kollagen-Peptide, flüssige Vitamin-Shots — alle diese Produkte leben vom Single-Serve-Format.
Kosmetik & Körperpflege
Hygienische Probenverpackungen (Samples) für Anti-Aging-Seren, Shampoos und Make-up. Magazin-Beilagen, Launch-Sampling im Retail und Hotel-Amenities sind die stärksten Volumentreiber. Insbesondere Aluminium-Sachets mit edlen Matt- oder Glanzlackierungen dominieren das hochpreisige Segment — die haptische Wertigkeit ist hier so wichtig wie die Inhaltsstoffe.
Trends: Naturkosmetik-Proben mit kompostierbarer Hülle, Solid Shampoos und wasserfreie Kosmetika in innovativen Formaten.
Pharma & OTC
Exakte Portionierung für hochwirksame Granulate, lösliche Pulver sowie medizinische Cremes. Strip-Sachets als Therapie-Begleiter für chronische Erkrankungen. Die regulatorischen Anforderungen sind hier am strengsten: GMP-Standards, detaillierte Chargenrückverfolgung, Barriere-Validierung durch beschleunigte Haltbarkeitstests.
Industrie & Technik
Spezialöle, Schmierstoffe, Zwei-Komponenten-Klebstoffe, chemische Proben — überall dort, wo Einzelportionen mit exakter Dosierung benötigt werden und das Füllgut nach Erstöffnung verbraucht ist. Die Verpackung schützt vor Feuchtigkeit, Oxidation oder ungewollter Reaktion.
QSR & Gastronomie
Ketchup, Senf, Mayo, Sojasauce, Honig, Erdnussbutter — alles, was portionsweise serviert wird, kommt aus dem Sachet. Die Entwicklung zu nachhaltigen Materialien ist hier besonders dynamisch, weil die Stückzahlen riesig und die öffentliche Wahrnehmung kritisch ist. Papier-basierte Saucen-Sachets sind ein heißes Innovationsfeld.
| Branche | Sachet-Typ | Kritische Anforderung | Zertifizierungen |
|---|---|---|---|
| Food / NEM | Flach, Stickpack, Twin | Oxidations- & Aromaschutz | IFS Food, EU-Bio, Demeter |
| Kosmetik | Flach, Shaped, Formbeutel | Hygiene, Haptik, Migration | GMP Kosmetik, ISO 22716 |
| Pharma / OTC | Strip, Stickpack | Dosiergenauigkeit, Barriere | GMP Pharma, spezifisch |
| Industrie | Flach, Twin | Chemische Beständigkeit | REACH-konform |
| QSR / Gastro | Flach, kleines Format | Kosten, Volumen, Nachhaltigkeit | IFS Food, PPWR-Ready |
EU-Regulatorik: was du bei Sachets beachten musst
Sachets unterliegen als Lebensmittelkontaktmaterial (Food Contact Material, FCM) einer komplexen Mehrebenen-Regulatorik. Die wichtigsten Rechtsakte und ihre Auswirkungen auf die Sachet-Produktion:
VO (EG) 1935/2004 — Rahmenverordnung FCM
Die Basis-Verordnung für alle Lebensmittelkontaktmaterialien in der EU. Artikel 3 schreibt vor: Keine Migration von Bestandteilen in Mengen, die die Gesundheit gefährden oder Geschmack/Geruch des Lebensmittels verändern. Pflicht: Konformitätserklärung (Declaration of Compliance, DoC) vom Hersteller des FCM.
VO (EU) 10/2011 — Kunststoffe im Lebensmittelkontakt
Konkretisiert die Anforderungen für Kunststoff-FCM. Zentral: die Positivliste zugelassener Stoffe und die spezifischen Migrationsgrenzwerte (SML). Migrationsprüfungen mit Simulanz-Lösungen (wässrig, fettig, sauer, alkoholisch) müssen nach festgelegten Test-Protokollen erfolgen.
