Verpackungslexikon · Abfüllung & Technik
CIP und SIP sind zwei getrennte Verfahren in geschlossenen Anlagen. CIP (Cleaning in Place) reinigt Rohre, Tanks und Füller ohne Demontage mit Spülmedien. SIP (Sterilisation in Place) entkeimt die gereinigte Anlage anschließend, meist mit Dampf. Erst die feste Reihenfolge, erst reinigen und dann entkeimen, ergibt eine nachweisbar hygienische Anlage.
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01 · Definition
CIP und SIP werden oft in einem Atemzug genannt und deshalb verwechselt. Dabei lösen sie zwei verschiedene Probleme, und die Reihenfolge ist fest: erst reinigen, dann entkeimen.
CIP steht für Cleaning in Place, auf Deutsch Reinigung ohne Demontage. Rohrleitungen, Tanks, Pumpen und Füller werden in der geschlossenen Anlage mit Spülmedien gereinigt, die durch die Anlage strömen. Das Ziel ist, Produktreste und Beläge zu entfernen.
SIP steht für Sterilisation in Place und wird oft auch Steam in Place genannt. Die bereits gereinigte Anlage wird anschließend entkeimt, meist mit Dampf. Das Ziel ist, Mikroorganismen in der Anlage unschädlich zu machen, damit sie nicht ins nächste Produkt gelangen.
Beläge schützen Keime. Deshalb wirkt SIP nur auf sauberen Oberflächen zuverlässig, und CIP allein ersetzt keine Entkeimung. Erst CIP und SIP zusammen, in dieser Reihenfolge, ergeben eine nachweisbar hygienische Anlage.
| Kriterium | CIP | SIP |
|---|---|---|
| Ziel | Rückstände und Beläge entfernen | Keime in der Anlage inaktivieren |
| Medium | Wasser, Lauge, Säure | meist Dampf, je nach Anlage auch chemische Mittel |
| Reihenfolge | zuerst | danach, nur auf gereinigter Anlage |
| Nachweis | Sauberkeit: Rückstands- und Keimprüfungen | Temperatur und Zeit an der kältesten Stelle |
02 · CIP
Eine CIP-Reinigung folgt einem festen Programm. Die Reihenfolge ist üblich, die Parameter sind es nicht: Sie hängen von Produkt, Verschmutzung und Anlage ab und werden im Validierungsplan festgelegt.
Wasser spült grobe Produktreste aus und senkt die Belastung für die folgenden Schritte.
WasserEine Lauge löst Fette und Eiweiß. Temperatur, Konzentration und Strömung sind auf das Produkt abgestimmt.
LaugeKlarwasser entfernt die Lauge, bevor eine Säure folgt.
WasserEine Säure löst mineralische Beläge, etwa Kalk. Der Schritt entfällt, wenn solche Beläge nicht zu erwarten sind.
Säure, bei BedarfKlarwasser spült den Reiniger aus. Eine Messung, zum Beispiel der Leitfähigkeit des Spülwassers, zeigt, ob das Spülwasser sauber abläuft.
KontrolleWenn vorgesehen, senkt ein Desinfektionsmittel die Keimzahl auf den gereinigten Flächen. Danach wird erneut gespült.
optional
Vier Einflussgrößen bestimmen den Reinigungserfolg, den Sinnerschen Kreis. Fällt eine geringer aus, müssen die anderen ausgleichen. Wird zum Beispiel die Zeit gekürzt, braucht es mehr Mechanik, Wärme oder Chemie.
Wärme löst Fette und beschleunigt die Wirkung des Reinigers.
Strömung, Sprühkugeln und Druck lösen Beläge mechanisch.
Lauge, Säure und Zusätze lösen und binden Rückstände.
Wirkdauer des Programms. Verkürzen geht nur, wenn die anderen Größen mehr leisten.
03 · SIP
Die Entkeimung beginnt erst, wenn die Anlage sauber, leer und geschlossen ist. Dann muss jede Stelle lange genug heiß genug werden, nicht nur die leicht erreichbaren.
Die Anlage ist gereinigt und entleert. Entwässerung und Kondensatableiter sind offen, Totstellen sind erfasst.
gereinigtDampf verdrängt die Luft. Eingeschlossene Luft ist ein häufiger Fehler, weil sie kalte Nester bildet.
Luft verdrängenDie vorgegebene Temperatur wird für die vorgegebene Zeit an der kältesten Stelle gehalten und aufgezeichnet.
kälteste StelleBeim Abkühlen darf kein Unterdruck entstehen, der unsterile Luft ansaugt. Die Anlage bleibt mit gefilterter Luft oder Gas unter Druck.
