Verpackungslexikon · Verpackungsgrundlagen
Tertiärverpackung ist die äußerste Verpackungsebene, die mehrere Sekundärverpackungen zu einer Ladeeinheit bündelt und Lagerung und Transport ermöglicht, etwa als Palette mit Stretchfolie und Umreifung. Der Begriff stammt aus der Verpackungstechnik. Rechtlich entspricht ihr die Transportverpackung der PPWR, aber nicht jede Versandverpackung.
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01 · Definition
Zwischen Abfüllung und Kunde liegen Lager, Stapler und Lkw. Die Verpackung, die diesen Weg übersteht, nennt die Verpackungstechnik Tertiärverpackung.
Eine Tertiärverpackung fasst mehrere Sekundärverpackungen zu einer Ladeeinheit zusammen und sichert sie für Lagerung und Transport. Typische Formen sind die Palette mit Stretchfolie, das Umreifungsband und die Transportkiste. Mit dem Füllgut kommt sie nicht in Berührung, das ist Sache der Primärverpackung.
Der Begriff beschreibt eine Funktion, keine Rechtsart. Die PPWR kennt ihn nicht, sie spricht von der Transportverpackung. Welche Pflichten daran hängen, zeigt der Abschnitt zum Recht, einen Überblick über alle Arten gibt der Eintrag Verpackungsarten.
| Ebene | Aufgabe | Beispiel aus der Abfüllung |
|---|---|---|
| Primärverpackung | umschließt das Produkt unmittelbar | Stickpack, Doypack, Dose |
| Sekundärverpackung | umgibt eine oder mehrere Primärverpackungen | Faltschachtel, Umkarton, Tray |
| Tertiärverpackung | ermöglicht Lagerung und Transport | Palette mit Stretchfolie und Umreifung |
02 · Einordnung
Dieselbe Verpackung kann je nach Zweck verschiedenen Ebenen und Rechtsarten angehören. Drei Fragen sortieren die meisten Fälle.

Prüfen Sie der Reihe nach: Berührt die Verpackung das Füllgut, ist es die Primärverpackung. Bündelt sie Verkaufseinheiten für Regal oder Kunde, ist es eine Sekundärverpackung. Dient sie vor allem Handhabung, Lagerung und Transport der Ladeeinheit, ist es eine Tertiärverpackung.
Danach folgt die Rechtsart: Maßgeblich ist nach der PPWR, wofür die Verpackung konzipiert ist, nicht ihr Material und nicht ihr Name im Alltag.
| Beispiel | Ebene in der Fachsprache | Rechtsart nach PPWR (in der Regel) | Warum |
|---|---|---|---|
| Sachet, Stickpack oder Dose mit Pulver | Primärverpackung | Verkaufsverpackung | umschließt das Produkt und bildet die Verkaufseinheit |
| Faltschachtel um Sachets, die der Endkunde mitkauft | Sekundärverpackung | Verkaufsverpackung | bildet mit dem Produkt die Verkaufseinheit |
| Umkarton mit zwölf Faltschachteln für die Regalbestückung | Sekundärverpackung | Umverpackung | fasst Verkaufseinheiten zusammen und ist entfernbar |
| Palette mit Umkartons, gesichert mit Stretchfolie und Umreifung | Tertiärverpackung | Transportverpackung | erleichtert Handhabung und Transport |
| Versandkarton einer Online-Bestellung an einen Endkunden | äußerste Ebene, nicht automatisch tertiär | Verpackung für den elektronischen Handel, Unterfall der Transportverpackung | Lieferung im Fernabsatz an den Endabnehmer |
| Container im Straßen-, Schienen-, See- oder Luftverkehr | keine Verpackung | keine Transportverpackung | ausdrücklich ausgenommen |
03 · Beispiele
Eine Tertiärverpackung besteht selten aus einem Teil. Meist wirken Träger, Sicherung und Kennzeichnung zusammen.
| Bestandteil | Aufgabe | Typische Materialien |
|---|---|---|
| Palette | trägt und bewegt die Ladeeinheit | Holz, Kunststoff |
| Transportkiste, Box, Tray | nimmt Umkartons oder lose Ware auf, mehrfach nutzbar | Kunststoff, Metall |
| Umkarton als Transporteinheit | bündelt Verkaufseinheiten für Lager und Versand | Wellpappe, siehe Wellpappe |
| Stretchfolie | sichert Kartons auf der Palette | Kunststofffolie |
| Umreifungsband | hält die Ladeeinheit zusammen | Kunststoff, Metall |
| Etikett | kennzeichnet die Ladeeinheit für die Logistik | Papier, Folie |
Welche Kombination passt, hängt von Gewicht, Stapelhöhe, Transportweg und Empfänger ab. Wellpappe als Umkarton hat eigene Kenngrößen, die in den Einträgen zu den Wellenarten stehen, etwa zur C-Welle.
