Verpackungslexikon · Abfüllung & Technik
Mehrkopfwaage, auch Kombinationswaage genannt, ist eine Dosierwaage mit mehreren Wägebehältern, die ein Zielgewicht aus Teilmengen zusammensetzt. Eine Steuerung wählt aus allen Behältern die Kombination, die dem Zielgewicht am nächsten kommt, und gibt sie in die Verpackung ab. Geeignet ist sie für rieselfähiges Granulat und Stückgut, weniger für staubende oder haftende Pulver.
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01 · Definition
Eine Mehrkopfwaage wiegt nicht eine große Portion, sondern viele kleine Teilmengen und sucht daraus die Kombination, die dem Zielgewicht am nächsten kommt. So lässt sich Stückgut schnell und mit wenig Überfüllung abpacken.
Die Mehrkopfwaage besteht aus einem zentralen Verteiler, kreisförmig angeordneten Zuführrinnen, Vorratsbehältern und darunter liegenden Wägebehältern. Jeder Wägebehälter hat eine eigene Wägezelle. Eine Steuerung berechnet laufend, welche Behälter zusammen das Zielgewicht ergeben. Im Englischen heißt das Gerät multihead weigher.
Weil Stückgut nie gleich schwer ist, trifft ein einzelner Wägevorgang das Zielgewicht selten. Die Mehrkopfwaage gleicht das aus: Je mehr Behälter zur Auswahl stehen, desto näher kann die Summe am Zielgewicht liegen.
| Bauteil | Aufgabe |
|---|---|
| Zentraler Verteiler | verteilt das Produkt auf die Zuführrinnen |
| Zuführrinnen | fördern das Produkt, etwa durch Vibration, zu den Vorratsbehältern |
| Vorratsbehälter | halten eine Teilmenge bereit |
| Wägebehälter | wiegt die Teilmenge mit eigener Wägezelle |
| Sammeltrichter | führt die gewählte Kombination zusammen und gibt sie an die Verpackung ab |
| Steuerung | wählt die beste Kombination |
02 · Funktionsprinzip
Das Produkt fällt auf den zentralen Verteiler und läuft über die Zuführrinnen zu den Vorratsbehältern.
zentralJeder Vorratsbehälter gibt eine Teilmenge in seinen Wägebehälter. Dort wird sie mit einer eigenen Wägezelle gewogen.
je BehälterDie Steuerung prüft die möglichen Kombinationen und wählt die, deren Summe dem Zielgewicht am nächsten liegt. Je nach Einstellung muss die Summe das Zielgewicht erreichen oder in einem festgelegten Fenster liegen.
AuswahlDie gewählten Wägebehälter öffnen gemeinsam, und die Teilmengen fallen über den Sammeltrichter in den Beutel oder die Schale.
in die VerpackungDie entleerten Behälter werden neu befüllt. Die übrigen Teilmengen bleiben für den nächsten Takt im Rennen.
nächster Takt
Ein Rechenbeispiel zeigt die Idee. Sechs Wägebehälter enthalten 23, 31, 38, 27, 45 und 19 g, das Zielgewicht beträgt 100 g. Die Behälter 1, 2, 4 und 6 ergeben zusammen 23 + 31 + 27 + 19 = 100 g. Die Alternativen liegen daneben: Behälter 1, 2 und 5 kommen auf 99 g, Behälter 3, 5 und 6 auf 102 g. Die Steuerung wählt die Kombination mit der geringsten Abweichung.
| Wägebehälter | mögliche Kombinationen |
|---|---|
| 6 | 63 |
| 10 | 1.023 |
| 14 | 16.383 |
| 20 | 1.048.575 |
Beispielwerte zur Veranschaulichung, keine Messwerte. Typische Ausführungen haben etwa 14 oder 20 Wägebehälter. Reale Steuerungen begrenzen je nach Konzept die Auswahl; die Tabelle zeigt das Prinzip, nicht die Leistung eines Geräts.
03 · Eignung
Eignung heißt: Das Produkt rieselt oder fällt zuverlässig in jede Zuführrinne und bleibt dort, wo es hingehört. Das trifft auf Stückgut und Granulat zu, nicht auf jedes Pulver.
| Füllgut | Eignung | Begründung |
|---|---|---|
| Stückgut: Trockenfrüchte, Süßwaren, Kekse, Nüsse | gut | Das Stückgewicht schwankt, die Kombination gleicht es aus; Bruchschutz beachten |
| freifließendes Granulat: Zucker, Salz, Reis, Kaffeebohnen | gut | rieselt gleichmäßig in die Rinnen; Rückprall im Beutel beachten |
| feine, staubende Pulver: Proteinpulver, Kakao, Mehl | eher nicht | Staub, Haftung und Elektrostatik, der Schneckendosierer passt besser |
| klebrige oder fettige Produkte | nur nach Versuch | haften an Rinnen und Behältern, Eignung am Muster prüfen |
| faseriges Trockengut: Safranfäden, Blütenblätter, Kräuter | nein | verhaken und brechen, Handeinwaage ist die Lösung |
| Flüssigkeiten und Pasten | nein | falsches Prinzip, besser Kolben, Pumpe oder Durchflussmesser |
Die Kombinationswägung lebt davon, dass jede Teilmenge gleichmäßig und vorhersehbar im Wägebehälter ankommt. Feines Pulver staubt, haftet an Rinnen und Behältern und lädt sich elektrostatisch auf. Die Teilmengen werden dann unvorhersehbar, und Staub gelangt in die Siegelzone des Beutels. Deshalb gilt Pulver als Domäne der Schneckendosierung, siehe Dosieranlagen.