Rekontamination vermeidenDie Aufzeichnung wird geprüft, erst dann geht die Anlage in Produktion.
dokumentiertDampf kondensiert an kalten Flächen und gibt dabei Wärme ab. Stellen, die nicht durchströmt werden oder an denen Kondensat steht, werden langsamer heiß. Deshalb wird bei CIP und SIP dort gemessen, wo es am kältesten ist, und deshalb gehören Entwässerung und Kondensatableiter in die Planung der Anlage.

Heißes Wasser ist keine SterilisationBei Normaldruck erreicht Wasser nie mehr als seinen Siedepunkt. Dampf unter Überdruck kann heißer sein und gibt beim Kondensieren viel Wärme ab. Heißwasserprogramme senken die Keimzahl und heißen Sanitisierung, nicht Sterilisation. Wer „SIP“ schreibt, sollte Dampf, Temperatur, Haltezeit und Messstelle nennen können. Die Wirkung gilt immer für die Anlage, nicht als Garantie für jeden Behälter.
04 · Pulverlinien
CIP setzt geschlossene, nass spülbare Systeme voraus. Pulver und Wasser vertragen sich schlecht, denn Restfeuchte begünstigt Verklumpung und Keimwachstum. Statt CIP kommen trockene oder gezielt nasse Reinigungsschritte zum Einsatz.
Beim Produktwechsel wird nach Aufwand gestuft: Je größer das Risiko durch das Vorprodukt, desto gründlicher die Reinigung. Die Wahl der Stufe richtet sich nach Vorprodukt und Folgeprodukt, nicht nach der Maschine.
Beim Wechsel zwischen Bio und konventioneller Ware ist eine nasse Zwischenreinigung vorgesehen, beim Wechsel zwischen Produkten mit und ohne Allergene eine abschließende Allergenreinigung. Mehr zu den Hauptallergenen und zum Kreuzkontakt: Allergene.
| Stufe | Anwendungsfall |
|---|---|
| ohne Zwischenreinigung | selbe Sorte, selber Kunde |
| trockene Zwischenreinigung | ähnliches Material, selber Kunde |
| nasse Zwischenreinigung | Wechsel zwischen Bio und konventionell |
| Allergenreinigung (abschließend) | Wechsel bei Allergenen |
Allergenreinigung und Allergenfrei-Deklaration sind zwei DingeDie Reinigung ist eine Maßnahme an der Linie. Die Deklaration ist die schriftliche Bestätigung je Allergen, dass die Produktion frei von diesem Allergen war. Für die Anfrage ist deshalb wichtig, welche Allergene deklariert werden sollen: Ihre Anzahl bestimmt den Aufwand.
CIP und SIP sind typische Verfahren geschlossener Flüssigkeitsanlagen. Für flüssige und pastöse Produkte arbeiten wir mit dem Produktionsverbund zusammen. Welches Reinigungskonzept für Ihr Produkt vorgesehen ist, klären wir vor dem Angebot. Einen Überblick über Verfahren bei Flüssigem gibt der Eintrag Nassabfüllung.
05 · Nachweis
Gereinigt heißt nicht: sauber aussehend. Nachweisen lässt sich nur, was gemessen wird, und jede Methode beantwortet eine andere Frage.
| Methode | Sie zeigt | Ihre Grenze |
|---|---|---|
| Sichtprüfung | grobe Beläge | dünne Filme und Allergene bleiben unsichtbar |
| Spülwasser- und Leitfähigkeitsmessung | ob Reiniger ausgespült sind | sagt nichts über Produktreste |
| ATP-Test | organische Rückstände, schnell vor Ort | zeigt weder ein bestimmtes Allergen noch bestimmte Keime |
| Abklatsch- oder Tupferprobe | Keimzahl an einer definierten Stelle | Ergebnis erst nach der Bebrütung |
| Allergen-Schnelltest oder Labortest | ein bestimmtes Allergenprotein | gilt nur für das geprüfte Allergen |
| Temperatur- und Zeitaufzeichnung bei SIP | Haltezeit an der kältesten Stelle | zeigt Wärme, nicht die Keimzahl |
Belegt wird mit einem Validierungsplan: Welche Stellen sind kritisch, welche Methode kommt zum Einsatz, wie oft wird geprüft, welcher Grenzwert gilt, wer gibt frei. Die Grenzwerte setzt der Verantwortliche auf Basis seiner Gefahrenanalyse, siehe HACCP. Aufzeichnungen je Charge gehören zur Rückverfolgbarkeit.