04 · Abgrenzung
Drei Wörter, die im Einkauf oft durcheinandergehen. Sie bezeichnen nicht dasselbe.
Fachbegriff der Verpackungstechnik für die dritte Ebene. Er beschreibt die Aufgabe, nicht die Rechtsart.
Rechtsbegriff der PPWR für Verpackungen, die Handhabung und Transport erleichtern und Transportschäden verhindern. Die frühere Richtlinie 94/62/EG nannte sie im deutschen Text Transport- oder Drittverpackung.
Kein einheitlicher Rechtsbegriff. Im Onlinehandel ist sie eine Verpackung für den elektronischen Handel, ein Unterfall der Transportverpackung. Mehr: Versandverpackung.
Oft werden Tertiär-, Transport- und Versandverpackung gleichgesetzt. Das ist zu grob: Eine Palette im B2B-Verkehr ist Transportverpackung ohne E-Commerce-Bezug. Ein Versandkarton an den Endkunden hat eigene Pflichten und kann zudem bei Haushalten als Abfall anfallen.
05 · Regulatorik
Die PPWR knüpft Pflichten an Verpackungsarten, nicht an die Ebenen der Fachsprache. Für die Transportebene sind vier Punkte wichtig.
| Ebene und Rechtsart | Pflicht | Ab wann |
|---|---|---|
| alle Ebenen | Schwermetall-Summengrenze von 100 mg/kg für Blei, Cadmium, Quecksilber und Chrom VI (Art. 5 Abs. 4); technische Dokumentation und EU-Konformitätserklärung des Erzeugers (Art. 38, 39) | seit 12.08.2026 |
| Primärverpackung, Verkaufsverpackung | PFAS-Grenzwerte bei Lebensmittelkontakt (Art. 5 Abs. 5, siehe PFAS in Lebensmittelverpackungen); Leerraum auf das notwendige Mindestmaß begrenzen (Art. 24 Abs. 4) | seit 12.08.2026 bzw. bis 12.02.2028 |
| Sekundärverpackung, Umverpackung | Leerraum höchstens 50 % (Art. 24 Abs. 1); Kennzeichnung der äußeren Umverpackung bei Lebensmitteln (LMIV Art. 8 Abs. 7) | Leerraum frühestens 01.01.2030 |
| Tertiärverpackung, Transportverpackung | Leerraum höchstens 50 % (Art. 24 Abs. 1); Mehrwegquote für Paletten, Kunststoffkisten, Boxen und Trays (Art. 29), mindestens 40 %, mit Ausnahmen | frühestens 01.01.2030 |
| Transportverpackung im B2B-Bereich ohne Systembeteiligung | Zulassung nach dem VerpackDG, Anschluss an ein System oder eine Organisation für Herstellerverantwortung | erforderlich ab 01.01.2028, Übergang bis 31.12.2027 |

Die Leerraumgrenze trifft den Wirtschaftsakteur, der die Verpackung befüllt. Frist: 01.01.2030 oder drei Jahre nach dem Durchführungsrechtsakt zur Berechnungsmethode, je nachdem, was später liegt. Füllmaterial zählt zum Leerraum.
Die Mehrwegquote gilt für Paletten, Kunststoffkisten, Boxen und Trays, die Berechnungsmethode steht noch aus. Für bestimmte Kunststoffkästen und -paletten bestehen bei der Schwermetallgrenze Ausnahmen; maßgeblich ist der Verordnungstext.
Wer Erzeuger ist, hängt vom Zeitpunkt der endgültigen Form ab: Formstabile Leergebinde wie Paletten werden regelmäßig beim Hersteller des Leergebindes vollständig, flexible Materialien wie Stretchfolie regelmäßig erst beim Verwenden. Bei Lohnfertigung unter Ihrer Marke gilt zuerst die Regel zur Auftragsfertigung. Mehr: Erzeuger und Hersteller nach PPWR.