VO (EU) 2024/3190 — BPA-Verbot
Am 19.12.2024 erlassen, trat am 20.01.2025 in Kraft. Übergangsfrist bis 20.07.2026. Danach dürfen in der EU keine FCM mit BPA oder anderen gefährlichen Bisphenolen mehr in Verkehr gebracht werden. Die Nachweisgrenze liegt bei 1 µg/kg. Für Sachets relevant bei bedruckten Papier-Verbunden und speziellen Beschichtungen.
VO (EU) 2025/40 — PPWR (Verpackungsverordnung)
Die Packaging and Packaging Waste Regulation ist ab 12.08.2026 anwendbar. Sie transformiert die Sachet-Landschaft grundlegend:
- Recyclingfähigkeit bis 01.01.2030: Alle Verpackungen müssen den Klassen A–C nach harmonisierten EU-Kriterien zugeordnet werden können.
- Rezyklatquoten: Kunststoffverpackungen müssen schrittweise steigende Mindestanteile an Rezyklat enthalten — bis 2040 65 %.
- QR-Code-Pflicht: Ab 2027 müssen Verpackungen digital mit Produktinformationen verknüpft sein.
- Leerraum-Begrenzung: Maximal 50 % Leerraum in Gruppenverpackungen.
Die direkte Konsequenz für Sachets: klassische Multilayer-Verbunde (PET/Alu/PE) sind ab 2030 nicht mehr zulässig. Monomaterial-Sachets und papierbasierte Lösungen sind der Standard der Zukunft.
NIAS — Non-Intentionally Added Substances
Ein zentrales Compliance-Thema speziell bei bedruckten Sachets. NIAS sind Substanzen, die im Endprodukt vorhanden sind, obwohl sie nicht gezielt eingesetzt wurden — z. B. Abbauprodukte von Druckfarben, Oligomere aus Lacken oder Reaktionsprodukte während der Sterilisation. Die Risikobewertung erfolgt nach GMP-Grundsätzen (VO 2023/2006) und nach dem Vorsorgeprinzip — bei OH!S Teil der Wareneingangsprüfung jeder neuen Folie.
Biologische Lebensmittel — VO (EU) 2018/848
Wer Bio-Produkte in Sachets abfüllen lässt, muss sicherstellen, dass der Lohnabfüller die Anforderungen der EU-Bio-Verordnung erfüllt: Trennung der Warenströme, separate Kontrollstellen-Dokumentation, Vermeidung von Kontaminationen. OH!S ist EU-Bio- und Demeter-zertifiziert — wir können Bio-Sachets mit vollständiger Dokumentationskette produzieren.
Sachets abfüllen lassen bei OH!S
OH!S ist seit rund 30 Jahren im Markt für Lohnabfüllung in flexiblen Verpackungen aktiv. Wir bringen sensible Produkte in die perfekte Form — vom ersten Folien-Test bis zur fertigen, versandbereiten Verkaufseinheit. Unsere Zertifizierungen (IFS Food, EU-Bio, Demeter) machen uns zum Partner für Markenhersteller, die auf geprüfte Qualität nicht verzichten können.
Was wir für dich leisten
- Beratung & Konzeption: Formatwahl (Sachet vs. Stickpack), Materialempfehlung (Multilayer oder Monomaterial), Barrieredimensionierung, Dosierstrategie.
- Prototypen & Muster: Vor der Serienproduktion liefern wir bemusterte Sachets zur Freigabe — inklusive Siegeltest, Barriere-Validierung und sensorischer Prüfung.
- Serienproduktion: Skalierbar von Kleinserie für Start-ups bis zur industriellen Großauflage. Flexible Losgrößen, kurze Umrüstzeiten.
- Vollständige Compliance-Dokumentation: DoC, CoA, Bio-Nachweise, IFS-Audit-Bestätigung — alles, was deine QS-Abteilung braucht.
- Fulfillment & Logistik: Auf Wunsch übernehmen wir Konfektionierung und Co-Packing sowie den Versand direkt aus unserer Halle.
