Rohstoff-Lexikon › L-Citrullin
L-Citrullin – Rohstoff für Nahrungsergänzungsmittel
Aminosäure aus der Wassermelone, industriell fermentiert, rechtlich anspruchsvoll.
L-Citrullin ist eine nicht-proteinogene Aminosäure, die im Harnstoffzyklus entsteht und in der Niere zu L-Arginin umgebaut wird. Benannt ist sie nach der Wassermelone, Citrullus lanatus. Für Nahrungsergänzungsmittel wird L-Citrullin fermentativ hergestellt und als freie Aminosäure oder als Citrullin-Malat eingesetzt. Dieser Lexikoneintrag liefert Produktentwicklern und Einkäufern die fachliche Grundlage für Rezepturentscheidung, Spezifikation und rechtliche Prüfung.
§ 01 — SteckbriefL-Citrullin auf einen Blick
Chemisch handelt es sich um eine α-Aminosäure, die nicht in Proteine eingebaut wird und deshalb als nicht-proteinogen gilt. Sie wurde erstmals aus dem Saft der Wassermelone isoliert und trägt deren botanischen Gattungsnamen. Im Rohstoffhandel begegnen Ihnen zwei Formen: die freie Aminosäure und das Salz mit DL-Äpfelsäure, üblicherweise als Citrullin-Malat 2:1 deklariert.
| Merkmal | Spezifikation |
|---|---|
| Stoffklasse | nicht-proteinogene α-Aminosäure, Zwischenprodukt des Harnstoffzyklus |
| CAS-Nummer | 372-75-8 |
| Summenformel | C6H13N3O3 |
| Molare Masse | 175,19 g/mol |
| Namensherkunft | Citrullus lanatus (Wassermelone) |
| Natürliches Vorkommen | Wassermelone: Fruchtfleisch 40–160 mg/100 g, Schale 60–500 mg/100 g; in den Samen nicht nachweisbar |
| Handelsformen | freies L-Citrullin (Pulver, kristallin) · L-Citrullin-DL-Malat, meist 2:1 |
| Herstellung | mikrobielle Fermentation, nicht Extraktion aus Wassermelone |
| Referenzstandard | USP-Referenzstandard verfügbar |
| Dosisbereich in Studien | 3–11 g/Tag über 1–16 Wochen; Sport-Studien meist 8 g Citrullin-Malat akut |
| Zugelassener Health Claim | keiner |
| Löslichkeit | gut wasserlöslich; Citrullin-Malat deutlich hygroskopisch und sauer im Geschmack |
§ 02 — HerkunftWoher L-Citrullin für Supplemente kommt
Natürlich kommt die Aminosäure vor allem in Kürbisgewächsen vor, allen voran in der Wassermelone. Die Gehalte schwanken stark nach Sorte, Reifegrad und Pflanzenteil: Die Schale enthält mit 60 bis 500 mg pro 100 g Frischgewicht mehr als das Fruchtfleisch mit 40 bis 160 mg, in den Samen ist der Stoff nicht nachweisbar. Für eine Tagesdosis im Grammbereich müssten Verbraucher entsprechend große Mengen Frucht essen — das erklärt, warum Supplemente hier ansetzen.
Der industrielle Weg führt deshalb nicht über die Frucht. Rohstoffhersteller gewinnen den Stoff durch mikrobielle Fermentation mit metabolisch optimierten Stämmen von Corynebacterium glutamicum, die aus Glukose oder alternativen Kohlenstoffquellen arbeiten. Nach der Fermentation folgen Abtrennung der Biomasse, Ionenaustausch, Kristallisation, Trocknung und Vermahlung auf die gewünschte Partikelgröße.
Fermentativ hergestelltes Citrullin ist grundsätzlich vegan. Lassen Sie sich das Verfahren dennoch schriftlich bestätigen — für Vegan-Auslobungen zählt die Dokumentation der Lieferkette, nicht die Plausibilität des Verfahrens.
§ 03 — WirkprofilStoffwechsel: warum L-Citrullin und Arginin zusammengehören
Die Aminosäure ist ein Zwischenprodukt des Harnstoffzyklus. Etwa 75 bis 80 Prozent des im Blut zirkulierenden Citrullins werden in der Niere über die Enzyme Argininosuccinat-Synthase (EC 6.3.4.5) und Argininosuccinat-Lyase (EC 4.3.2.1) zu L-Arginin umgesetzt. Dieser Weg trägt rund 60 Prozent zur körpereigenen De-novo-Synthese von Arginin bei.