06 · Hygienic Design
Eine Anlage lässt sich nur reinigen, wenn sie dafür gebaut ist. Wer die Reinigung erst nach dem Bau bedenkt, zahlt später für Umbauten. Deshalb gehören diese fünf Punkte in die Konstruktionsphase. Orientierung geben die Leitlinien der EHEDG.
07 · Regulatorik
Maßgeblich für CIP und SIP ist die Verordnung (EG) Nr. 852/2004. Sie verlangt in Anhang II, dass Ausrüstung mit Lebensmittelkontakt wirksam gereinigt und erforderlichenfalls desinfiziert wird und so gebaut und aufgestellt ist, dass sich Ausrüstung und Umgebung angemessen reinigen lassen. Dazu kommt das HACCP-Konzept nach Art. 5.
Seit der Änderung durch die Verordnung (EU) 2021/382 enthält Anhang II der Verordnung (EG) Nr. 852/2004 auch Anforderungen an das Allergenmanagement. Kennzeichnungspflichtig sind die 14 Hauptallergene der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011, siehe Allergene.
Orientierung, keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist der amtliche Wortlaut der genannten Rechtsakte und Normen.
08 · Typische Fehler
Diese fünf Fehler lassen sich bei CIP und SIP mit wenig Aufwand vermeiden, wenn sie vorher bekannt sind.
09 · Entscheidung
Die Tabelle ordnet typische Situationen ein. Ob und welche Stufe nötig ist, entscheidet am Ende die Gefahrenanalyse des Verantwortlichen.
Diese Fragen helfen im Gespräch mit jedem Lohnabfüller: Welche Anlagenteile lassen sich in der Anlage reinigen? Wie wird die Reinigung validiert? Wie wird mit Allergenen und Bio-Wechseln umgegangen? Wie wird die Entkeimung nachgewiesen? Welche produktabhängigen Rüstzeiten fallen an?
| Situation | Üblicher Weg |
|---|---|
| Produktwechsel in einer Flüssigkeitsanlage | CIP-Programm mit Kontrolle der Endspülung |
| Wechsel mit Allergenen | Allergenreinigung mit Nachweis je Allergen |
| Aseptische Linie oder hohes Keimrisiko | CIP und anschließend SIP, validiert |
| Pulverlinie | trockene oder nasse Zwischenreinigung nach Stufenmodell |
| Verdacht auf Verkeimung | Ursache klären, dann reinigen, entkeimen und beproben |
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Mit diesen Punkten können wir Reinigung und Produktwechsel in der Regel ohne Rückfragen einordnen.
10 · Anfrage
Je klarer Allergene und Produktwechsel beschrieben sind, desto genauer lässt sich der Reinigungsaufwand einschätzen. Er ist ein Teil der Kalkulation, die wir erst nach Klärung der Eckdaten verbindlich nennen.
Mehr zur Einordnung in unser Leistungsspektrum: Lohnabfüllung bei OH!S.
11 · FAQ
CIP steht für Cleaning in Place, auf Deutsch Reinigung ohne Demontage: Wasser, Lauge und Säure strömen durch die geschlossene Anlage und entfernen Produktreste und Beläge. SIP steht für Sterilisation in Place, oft auch Steam in Place genannt: Die gereinigte Anlage wird entkeimt, meist mit Dampf. Beide Verfahren brauchen einen Nachweis mit festgelegter Methode und festgelegtem Grenzwert.
CIP entfernt Rückstände und Beläge, SIP inaktiviert Keime in der Anlage. CIP kommt zuerst, SIP danach, denn Beläge schützen Keime vor der Entkeimung. Beide Verfahren werden getrennt programmiert, überwacht und nachgewiesen. Wer sie wie ein einziges Verfahren behandelt, hat meist keinen belastbaren Nachweis für einen der beiden Schritte.
Das hängt vom Produkt und vom Haltbarkeitsziel ab. Für viele Anwendungen genügt eine validierte Reinigung, gegebenenfalls mit Desinfektion. Eine Entkeimung mit SIP ist dort üblich, wo Keime im Produkt ungekühlt wachsen könnten, etwa bei aseptischen Linien. Welche Stufe nötig ist, ergibt sich aus der Gefahrenanalyse des Verantwortlichen.
In der Regel nicht. CIP setzt geschlossene, nass spülbare Systeme voraus, und Restfeuchte ist in Pulveranlagen ein Risiko. Dort kommen trockene Reinigungsschritte oder gezielte Nassreinigung mit anschließender Trocknung zum Einsatz, beim Allergenwechsel zusätzlich eine abschließende Allergenreinigung. Welche Stufe vorgesehen ist, richtet sich nach Vorprodukt und Folgeprodukt.