04 · Abgrenzung
Beide Systeme dosieren, aber nach unterschiedlichen Prinzipien: Die Mehrkopfwaage kombiniert Gewichte, der Schneckendosierer fördert Volumen. Das Füllgut entscheidet.
| Kriterium | Mehrkopfwaage | Schneckendosierer |
|---|---|---|
| Prinzip | gravimetrisch: Teilmengen werden kombiniert | volumetrisch: eine Schnecke fördert das Pulver |
| Füllgut | Stückgut, rieselfähiges Granulat | feine, staubende Pulver |
| Genauigkeit entsteht durch | Auswahl aus vielen Teilmengen | gleichmäßige Schüttdichte und gleichmäßigen Austrag |
| Typische Störungen | Brückenbildung, Bruch, Rückprall | schwankende Schüttdichte, Staub, Brücken im Trichter |
| Die bessere Wahl bei | Stückgut mit schwankendem Stückgewicht | feinem Pulver |
Zwischen beiden Systemen liegen weitere Lösungen. Die Linearwaage wiegt jede Portion für sich, ohne Kombination, und passt zu Granulaten. Der Becherdosierer misst nach Volumen und eignet sich für gleichmäßig rieselnde Körner. Einen Überblick über alle Systeme gibt der Eintrag Dosieranlagen; Flüssiges und Pastöses behandelt die Nassabfüllung.
05 · Integration
Die Kombinationswaage gibt die Portion nach unten ab und sitzt deshalb meist über einer vertikalen Schlauchbeutelmaschine, in die Stückgut aus der Waage fällt, siehe Schlauchbeutelmaschine. Ebenso füllt sie vorgefertigte Beutel wie Doypacks und Schalen.
An der Schnittstelle zwischen Waage und Beutel entstehen die meisten Probleme, nicht in der Waage selbst.
06 · Genauigkeit
Die Waage senkt die Überfüllung, das Give-away, weil sie das Zielgewicht aus Teilmengen trifft. Wie genau sie dabei ist, hängt vom Produkt ab. Einen Universalwert gibt es nicht, und Angaben ohne Produkt, Zielgewicht und Geschwindigkeit sind wenig aussagekräftig.
Rechtlich muss der Durchschnitt aller Packungen mindestens die Nennfüllmenge erreichen. Die Regeln bündelt der Eintrag Nettofüllmenge. Eine Kontrollwaage am Linienende prüft zusätzlich die einzelne Packung.
Die Verordnung (EG) Nr. 852/2004 verlangt in Anhang II, dass Ausrüstung mit Lebensmittelkontakt gereinigt werden kann. Hier sind das Rinnen, Behälter und Trichter. Beim Wechsel zu allergenhaltigen Produkten steigt der Reinigungsaufwand, siehe CIP und SIP und Allergene.
07 · Entscheidung
Die Tabelle ordnet typische Situationen ein. Sie ersetzt keinen Versuch, aber sie spart den falschen Weg.
| Situation | Üblicher Weg |
|---|---|
| Stückgut mit schwankendem Stückgewicht, rieselfähig | Mehrkopfwaage |
| freifließendes Granulat, hoher Takt | Mehrkopfwaage oder Becherdosierer |
| feines, staubendes Pulver | Schneckendosierer |
| faseriges Trockengut | Handeinwaage |
| Flüssigkeit oder Paste | Kolben, Pumpe oder Durchflussmesser |
| häufiger Wechsel mit Allergenen | Reinigungsaufwand früh einplanen |
Typische FehlerPulver wird ohne Versuch an der Waage geplant. Das Stückgewicht ist im Verhältnis zum Zielgewicht zu groß, sodass sich die Summe nur grob abstimmen lässt. Rückprall und Bruch am Beutelmund werden unterschätzt. Und der Reinigungsaufwand beim Allergenwechsel fehlt in der Planung.
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08 · Anfrage
Ein Muster ist die beste Grundlage, denn erst der Versuch mit Ihrem echten Produkt zeigt, ob eine Waage oder eine Schnecke sauber läuft. Für eine erste Einschätzung genügen die Eckdaten.
Formatabhängige Mindestmengen nennen wir Ihnen mit der ersten Antwort. Mehr zum Leistungsumfang: Lohnabfüllung bei OH!S und Lohnabfüllung Pulver.