Der Bioverfügbarkeitsvorteil gegenüber Arginin
Oral zugeführtes Arginin wird bereits im Darm und in der Leber teilweise durch Arginase abgebaut, bevor es den Kreislauf erreicht. Citrullin umgeht diesen First-Pass-Effekt und hebt den Plasma-Arginin-Spiegel in der Fachliteratur stärker und länger an als eine vergleichbare Argininmenge. Hinzu kommt ein praktischer Punkt: Hohe Argininmengen lösen häufig osmotisch bedingte Verdauungsbeschwerden aus, was für Citrullin so nicht beschrieben ist.
Arginin, eNOS und das sogenannte Arginin-Paradox
Arginin ist das Substrat der endothelialen NO-Synthase. Die Fachdiskussion kennt hier allerdings einen Widerspruch: Die Plasmakonzentration von Arginin liegt normalerweise bereits über der Sättigungsgrenze des Enzyms, trotzdem verändert eine Zufuhr messbare Parameter. Diese Frage ist Gegenstand der Forschung und nicht abschließend geklärt. Für die Produktkommunikation heißt das: Mechanismen erklären, keine Wirkung versprechen.
§ 04 — StudienlageWissenschaftlicher Stand zu L-Citrullin
Die Datenlage ist umfangreicher als bei vielen anderen Sportnährstoffen, aber sie ist nicht einheitlich. Wer diesen Rohstoff einkauft, sollte die Widersprüche kennen, statt sich auf die jeweils günstigste Metaanalyse zu berufen.
Blutdruck und Gefäßparameter
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2019 wertete 14 randomisierte Vergleiche aus acht Studien mit 3 bis 11 g pro Tag über 1 bis 16 Wochen aus. Sie fand für den brachialen systolischen Blutdruck −4,49 mmHg (95-%-KI −7,33 bis −1,65) und diastolisch −3,63 mmHg (−5,82 bis −1,43), aortal systolisch −6,76 mmHg (−10,99 bis −2,53). Unter Belastung fielen die Effekte deutlich größer aus als in Ruhe (PMID 31889969).
Eine im selben Zeitraum erschienene Metaanalyse von fünf Interventionen kam zum gegenteiligen Ergebnis: brachial systolisch +0,28 mmHg (−2,87 bis 2,31) und diastolisch −1,56 mmHg (−4,32 bis 1,20) — kein signifikanter Effekt (PMID 30284051). Eine Übersicht von 2019 ordnet drei Metaanalysen nebeneinander und hält fest, dass zwei davon Senkungen berichten und eine keine (PMID 31336573).
Eine 2018 im Journal of Human Hypertension erschienene Metaanalyse zu L-Citrullin und Blutdruck wurde 2019 zurückgezogen. Sie wird in Marketingunterlagen weiterhin zitiert. Prüfen Sie bei jeder Studienangabe, ob eine Retraction Note vorliegt.
Körperliche Leistungsfähigkeit
Für Citrullin-Malat liegt seit 2026 eine dreistufige Metaanalyse über 30 randomisierte Studien mit 644 Teilnehmenden vor. Der Gesamteffekt auf die Leistung war klein (g = 0,16), akute Gaben rund 60 Minuten vor Belastung erreichten Signifikanz, chronische Einnahme nicht. Nach Ausreißerbereinigung verloren die Untergruppen für Ausdauer und anaerobe Leistung ihre Signifikanz; die GRADE-Bewertung liegt bei niedrig bis sehr niedrig (PMID 42356270).
Die Autoren halten ausdrücklich fest, dass verlässliche Angaben zu Dosierung, Einnahmezeitpunkt und Zielgruppen bislang nicht abgeleitet werden können. Für die Produktentwicklung ist das die ehrlichere Grundlage als die verbreitete Darstellung eines gesicherten Leistungseffekts.
Bewertung durch die EFSA
Die EFSA hat 2012 einen Antrag zu Citrullin-Malat und einer schnelleren Erholung von Muskelermüdung nach körperlicher Belastung bewertet. Das NDA-Panel kam zu dem Schluss, dass ein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen dem Verzehr von Citrullin-Malat und einer schnelleren Erholung von Muskelermüdung nicht nachgewiesen ist. Vorgelegte Mechanismus-, Tier- und In-vitro-Studien reichten dem Gremium nicht aus.
§ 05 — AnwendungAnwendungsbereiche und Darreichungsformen
Der mit Abstand größte Markt ist der Sportbereich. Pre-Workout-Formulierungen arbeiten typischerweise mit 6 bis 8 g Citrullin-Malat je Portion, kombiniert mit Beta-Alanin, Koffein und Elektrolyten. Wegen der Portionsgröße dominieren Pulverdosen und Sticks; wer diese Mengen abbilden will, sollte sie als Pulver abfüllen lassen statt in Kapseln auszuweichen.
