Verpackungslexikon · Recht & Nachhaltigkeit

Migration und NIAS: Wie Stoffe aus Verpackungen ins Lebensmittel übergehen

Migration bezeichnet den Übergang von Stoffen aus einer Verpackung in das Lebensmittel. Die Gesamtmigration erfasst die Summe aller abgegebenen Stoffe, die spezifische Migration einen einzelnen Stoff. NIAS sind nicht absichtlich zugesetzte Stoffe wie Verunreinigungen oder Abbauprodukte, die in keiner Rezeptur stehen, aber im Material vorliegen können.

  • Zwei Messgrößen: Gesamtmigration ist ein Summenwert, spezifische Migration gilt für einen einzelnen Stoff; beide beantworten verschiedene Fragen
  • Grenzwerte vor allem bei Kunststoff: Für Papier, Karton, Metall und Glas gibt es keine EU-Migrationsgrenzwerte, der allgemeine Sicherheitsgrundsatz gilt trotzdem
  • Bericht nur so gut wie seine Bedingungen: Er gilt für Probe, Simulans, Zeit und Temperatur, nicht für jede denkbare Verwendung

Antwort auf Ihre Anfrage innerhalb von 48 Stunden. NDA auf Wunsch.

Migration im Prüflabor: Prüfzelle mit Folienprobe neben Bechergläsern mit Lebensmittelsimulanzien
10 mg/dm²Gesamtmigration bei Kunststoff
IFS Food · EU-Bio
10 mg/dm²Gesamtmigration Kunststoff
je dm² Kontaktfläche
6Lebensmittelsimulanzien
A bis E in Anhang III
OM0–OM7Standard-Kontaktbedingungen
für die Gesamtmigration
48 hbis zur Antwort
auf Ihre Anfrage

01 · Definition

Was bedeutet Migration bei Lebensmittelverpackungen?

Migration ist der Übergang von Stoffen aus der Verpackung in das Lebensmittel. Das Recht begrenzt ihn, die Prüfung misst ihn, und der Nachweis sagt nur etwas über die geprüften Bedingungen.

Stoffe können aus Folie, Lack, Kleber oder Druckfarbe in ein Lebensmittel übergehen. Wie viel, hängt von Material, Kontaktzeit, Temperatur und Füllgut ab; fettige oder saure Lebensmittel verhalten sich anders als trockene Pulver.

Das Lebensmittelkontaktrecht verlangt, dass Verpackungen keine Bestandteile in gesundheitsgefährdenden Mengen abgeben (Artikel 3 der Verordnung (EG) Nr. 1935/2004). Für Kunststoff konkretisiert die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 das mit Grenzwerten. Den Gesamtrahmen erklärt der Eintrag Lebensmittelkontaktmaterialien.

Migration im Steckbrief
BegriffBedeutungGrenzwert bei Kunststoff
Gesamtmigration (OML)Summe aller abgegebenen nichtflüchtigen Stoffe, ohne Identifizierung10 mg je dm² Kontaktfläche (Art. 12)
Spezifische Migration (SML)Übergang eines einzelnen Stoffesje Stoff in mg/kg Lebensmittel, Anhang I (Art. 11)
IASabsichtlich zugesetzte Stoffenur Stoffe der Unionsliste
NIASnicht absichtlich zugesetzte Stoffekein Listenwert; Risikobewertung (Art. 19)

02 · Geltungsbereich

Wo es Migrationsgrenzwerte gibt und wo nicht

Schema der Migration: Stoffe gehen aus einer Verpackungswand in ein pulverförmiges Lebensmittel über
Migration im Schema: Stoffe gehen aus den Schichten der Verpackungswand in das Füllgut über

Migrationsgrenzwerte der EU gibt es vor allem für Kunststoff. Die Verordnung (EU) Nr. 10/2011 begrenzt die Gesamtmigration auf 10 mg je dm² Kontaktfläche, legt für einzelne Stoffe spezifische Grenzwerte fest und erlaubt nur Stoffe der Unionsliste. Rechnerisch entsprechen 10 mg/dm² bei der üblichen Konvention von 6 dm² Kontaktfläche je Kilogramm Lebensmittel 60 mg/kg. Diese Umrechnung gilt nur unter dieser Konvention.