SystembeteiligungTransportverpackungen, die typischerweise bei privaten Haushalten oder vergleichbaren Anfallstellen als Abfall anfallen, können systembeteiligungspflichtig sein, etwa Versandkartons. Typisch gewerbliche Transportverpackungen fallen unter das neue Zulassungsverfahren der ZSVR. Mehr: Systembeteiligung und LUCID.
06 · Praxis

Die Tertiärverpackung entsteht typischerweise am Ende des Abfüll- und Konfektionierungsprozesses: Die Umkartons werden palettiert, mit Stretchfolie gesichert, für den Versand etikettiert und an die Spedition übergeben. Die Transportkosten der Spedition sind davon getrennt und werden je Ziel gesondert kalkuliert. Im Lager stehen über 700 Stellplätze über alle Standorte zur Verfügung.
Die Ladeeinheit trägt in der Regel eine SSCC, die Nummer der Versandeinheit mit 18 Stellen (Application Identifier 00). Die GTIN kennzeichnet dagegen die Handelseinheit, etwa den Umkarton. Bei sortenreinen Paletten empfiehlt GS1 zusätzlich die GTIN der enthaltenen Einheit und die Menge. Pflichtangaben und Codes planen Sie mit der Etikettierung und der Chargennummer zusammen.
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07 · Einkauf
Diese Punkte gehören vor der Bestellung in die Spezifikation jeder Tertiärverpackung. Sie sind der Kern einer Verpackungsspezifikation.
Der Versandkarton an den Endkunden hat andere Pflichten als die Palette im B2B-Verkehr. Trennen Sie beide in der Spezifikation.
Die Palette wird mit SSCC gekennzeichnet, die GTIN gehört auf die Handelseinheit.
Wer Umläufe nachweisen muss, braucht Kennzeichnung und Rücknahmelogistik früher als die Quote selbst.
Mit diesen Punkten können wir Ihr Logistikprojekt in der Regel ohne Rückfragen einordnen.
08 · Anfrage
Welche Partei nach der PPWR Erzeuger ist und welche im Zielland als Hersteller die Registrierung übernimmt, klären wir je Projekt und halten es schriftlich fest. Dafür brauchen wir Marke, Gestaltungseinfluss, Verpackungsart und Lieferkette.
Planen Sie vom Auftrag bis zur Produktion 4 bis 8 Wochen ein, gerechnet ab der Auftragsklärung und sobald das Material vorliegt. Mehr zum Angebot finden Sie auf der Seite Logistik.
09 · FAQ
Die Tertiärverpackung ist die äußerste Verpackungsebene. Sie bündelt mehrere Sekundärverpackungen zu einer Ladeeinheit und ermöglicht Lagerung und Transport, etwa als Palette mit Stretchfolie und Umreifungsband. Mit dem Füllgut kommt sie nicht in Berührung. Der Begriff gehört zur Fachsprache der Verpackungstechnik, rechtlich spricht die PPWR von der Transportverpackung.
Tertiärverpackung beschreibt die Funktion in der Kette, Transportverpackung ist der Rechtsbegriff der PPWR. Die frühere Richtlinie 94/62/EG nannte im deutschen Text die Transportverpackung oder Drittverpackung. Im Alltag meinen beide meist dasselbe, etwa die Palette mit Sicherung. In Spezifikationen und Verträgen mit Rechtsbezug sollte der PPWR-Begriff an erster Stelle stehen, der Begriff Tertiärverpackung kann als Klammerzusatz folgen.
Nicht automatisch. Ein Versandkarton ist funktional oft die äußerste Ebene, rechtlich ist er aber eine eigene Kategorie, wenn er Ware im Onlinehandel an Endkunden liefert: die Verpackung für den elektronischen Handel, ein Unterfall der Transportverpackung. Eine Palette im B2B-Verkehr ist dagegen Transportverpackung ohne diese Unterkategorie. Beide Begriffe sind deshalb keine Synonyme.
Nein. Container des Straßen-, Schienen-, See- und Luftverkehrs sind nach der Begriffsbestimmung der PPWR ausdrücklich keine Transportverpackung. Die Ladeeinheit darin, etwa die gesicherte Palette, kann dagegen Transportverpackung sein.