Kapselprodukte gibt es dennoch, meist mit 500 bis 1.000 mg je Kapsel und in Kombination mit L-Arginin. Sie bedienen eher den Longevity- und Herz-Kreislauf-Bereich als den Trainingsmarkt, oft zusammen mit Rohstoffen wie Coenzym Q10. Wenn Sie diese Route gehen, lässt sich die Rezeptur bei uns in Kapseln abfüllen lassen — mit dem Hinweis, dass Studiendosen so kaum erreichbar sind.
Formulierungstechnisch ist der Malat-Anteil der kritische Punkt. Er schmeckt deutlich sauer und zieht Feuchtigkeit. Das verlangt eine passende Aromatisierung, eine geeignete Barriereverpackung und in der Regel ein Trockenmittel. Die freie Aminosäure ist geschmacklich neutraler und lässt sich einfacher in Kombinationsprodukte mit Glycin oder Proteinpulvern integrieren.
§ 06 — RegulatorikL-Citrullin: rechtlicher Rahmen, Stand 20.08.2026
Nahrungsergänzungsmittel richten sich nach der Richtlinie 2002/46/EG und der deutschen Nahrungsergänzungsmittelverordnung. Deren Positivlisten erfassen Vitamine und Mineralstoffe, nicht jedoch Aminosäuren. Die Verkehrsfähigkeit des Rohstoffs wird in Deutschland deshalb über die Einzelfallbewertung und über Allgemeinverfügungen nach § 54 LFGB abgebildet.
Allgemeinverfügung des BVL zu L-Arginin und L-Citrullin
Das BVL hat am 19. August 2013 unter dem Aktenzeichen 13/01/018 eine Allgemeinverfügung für pulverförmige Nahrungsergänzungsmittel mit L-Arginin und L-Citrullin erlassen. Zulässig sind danach höchstens 500 mg L-Arginin und 20 mg L-Citrullin je Gramm Pulver, bei einer empfohlenen Tagesportion von 3,25 g Pulver mit 1,6 g L-Arginin und 65 mg L-Citrullin. Vorgeschrieben sind die Einnahme mit Flüssigkeit zu den Mahlzeiten sowie mehrere Warnhinweise.
Die Allgemeinverfügung 13/01/018 wird beim BVL im Archivbereich geführt und deckt nur die dort beschriebene Zusammensetzung ab — die im Sportmarkt üblichen Grammdosen liegen um ein Vielfaches darüber. Wer sich auf sie beruft, muss ihren aktuellen Status und die Übereinstimmung der eigenen Rezeptur vor Markteintritt prüfen lassen.
Novel Food
Eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel nach Verordnung (EU) 2015/2283 liegt für L-Citrullin nicht vor. Ob eine solche erforderlich ist, hängt vom Nachweis eines nennenswerten Verzehrs in der Union vor dem 15. Mai 1997 ab. Diese Einstufung ist produkt- und formulierungsbezogen anhand des EU Novel Food Status Catalogue zu prüfen und schriftlich zu dokumentieren, bevor ein Produkt in den Verkehr gebracht wird.
Health Claims
Für L-Citrullin ist im EU-Register für nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben kein Claim zugelassen. Die einzige einschlägige EFSA-Bewertung fiel negativ aus. Damit sind gesundheitsbezogene Aussagen zu diesem Rohstoff nach Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 unzulässig — auch in abgeschwächter oder bildlicher Form. Aussagen mit Krankheitsbezug sind ohnehin ausgeschlossen. Zulässig bleibt die sachliche Beschreibung des Stoffes, der Menge und der Darreichungsform nach den Kennzeichnungsvorgaben der Verordnung (EU) Nr. 1169/2011.
§ 07 — SicherheitSicherheit und Kontraindikationen von L-Citrullin
In marktüblichen Tagesdosen gilt der Rohstoff als gut verträglich. In den ausgewerteten kontrollierten Studien wurden Mengen von 3 bis 11 g pro Tag über bis zu 16 Wochen eingesetzt, ohne dass schwerwiegende unerwünschte Wirkungen berichtet wurden. Die bei Arginin typischen osmotischen Verdauungsbeschwerden treten nach der Fachliteratur bei Citrullin nicht in gleichem Maß auf.
Gesetzliche Höchstmengen für Aminosäuren in Nahrungsergänzungsmitteln bestehen in Deutschland nicht. Die Empfehlungen des BfR zu Höchstmengen betreffen Vitamine und Mineralstoffe und lassen sich nicht auf Aminosäuren übertragen. Maßgeblich ist damit die Sorgfaltspflicht des Inverkehrbringers.
Die Warnhinweise der genannten Allgemeinverfügung geben die Richtung vor: Das Produkt ist nicht für Kinder, Schwangere und Stillende geeignet, ebenso wenig für Personen nach einem Herzinfarkt. Wer blutdrucksenkende Arzneimittel einnimmt, eine eiweißarme Diät einhält oder an Nieren- oder Lebererkrankungen leidet, soll vor der Anwendung ärztlichen Rat einholen. Belastbare Daten zu Schwangerschaft und Stillzeit fehlen.