Eine Pauschale gibt es nicht. Dauer und Parameter hängen von Anlage, Produkt und Verschmutzungsgrad ab und werden im Validierungsplan festgelegt. Für die Planung zählt auch die produktabhängige Rüstzeit zwischen zwei Produkten. Nennen Sie in der Anfrage deshalb Produktwechsel, Allergene und Chargengröße, dann lässt sich der Aufwand realistisch einschätzen.
Über eine Kombination aus Reinigungsprogramm und Prüfung: spezifische Allergen-Schnelltests oder Labortests, Sichtprüfung und Dokumentation je Charge. ATP-Tests allein genügen nicht, denn sie zeigen organische Rückstände, aber nicht ein bestimmtes Allergen. Die Allergenfrei-Deklaration ist die schriftliche Bestätigung je Allergen, getrennt von der Reinigung selbst.
OH!S weist CIP und SIP nicht als eigene Leistung aus. Beide Verfahren sind typisch für geschlossene Flüssigkeitsanlagen; flüssige und pastöse Produkte laufen im Produktionsverbund. Für Pulver gelten die Reinigungsstufen beim Produktwechsel bis hin zur Allergenreinigung. Welches Reinigungskonzept für Ihr Produkt vorgesehen ist, klären wir vor dem Angebot.
12 · Fazit
CIP und SIP lösen zwei Probleme: CIP entfernt Rückstände, SIP entkeimt die gereinigte Anlage. Wer CIP und SIP sauber trennt, bekommt belastbare Aussagen statt Schlagwörter. Die Reihenfolge ist fest, und jeder Schritt braucht seinen eigenen Nachweis. Wer beides vermischt, hat meist weder eine belegte Reinigung noch eine belegte Entkeimung.
Bei Pulver gilt eine andere Logik: Statt CIP zählen die Reinigungsstufe beim Produktwechsel und, bei Allergenen, die Allergenreinigung mit Deklaration. Fragen Sie deshalb immer nach Methode, Grenzwert und Aufzeichnung, nicht nur nach dem Verfahrensnamen.
Wenn Reinigung und Produktwechsel Ihr Projekt prägen, schicken Sie uns die Angaben aus der Checkliste. Für den Zusammenhang mit der Abfülltechnik lesen Sie als Nächstes die aseptische Abfüllung.
Weiterlesen
Technik
Keimarm abfüllen: Prinzip, Ablauf und Grenzen, ohne Absolutzusagen.
Technik
Kalt-, Heiß- und aseptische Abfüllung von Flüssigem: Viskosität und Füllmengenkontrolle.
Recht
Die 14 Hauptallergene, Kennzeichnung und Kreuzkontakt in der Abfüllung.
Standard
Gefahrenanalyse und kritische Kontrollpunkte: Prinzipien, Rechtsgrundlage, Abfüllbeispiel.
Standard
Lebensmittel-, Verpackungs-, Kosmetik- und Pharma-GMP sauber unterschieden.
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Rechtlicher HinweisDie hier bereitgestellten Informationen dienen als fachliche Orientierung für Produktentwickler, Einkauf und Geschäftskunden der OH!S GmbH. Sie ersetzen keine Rechtsberatung und keine rechtliche Einzelfallprüfung; maßgeblich ist der amtliche Wortlaut der genannten Rechtsakte und Normen. Für Produktkonformität, Kennzeichnung und Umweltaussagen ist die jeweils nach Gesetz verantwortliche Partei zuständig, in der Regel der Inverkehrbringer. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen auf Basis der genannten Quellen zusammengestellt; eine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit wird nicht übernommen.
Rechts- und Quellenstand: Oktober 2026. Änderungen: 09.05.2025 Erstveröffentlichung · 05.10.2026 vollständig überarbeitet: CIP und SIP als zwei getrennte Verfahren erklärt, Bild- und Entwurfsreste entfernt, unbelegte Prozesswerte und Fallstudien gestrichen, Grenzen bei Pulverlinien, Nachweismethoden und Anfrage-Checkliste ergänzt.
Sam W. Pack · Fach- und Blogstimme der OH!S GmbH
Das offene Geheimnis: Hinter Sam steckt kein einzelner Mensch, sondern unser gesamtes OH!S-Team – über 30 Jahre Verpackungskompetenz, gebündelt in einer ehrlichen Stimme. Mehr davon im Schnack&Pack-Blog.
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