Für Papier, Karton, Metall und Glas gibt es keine EU-Einzelmaßnahme und damit keine EU-Migrationsgrenzwerte. Es gilt der allgemeine Grundsatz aus Artikel 3 der Rahmenverordnung. In Deutschland dient für Papier die BfR-Empfehlung XXXVI als Beurteilungsgrundlage; sie ist kein Gesetz. Zu Mineralöl im Recyclingkarton lesen Sie MOSH und MOAH. Für Bisphenole in Lacken und Beschichtungen gilt die eigene Verordnung, siehe BPA und Bisphenole.

10 mg/dm² ist kein Wert für alle MaterialienDer Grenzwert gehört zur Kunststoffverordnung. Für lackiertes Blech, Karton oder Glas gibt es ihn nicht. Bekommen Sie für solche Materialien trotzdem einen Migrationsbericht, fragen Sie nach dem Maßstab: Welche Grenze, welche Methode, welche Quelle?

03 · Prüfung

Wie Migration geprüft wird: Simulanzien und Testbedingungen

Sechs Prüfgläser mit Lebensmittelsimulanzien in einer Reihe, von klar bis goldgelb
Lebensmittelsimulanzien: definierte Flüssigkeiten und ein Polymer stehen für Lebensmittelgruppen

Statt mit echten Lebensmitteln wird die Migration mit Simulanzien geprüft, definierten Flüssigkeiten oder einem Polymer, die Lebensmittelgruppen nachbilden. Anhang III der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 legt sechs fest. Die Gesamtmigration wird in den Simulanzien A bis D2 geprüft, nicht in E.

Lebensmittelsimulanzien nach Anhang III der Verordnung (EU) Nr. 10/2011
KürzelSimulansSteht für
AEthanol 10 Vol.-%hydrophile (wässrige) Lebensmittel
BEssigsäure 3 Gew.-%saure Lebensmittel (pH unter 4,5)
CEthanol 20 Vol.-%alkoholische Lebensmittel bis 20 Vol.-% und Lebensmittel mit erheblichem Anteil organischer Bestandteile
D1Ethanol 50 Vol.-%alkoholische Lebensmittel über 20 Vol.-% und Öl-in-Wasser-Emulsionen
D2pflanzliches ÖlLebensmittel mit freiem Fett an der Oberfläche
ETenax (Poly(2,6-diphenyl-p-phenylenoxid))trockene Lebensmittel, nur für die spezifische Migration

Dazu kommen die Testbedingungen. Das Worst-Case-Prinzip verlangt, dass die Prüfung die ungünstigsten vorhersehbaren Verwendungsbedingungen bei Kontaktdauer und Temperatur abbildet. Anhang V der Verordnung (EU) Nr. 10/2011, geändert 2016 und 2020, nennt dafür die Standardbedingungen OM0 bis OM7.

Beispiele für Standard-Kontaktbedingungen bei der Migration (Anhang V)
KürzelBedingungGedacht für
OM210 Tage bei 40 °CLagerung bei Raumtemperatur oder darunter, einschließlich Heißabfüllung oder Erhitzung auf 70 bis 100 °C für begrenzte Zeit
OM32 Stunden bei 70 °CHeißabfüllung oder Erhitzung ohne anschließende lange Lagerung
OM72 Stunden bei 175 °Cfetthaltige Lebensmittel bei Verwendung über die Bedingungen von OM5 hinaus

Zum Ergebnis gehört das Verhältnis von Kontaktfläche zu Volumen. Die Erklärung nennt das höchste Verhältnis, auf dem die Konformität beruht. Eine Prüfung der Migration unter OM1, 10 Tage bei 20 °C für gekühlte Ware, deckt keine Heißabfüllung ab.

Bericht vorhanden?