09 · FAQ
Eine Mehrkopfwaage, auch Kombinationswaage oder im Englischen multihead weigher genannt, ist eine Dosierwaage mit mehreren Wägebehältern. Jeder Behälter wiegt eine Teilmenge, eine Steuerung wählt die Kombination, die dem Zielgewicht am nächsten kommt, und gibt sie in die Verpackung ab. Sie eignet sich für rieselfähiges Granulat und Stückgut.
Das Produkt wird über einen zentralen Verteiler auf Zuführrinnen und Vorratsbehälter verteilt und in die Wägebehälter abgegeben. Jeder Behälter wiegt seine Teilmenge. Die Steuerung prüft die möglichen Kombinationen und wählt die mit der geringsten Abweichung vom Zielgewicht. Die gewählten Behälter öffnen gemeinsam, danach werden sie neu befüllt.
Gut geeignet sind Stückgut wie Trockenfrüchte, Süßwaren, Kekse und Nüsse sowie freifließende Granulate wie Zucker, Salz, Reis oder Kaffeebohnen. Bei bruchempfindlichem Gut müssen Fallhöhe und Rutschen angepasst werden. Klebrige oder fettige Produkte brauchen einen Versuch am Muster. Für Fasern und Flüssigkeiten ist sie nicht geeignet.
Für feine, staubende Pulver in der Regel nicht. Sie stauben, haften an Rinnen und Behältern und laden sich elektrostatisch auf, sodass die Teilmengen unvorhersehbar werden. Für solche Pulver ist der Schneckendosierer üblicher. Für grobkörniges, rieselfähiges Granulat dagegen ist die Waage eine gängige Lösung.
Die Waage kombiniert Teilmengen nach Gewicht und passt zu Stückgut und rieselfähigem Granulat. Der Schneckendosierer fördert Pulver volumetrisch und passt zu feinen, staubenden Pulvern. Entscheidend sind Fließverhalten und Stückgewicht. Bei Grenzfällen entscheidet ein Versuch mit Ihrem echten Rohstoff.
Einen Universalwert gibt es nicht. Die Genauigkeit hängt von Stückgewicht im Verhältnis zum Zielgewicht, Anzahl der Wägebehälter, Gleichmäßigkeit der Zuführung und Geschwindigkeit ab. Rechtlich muss der Durchschnitt aller Packungen die Nennfüllmenge erreichen. Angaben ohne Produkt, Zielgewicht und Takt sind wenig aussagekräftig.
Ja, bei körnigem und stückigem Füllgut ist die Kombinationswaage eine gängige Lösung für Standbodenbeutel. Wichtig sind passende Fallrohre und Rutschen gegen Rückprall und Bruch sowie eine ausreichend große Beutelöffnung gegen Brückenbildung. Bei Pulver kommen eher Schneckendosierer zum Einsatz.
Welches Dosierorgan für Ihr Produkt passt, legen wir am Muster fest. Wir füllen pulvrige, flüssige und stückige Produkte auf VFFS- und HFFS-Anlagen ab. Faseriges Trockengut wie Safranfäden oder ganze Kräuter wird von Hand eingewogen, denn maschinelle Dosierung führt dort zu Faserbruch und großen Streuungen.
10 · Fazit
Die Kombinationswägung löst ein konkretes Problem: Stückgut ist nie gleich schwer, und viele kleine Teilmengen lassen sich zu einem genauen Zielgewicht kombinieren. Sie passt zu Stückgut und rieselfähigem Granulat. Für feine, staubende Pulver ist der Schneckendosierer die übliche Antwort, für Fasern die Handeinwaage.
Verlangen Sie keinen Universalwert für die Genauigkeit. Entscheidend sind Produkt, Stückgewicht im Verhältnis zum Zielgewicht und die Übergabe in den Beutel. Ein Versuch am Muster beantwortet die meisten Fragen.
Wenn Sie so weit sind, schicken Sie uns die Angaben aus der Checkliste. Wie sich alle Dosiersysteme unterscheiden, erklärt der Eintrag Dosieranlagen.
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Rechts- und Quellenstand: Oktober 2026. Änderungen: 29.04.2025 Erstveröffentlichung · 05.10.2026 vollständig überarbeitet: Kombinationswägung schematisch mit Rechenbeispiel erklärt, Eignung nach Füllgut und Abgrenzung zur Schneckendosierung ergänzt, Absolutaussagen („± 1 g unabhängig von Packgut“, „selbst klebrige Produkte wie Fleisch und Käse“) entfernt, Anfrage-Checkliste ergänzt.
Sam W. Pack · Fach- und Blogstimme der OH!S GmbH
Das offene Geheimnis: Hinter Sam steckt kein einzelner Mensch, sondern unser gesamtes OH!S-Team – über 30 Jahre Verpackungskompetenz, gebündelt in einer ehrlichen Stimme. Mehr davon im Schnack&Pack-Blog.
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