Typische Projektphasen
Formate & Füllgüter
Wir verarbeiten unterschiedlichste Formate, Füllmedien und Folien — inklusive nachhaltiger Monomaterialien:
- Pulver & Granulate: Getränkepulver, Proteinmischungen, Adaptogene, Gewürze, Instant-Produkte
- Flüssigkeiten: Saucen, Sirupe, flüssige Vitamine, Aroma-Konzentrate
- Pasten & Cremes: Kosmetische Cremes, Seren, pastöse Nahrungsmittel
- Sonderformate: Twin-Packs, Strip-Sachets, Shaped Sachets auf Anfrage
Starte dein Sachet-Projekt mit OH!S
Ein unverbindliches Erstgespräch, eine saubere Spezifikation, eine aussagekräftige Bemusterung — so sieht der erste Schritt aus. Keine Standardfloskeln, sondern konkrete Empfehlungen für dein Produkt.
Häufige Fragen zu Sachets
Welcher Sachet-Typ passt zu meinem Produkt?
Wie unterscheiden sich Sachets und Stickpacks konkret?
Stickpacks sind schlanke Röhren mit nur einer Längs- und zwei Quernähten. Sie sind länglich, benötigen bis zu 30 % weniger Folienmaterial und sind für Pulver und Granulate optimiert.
Die Applikation unterscheidet sich ebenfalls: Sachets werden aufgerissen und ausgedrückt oder entnommen, Stickpacks werden kopfseitig geöffnet und eingeschüttet — perfekt für Getränkepulver in Wasserflaschen. Für Pharma und NEM-Tagesdosen ist die Stickpack-Geometrie Standard geworden.
Welche Folien verwendet OH!S für Sachets?
Was bedeutet die PPWR 2025/40 für mein Sachet-Produkt?
Für dich heißt das: Klassische Multilayer-Verbunde (PET/Alu/PE) sind ab 2030 nicht mehr zulässig. Der Umstieg auf Monomaterial-Lösungen oder papierbasierte Sachets sollte bereits jetzt geplant werden, weil Umrüstung und Bemusterung Zeit brauchen. Wir halten unsere Kunden laufend zum Regulatorik-Stand informiert.
Welche Mindestbestellmengen (MOQ) gelten für Sachets?
Standard-Folie mit Etikett oder Digitaldruck: ab ca. 5.000 Stück — ideal für Tests und Launches.
Flexodruck auf Standard-Folie: ab 20.000–50.000 Stück — gut für regionale Marken.
Rotogravur-Druck auf Custom-Folie: ab 100.000 Stück — der Standard für Massenmarken.
Für Start-ups und Launch-Projekte finden wir auch kreativere Lösungen. Sprich uns an →
Was sind NIAS und warum sind sie bei Sachets kritisch?
Bei Sachets mit aufwändigem Druckbild ist das NIAS-Risiko erhöht — die Druckfarbe liegt nur wenige Mikrometer vom Füllgut entfernt. Die Risikobewertung erfolgt gemäß VO (EG) 1935/2004 und EuPIA-Richtlinien. Bei OH!S ist NIAS-Screening Teil der Wareneingangsprüfung jeder neuen Folie und der Konformitätsprüfung vor Serienstart.
Kann OH!S auch Bio-Produkte in Sachets abfüllen?
Wie lange ist ein Sachet-Produkt haltbar?
• Trockene Pulver (Vitamine, Gewürze): 18–36 Monate
• Flüssige Produkte (Saucen, Sirupe): 12–24 Monate
• Kosmetische Cremes: 12–30 Monate je nach Formulierung
Mit Monomaterial + SiOx/AlOx: typischerweise 70–90 % der Alu-Verbund-Haltbarkeit — ausreichend für die meisten Anwendungen. Für Spezialfälle (hochsensible Aromen, Omega-3-Öle) empfehlen wir Alu-Verbund trotz Recyclingnachteil. Die endgültige Haltbarkeit wird durch beschleunigte Stabilitätstests validiert — bei Bedarf im Rahmen unserer Abfüll-Vorbereitung.