Prüfbedingungen und Füllgut gehören zusammen, vor dem Abfüllen

Schicken Sie uns Packmittel, Füllgut, Abfüllbedingungen und vorhandene Prüfberichte. Innerhalb von 48 Stunden melden wir uns mit einer Einschätzung, was für Ihr Projekt noch fehlt. Mehr zur Lohnabfüllung.

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04 · NIAS

NIAS: nicht absichtlich zugesetzte Stoffe und Risikobewertung

NIAS ist ein Fachbegriff, keine Definition aus dem Gesetzestext. Gemeint sind Stoffe im Material, die nicht aus technischem Grund zugesetzt wurden: Verunreinigungen der eingesetzten Stoffe, Reaktionszwischenprodukte, Abbau- und Reaktionsprodukte. Für die Migration zählt jeder Stoff, der übergehen kann, auch ein unbekannter. Dem stehen die absichtlich zugesetzten Stoffe gegenüber. Sie sind bei Kunststoff in der Unionsliste mit Bedingungen aufgeführt, NIAS stehen in keiner Liste.

Deshalb lässt sich die Konformität nicht über eine Positivliste belegen. Artikel 19 der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 verlangt, dass der Unternehmer die Konformität auch für nicht gelistete Stoffe sicherstellt, nach international anerkannten wissenschaftlichen Grundsätzen der Risikobewertung.

Screening

Das Material wird mit Analyseverfahren wie GC-MS oder LC-MS auf Stoffe untersucht, die nicht erwartet wurden.

Identifizierung

Gefundene Stoffe werden identifiziert, soweit das möglich ist.

Expositionsabschätzung

Aus der Migration und der Verwendung wird abgeschätzt, wie viel eines Stoffes in das Lebensmittel gelangen kann.

Bewertung

Die Menge wird mit toxikologischen Orientierungswerten verglichen. Diese Schwellenwerte sind fachliche Orientierungen, keine gesetzlichen Grenzwerte.

Seit der 19. Änderung der Kunststoffverordnung, Verordnung (EU) 2025/351, gilt für Kunststoff-Lebensmittelkontaktmaterialien, die ab dem 16. September 2026 in Verkehr kommen, ein neuer Rahmen. Er führt den Begriff des hohen Reinheitsgrads ein und staffelt die Anforderungen an NIAS danach, ob Genotoxizität ausgeschlossen werden kann. Die Konformitätserklärung muss Angaben zu NIAS enthalten, wenn deren Menge die Konformität des Endmaterials mit Artikel 3 der Rahmenverordnung gefährden könnte.

Funktionelle Barriere: kein FreibriefEine funktionelle Barriere ist eine Schicht, die den Übergang von Stoffen aus dahinterliegenden Schichten verhindert. Hinter ihr dürfen unter Bedingungen auch nicht zugelassene Stoffe stehen, wenn ihre Migration 0,01 mg/kg Lebensmittel nicht überschreitet; krebserzeugende, erbgutverändernde und fortpflanzungsgefährdende Stoffe sowie Nanomaterialien sind ausgeschlossen. Die Wirkung muss belegt sein. Mit der Gasbarriere hat das nichts zu tun, siehe OTR und WVTR; zum Aufbau mehrschichtiger Folien siehe Verbundfolie.

05 · Aussagekraft

Was ein Migrationsbericht aussagt und was nicht

Prüfbericht mit Messkurven und Lupe neben einer Folienprobe auf einem Schreibtisch
Migrationsbericht mit Messwerten: gültig für Probe, Bedingungen und Prüfdatum

Ein Bericht zur Migration ist ein Messergebnis für eine bestimmte Probe unter bestimmten Bedingungen. Gut lesbar wird er, wenn Sie vier Angaben suchen: Welches Material und welcher Aufbau wurden geprüft, in welchem Simulans, bei welcher Zeit und Temperatur, und von welchem Labor mit welcher Messunsicherheit.