Die PPWR begrenzt den Leerraum von Transportverpackungen auf höchstens 50 %, frühestens ab dem 01.01.2030 (Art. 24). Für Paletten, Kunststoffkisten, Boxen und Trays sieht Art. 29 ab 2030 eine Quote von mindestens 40 % wiederverwendbarer Verpackungen vor, mit Ausnahmen, und die Berechnungsmethode steht noch aus. Prüfen Sie früh, ob Ihre Transportverpackung dafür geeignet ist.
Das entscheidet nach der Auslegung der Zentralen Stelle Verpackungsregister der Zeitpunkt der endgültigen Form. Formstabile Leergebinde wie Paletten oder Kisten werden regelmäßig beim Hersteller des Leergebindes vollständig, flexible Materialien wie Stretchfolie regelmäßig erst beim Verwenden. Bei Lohnfertigung unter Ihrer Marke gelten zuerst andere Regeln. Halten Sie die Rollenentscheidung je Projekt schriftlich fest.
Eine Palette im Versand wird in der Regel mit einer SSCC gekennzeichnet, der Nummer der Versandeinheit mit 18 Stellen (Application Identifier 00). Die GTIN identifiziert dagegen die Artikelart, also die Handelseinheit, etwa den Umkarton. Bei sortenreinen Paletten empfiehlt GS1 zusätzlich die GTIN der enthaltenen Handelseinheit und die Menge. Abstimmen sollten Sie das mit Ihrem Handelspartner.
Das hängt davon ab, wo sie typischerweise als Abfall anfällt. Fällt sie bei privaten Haushalten oder vergleichbaren Anfallstellen an, kann sie systembeteiligungspflichtig sein. Typisch gewerbliche Transportverpackungen ohne Systembeteiligung fallen unter das neue Zulassungsverfahren der ZSVR, das ab 01.01.2028 erforderlich ist, mit Übergangszeit bis 31.12.2027. Die Einordnung im Einzelfall bleibt Sache des Verantwortlichen.
10 · Fazit
Die Tertiärverpackung ist die Ebene, die Ladeeinheiten durch Lager und Transport bringt. Als Begriff gehört sie zur Fachsprache, rechtlich zählt die Transportverpackung der PPWR, und die Versandverpackung im Onlinehandel ist ein Unterfall davon, aber kein Synonym.
Nehmen Sie die Frist 2030 früh in die Auslegung auf: Leerraum der Kartons, Mehrweg bei Paletten und Kisten sowie die Zulassung ab 2028 für Verpackungen ohne Systembeteiligung. Für die Einordnung nach Funktion und Rechtsart lesen Sie als Nächstes den Eintrag zu den Verpackungsarten; schicken Sie uns anschließend die Angaben aus der Checkliste: Logistikprojekt anfragen.
Weiterlesen
Grundlagen
Funktionale Ebenen (primär bis tertiär) und rechtliche Verpackungsarten im Überblick.
Grundlagen
Gruppiert Primärverpackungen: Funktion, Beispiele und Abgrenzung zur rechtlichen Verpackungsart.
Grundlagen
Die Verpackung, die direkt am Produkt anliegt – und warum sie nicht pauschal Verkaufsverpackung heißt.
Grundlagen
Verpackung für den Postweg: Anforderungen, Abgrenzung und Rolle im E-Commerce.
Grundlagen
Zusätzliche Hülle um die Verkaufseinheit: Zweck, Leerraum und rechtlicher Rahmen.
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Rechts- und Quellenstand: Oktober 2026. Änderungen: 14.10.2023 Erstveröffentlichung · 05.10.2026 vollständig überarbeitet: Funktion und Rechtsart getrennt, Tertiärverpackung von Transport- und Versandverpackung abgegrenzt, Entscheidungstabelle nach Ebene ergänzt, Rechtsstand PPWR und VerpackDG, Kennzeichnung der Ladeeinheit (SSCC), Anfrage-Checkliste; Pauschalaussagen zu Nachhaltigkeit und Diebstahlschutz entfernt.
Sam W. Pack · Fach- und Blogstimme der OH!S GmbH
Das offene Geheimnis: Hinter Sam steckt kein einzelner Mensch, sondern unser gesamtes OH!S-Team – über 30 Jahre Verpackungskompetenz, gebündelt in einer ehrlichen Stimme. Mehr davon im Schnack&Pack-Blog.
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