Welche Druckverfahren sind für Sachets verfügbar?
Rotogravur (Tiefdruck): Höchste Bildqualität, exzellente Farbstabilität, wirtschaftlich ab 100.000+ Stück. Der Standard für Premium-Marken.
Flexodruck: Gute Qualität, schnelle Produktion, ab ca. 20.000 Stück wirtschaftlich. Standard für Mittelmarken und regionale Brands.
Digitaldruck: Auflagenunabhängig, ideal für Kleinstserien, Tests, individualisierte Editionen und Launch-Phase. Ab 1.000 Stück sinnvoll.
Welches Verfahren zu deinem Projekt passt, hängt von Auflage, Farbanzahl, Effekt-Wünschen (Prägung, Soft-Touch, Metallglanz) und Budget ab. Wir beraten dich gerne.
Sind Sachets mit Bio- oder kompostierbarem Material möglich?
Wichtig zu wissen: Nicht jede biobasierte Folie ist auch kompostierbar, und nicht jede kompostierbare Folie erreicht die Barriereleistung, die für sensible Produkte wie Vitamine oder Aromaöle nötig ist. Wir prüfen für jedes Projekt individuell, welche nachhaltige Folie zu deinem Füllgut und MHD-Ziel passt.
Welche Dokumentation bekomme ich nach der Produktion?
• CoA (Certificate of Analysis) mit den relevanten Prüfwerten
• DoC (Declaration of Compliance) für das Folienmaterial
• Chargennummer & MHD-Nachweis
• Bio-Kontrollstellen-Bestätigung (bei Bio-Produkten)
• IFS-Audit-Referenzen auf Anfrage
• Migrations-Konformitätsnachweis bei kritischen Füllgütern
Diese Unterlagen sind das, was deine QS-Abteilung und dein Handelspartner für die Warenannahme benötigen.
Wie läuft ein Sachet-Projekt bei OH!S konkret ab?
Woche 1: Kick-off-Call — Produkt, Zielmarkt, Stückzahlen, MHD-Ziel, Zertifizierungsbedarf.
Woche 1–3: Folien- und Format-Spezifikation — Barriere, Siegelparameter, Druckverfahren, Easy-Open.
Woche 2–4: Compliance-Prüfung — DoC, Migration, NIAS-Screening, Bio-Konformität.
Woche 4–6: Probeabfüllung mit Bemusterung, Siegeltest, Freigabe durch dich.
Woche 6–8: Serienproduktion auf VFFS/HFFS-Linie, Inline-QS, Konfektionierung.
Woche 8–10: Auslieferung mit vollständigem Dokumentationspaket.
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Quellen & Normenverzeichnis
[1] Verordnung (EG) Nr. 1935/2004 — Lebensmittelkontaktmaterialien (Rahmen-VO). eur-lex.europa.eu[2] Verordnung (EU) Nr. 10/2011 — Kunststoffe im Lebensmittelkontakt. eur-lex.europa.eu
[3] Verordnung (EG) Nr. 2023/2006 — Gute Herstellungspraxis (GMP) für FCM. eur-lex.europa.eu
[4] Verordnung (EU) 2024/3190 — BPA-Verbot in FCM (19.12.2024). eur-lex.europa.eu
[5] Verordnung (EU) 2025/40 — PPWR, Verpackungen und Verpackungsabfälle. eur-lex.europa.eu
[6] Verordnung (EU) 2018/848 — Ökologische/biologische Produktion. eur-lex.europa.eu
[7] EuPIA — Good Manufacturing Practice for Printing Inks on Food Contact Materials (2023). eupia.org
[8] BfR — Empfehlungen zu Materialien für den Lebensmittelkontakt (Revision Oktober 2025). bfr.bund.de
[9] LFGB — Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch. gesetze-im-internet.de
[10] OH!S GmbH — Lohnabfüllung Sachets & Stickpacks. oh-service.com