Migrationsbericht: Aussage und Grenzen
Der Bericht belegtDer Bericht belegt nicht
Das Ergebnis für die geprüfte Probe, also Material, Aufbau und ChargeDass ein anderer Schichtaufbau, ein anderes Druckbild, ein anderer Lack oder ein anderer Lieferant dasselbe Ergebnis liefert
Die Einhaltung des geprüften Grenzwerts unter den geprüften BedingungenDass die Verpackung für andere Füllgüter oder höhere Temperaturen geeignet ist
Prüflabor, Datum und Messunsicherheit des ErgebnissesAussagen zu Stoffen, nach denen nicht gesucht wurde; NIAS erfasst nur ein Screening
Einen Summenwert (Gesamtmigration) oder Einzelstoffwerte (spezifische Migration)Ob Geruch und Geschmack des Füllguts unverändert bleiben; das ist eine eigene Sensorikprüfung
Den gemessenen Übergang in das Simulans unter LaborbedingungenDie Stoffgrenzen der PPWR, die Gehalte am Material betreffen, siehe PFAS in Lebensmittelverpackungen

Die PPWR-Grenzen für Schwermetalle und PFAS sind Gehalte in der Verpackung, keine Migrationswerte. Ein sauberer Migrationsbericht ersetzt deshalb weder diese Nachweise noch die Konformitätserklärung. Beide Dokumente behandelt der Eintrag Konformitätserklärung; das Gesamtbild der Verordnung (EU) 2025/40 gibt die PPWR-Übersicht.

06 · Entscheidung

Welche Prüfung für welche Frage?

Welche Prüfung beantwortet welche Frage?
Ihre FrageNaheliegende PrüfungHinweis
Gibt das Kunststoffmaterial insgesamt zu viel ab?Gesamtmigration in Simulanzien A bis D2Grenzwert 10 mg/dm² bei Kunststoff; Bedingungen nach Verwendung wählen
Gibt es einen begrenzten Einzelstoff ab, etwa ein Monomer oder Additiv?spezifische Migration je StoffGrenzwert je Stoff in Anhang I; bei trockenen Lebensmitteln Simulans E
Sind unbekannte Stoffe im Material?NIAS-Screening und RisikobewertungAufgabe des Herstellers nach Artikel 19
Verändert die Verpackung Geruch oder Geschmack?Sensorikprüfungeigene Prüfung, nicht Teil der Migrationsmessung
Liegt hinter einer funktionellen Barriere ein nicht gelisteter Stoff?Nachweis der Barrierewirkung und der Migration bis 0,01 mg/kgArtikel 13 und 14; Nachweis in der Erklärung bestätigen lassen
Dose mit Innenlack aus Metallkeine EU-Migrationsgrenzwerte; Lieferantenunterlagen zum Lack und Erklärung zu Bisphenolensiehe BPA und Bisphenole
Recyclingkarton im direkten KontaktNachweis zu Mineralöl-Übergängensiehe MOSH und MOAH

Diese Fehler tauchen am häufigsten auf, wenn Berichte zur Migration in die Packmittelfreigabe kommen.

  • Bericht für die Rohfolie statt für das EndproduktDruck, Kaschierung, Kleber und Verschluss gehören zum fertigen Packmittel.
  • Falsche SimulanzienEin Simulans für wässrige Lebensmittel sagt wenig über ein fettiges Füllgut, und die Gesamtmigration wird nicht in Simulans E geprüft.
  • Gesamt- und spezifische Migration verwechselnEin bestandener Summenwert sagt nichts über einen begrenzten Einzelstoff.
  • Bedingungen passen nicht zur VerwendungEine Prüfung der Migration bei Kühlung deckt keine Heißabfüllung ab.
  • Kunststoffgrenzwert auf Lack oder Karton übertragenFür diese Materialien fehlt der EU-Grenzwert; der Maßstab muss genannt sein.
  • Alter Bericht nach ÄnderungenNeue Rezeptur, neuer Lieferant oder anderer Druck machen den Bericht unsicher.

Diese Angaben beschleunigen Ihr Angebot

Mit diesen Punkten können wir Ihr Projekt in der Regel ohne Rückfragen einordnen.

  • Packmittel: Art, Material und Aufbau, soweit bekannt
  • Füllgut: trocken, fettig, feucht oder sauer; Mindesthaltbarkeitsziel
  • Abfüllbedingungen: Heißabfüllung ja oder nein, Siegelverfahren, Lagerdauer
  • Vorhandene Berichte: Migrationsberichte mit Simulans, Zeit, Temperatur, Labor, Datum
  • Konformitätserklärung des Packmittellieferanten mit Datum und Rechtsstand
  • Packmittel beigestellt oder von uns beschafft; Bio ja oder nein
  • Format, Füllmenge je Einheit und Auflage; Lieferziel und Wunschtermin

07 · Anfrage

So gelingt Ihre Anfrage mit Migrationsnachweisen

Haben Sie noch keine Berichte zur Migration, schildern Sie Füllgut und Abfüllbedingungen. OH!S fordert die Unterlagen des Packmittelherstellers an und archiviert sie je Artikel; sie müssen vor Produktionsstart vorliegen. Sie ersetzen keine rechtliche Bewertung. Mehr zum Pflichtenheft: Verpackungsspezifikation. Zu Dosen: Lohnabfüllung von Dosen; zu Gläsern: Glasverpackung. Das passende Packmittel finden Sie unter Packmittel.

08 · FAQ

Häufige Fragen zu Migration und NIAS

Was ist der Unterschied zwischen Gesamtmigration und spezifischer Migration?

Die Gesamtmigration ist die Summe aller nichtflüchtigen Stoffe, die ein Material in das Lebensmittel oder Simulans abgibt. Sie ist ein Summenwert und identifiziert die Stoffe nicht. Die spezifische Migration bezieht sich auf einen einzelnen Stoff und wird in mg je kg Lebensmittel bewertet. Ein bestandener Summenwert sagt nichts über einen einzelnen begrenzten Stoff, und umgekehrt. Beide Prüfungen beantworten also verschiedene Fragen.

Gibt es Migrationsgrenzwerte für Metalldosen, Karton oder Glas?

EU-weite Migrationsgrenzwerte gibt es für Kunststoff in der Verordnung (EU) Nr. 10/2011. Für Papier, Metall und Glas existiert keine EU-Einzelmaßnahme. Es gilt die Rahmenverordnung (EG) Nr. 1935/2004: Materialien dürfen keine Bestandteile in gesundheitsgefährdenden Mengen abgeben. In Deutschland ist für Papier die BfR-Empfehlung XXXVI maßgeblich, die kein Gesetz ist. Ein Kunststoffgrenzwert lässt sich nicht einfach auf lackiertes Blech oder Karton übertragen.

Welches Simulans gilt für trockene Lebensmittel wie Pulver?

Für trockene Lebensmittel ist in Anhang III der Verordnung (EU) Nr. 10/2011 das Simulans E vorgesehen, ein Polymer namens Tenax. Es wird nur für die spezifische Migration verwendet. Die Gesamtmigration wird in den Simulanzien A bis D2 geprüft, nicht in E. Wenn ein Bericht für Pulver die Gesamtmigration in Tenax ausweist, ist das ein Grund zur Rückfrage beim Prüflabor.

Was sind NIAS und müssen sie in der Konformitätserklärung stehen?

NIAS sind nicht absichtlich zugesetzte Stoffe, zum Beispiel Verunreinigungen von Ausgangsstoffen oder Abbau- und Reaktionsprodukte. Bei Kunststoff muss die Erklärung seit der Verordnung (EU) 2025/351 Angaben dazu enthalten, wenn deren Menge die Konformität des Endmaterials mit Artikel 3 der Rahmenverordnung gefährden könnte. Die Bewertung selbst ist Aufgabe des Herstellers nach Artikel 19 der Kunststoffverordnung.

Welche Prüfbedingungen gelten bei Heißabfüllung?

Die Prüfung muss die ungünstigsten vorhersehbaren Bedingungen abbilden. Anhang V der Kunststoffverordnung nennt Standardbedingungen, zum Beispiel OM3 mit 2 Stunden bei 70 °C für Heißabfüllung ohne lange Lagerung oder OM2 mit 10 Tagen bei 40 °C, wenn zusätzlich bei Raumtemperatur gelagert wird. Eine Prüfung bei Kühlschranktemperatur deckt eine Heißabfüllung nicht ab. Nennen Sie dem Lieferanten Ihre tatsächlichen Abfüll- und Lagerbedingungen.

Reicht der Migrationsbericht für die Rohfolie aus?

Meist nicht. Der Bericht gilt für das geprüfte Material. Wird die Folie bedruckt, kaschiert oder zu einem Beutel mit Verschluss verarbeitet, kommen Druckfarbe, Kleber und weitere Schichten hinzu. Die Erklärung muss den fertigen Aufbau abdecken. Fragen Sie nach dem Aufbau, auf den sich der Bericht bezieht, und nach Datum und Prüflabor.

09 · Fazit

Fazit: Migration immer mit Bedingungen lesen

Migration ist kein einzelner Wert, sondern ein Messergebnis mit Bedingungen: Gesamtmigration als Summe, spezifische Migration je Stoff, geprüft in Simulanzien bei definierter Zeit und Temperatur. Verbindliche EU-Grenzwerte gibt es vor allem bei Kunststoff; für Papier, Metall und Glas gilt der allgemeine Sicherheitsgrundsatz. NIAS lassen sich nicht über eine Liste belegen, sondern nur über eine Risikobewertung des Herstellers. Ein Migrationsbericht zählt nur für die Probe, die Bedingungen und das Füllgut, für die er erstellt wurde.

Als Nächstes lesen Sie, wie BPA und Bisphenole im Lebensmittelkontakt geregelt sind, und schicken Sie uns die Angaben aus der Checkliste.

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Rechtlicher HinweisDie hier bereitgestellten Informationen dienen als fachliche Orientierung für Produktentwickler, Einkauf und Geschäftskunden der OH!S GmbH. Sie ersetzen keine Rechtsberatung und keine rechtliche Einzelfallprüfung; maßgeblich ist der amtliche Wortlaut der genannten Rechtsakte und Normen. Für Produktkonformität, Kennzeichnung und Umweltaussagen ist die jeweils nach Gesetz verantwortliche Partei zuständig, in der Regel der Inverkehrbringer. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen auf Basis der genannten Quellen zusammengestellt; eine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit wird nicht übernommen.

Quellen

  1. Verordnung (EU) Nr. 10/2011 (Kunststoffe), Art. 11, 12, 13, 18, 19, Anhänge I, III, V. Stand: Oktober 2026. EUR-Lex 10/2011 (öffnet in neuem Tab)
  2. Verordnung (EU) Nr. 10/2011, konsolidierte Fassung vom 16.03.2025 (mit Änderung durch Verordnung (EU) 2025/351). Stand: Oktober 2026. EUR-Lex konsolidiert (öffnet in neuem Tab)
  3. Verordnung (EG) Nr. 1935/2004, Art. 3 und 16. Stand: Oktober 2026. EUR-Lex 1935/2004 (öffnet in neuem Tab)
  4. Innoform: Gesamtmigration nach Verordnung (EU) Nr. 10/2011, Standardprüfbedingungen OM0 bis OM7. Stand: Oktober 2026. Innoform (öffnet in neuem Tab)
  5. Food Packaging Forum: Non-intentionally added substances (NIAS). Stand: Oktober 2026. Food Packaging Forum (öffnet in neuem Tab)

Rechts- und Quellenstand: Oktober 2026. Änderungen: 05.10.2026 Erstveröffentlichung.

Sam W. Pack · Fach- und Blogstimme der OH!S GmbH

Das offene Geheimnis: Hinter Sam steckt kein einzelner Mensch, sondern unser gesamtes OH!S-Team – über 30 Jahre Verpackungskompetenz, gebündelt in einer ehrlichen Stimme. Mehr davon im Schnack&Pack-Blog.

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