§ 08 — EinkaufQualitätskriterien beim Einkauf von L-Citrullin
Zwischen zwei Angeboten liegen selten Welten im Preis, aber oft in der Spezifikation. Diese fünf Punkte klären Sie vor der Bestellung:
- Form eindeutig festlegen — freies Citrullin oder Citrullin-Malat. Bei einem molaren Verhältnis von 2:1 entfallen rechnerisch rund 72 % der Masse auf L-Citrullin, bei einem Gewichtsverhältnis von 2:1 nur rund 67 %. Manche Lieferanten lassen offen, welche Definition gilt — das gehört in die Spezifikation, nicht in die Auslegung.
- Gehalt und Identität — Reinheit typischerweise ≥ 98 %, bestimmt per HPLC oder Titration, mit Bezug auf eine anerkannte Monografie und einem Analysenzertifikat je Charge.
- Kontaminanten — Schwermetalle, mikrobiologische Parameter und Lösungsmittelrückstände mit konkreten Grenzwerten, nicht mit dem Vermerk „entspricht den gesetzlichen Anforderungen“.
- Herstellungsverfahren — fermentativer Ursprung schriftlich bestätigt, inklusive Angabe zu allergenen Fermentationsmedien, wenn Sie allergenfrei auslobsen wollen.
- Verarbeitbarkeit — Partikelgröße, Schüttdichte und Rieselfähigkeit entscheiden über Dosiergenauigkeit und Taktzeit. Citrullin-Malat verlangt zusätzlich eine Aussage zur Hygroskopizität und zur empfohlenen Lagerfeuchte.
Ergänzend gehört die Rückverfolgbarkeit dazu: Chargennummer, Herstellland, Lieferkettendokumentation und ein Ansprechpartner für Abweichungen. Für IFS-zertifizierte Produktionen ist das keine Kür, sondern Voraussetzung der Wareneingangsfreigabe. Wer den Rohstoff in einer Rezeptur mit Kollagen oder anderen hygroskopischen Komponenten kombiniert, sollte zusätzlich einen Stabilitätsversuch über die geplante Mindesthaltbarkeit einplanen.
§ 09 — SchnellantwortenHäufig gestellte Fragen zu L-Citrullin
Was ist der Unterschied zwischen L-Citrullin und Citrullin-Malat?
Freies L-Citrullin ist die reine Aminosäure. Citrullin-Malat ist deren Salz mit DL-Äpfelsäure, üblicherweise im Verhältnis 2:1 deklariert. Bei molarem Verhältnis entfallen rechnerisch rund 72 Prozent der Masse auf L-Citrullin, bei Gewichtsverhältnis rund 67 Prozent. Citrullin-Malat schmeckt deutlich saurer und zieht stärker Feuchtigkeit, freies Citrullin ist geschmacklich neutraler. Für die Rezepturkalkulation ist entscheidend, welche Definition der Lieferant verwendet — das gehört verbindlich in die Spezifikation.
Darf ich mit L-Citrullin eine Wirkung bewerben?
Nein. Für L-Citrullin ist im EU-Register für nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben kein Health Claim zugelassen. Die EFSA hat 2012 einen Antrag zu Citrullin-Malat und schnellerer Erholung von Muskelermüdung bewertet und einen Ursache-Wirkungs-Zusammenhang als nicht nachgewiesen eingestuft. Damit sind gesundheitsbezogene Aussagen nach Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 unzulässig, auch in abgeschwächter oder bildlicher Form. Zulässig bleibt die sachliche Angabe von Stoff, Menge und Darreichungsform.
Ist L-Citrullin ein neuartiges Lebensmittel?
Eine Zulassung als neuartiges Lebensmittel nach Verordnung (EU) 2015/2283 liegt für L-Citrullin nicht vor. Ob eine Zulassung nötig wäre, richtet sich danach, ob ein nennenswerter Verzehr in der Union vor dem 15. Mai 1997 nachweisbar ist. Diese Einstufung ist produkt- und formulierungsbezogen anhand des EU Novel Food Status Catalogue zu prüfen und vor dem Inverkehrbringen zu dokumentieren. Eine pauschale Aussage für alle Zubereitungen ist nicht möglich.
Welche Dosierungen wurden in Studien untersucht?
Kontrollierte Studien zum Blutdruck arbeiteten mit 3 bis 11 Gramm pro Tag über eine bis sechzehn Wochen. Im Sportbereich dominiert die akute Gabe von 8 Gramm Citrullin-Malat rund 40 bis 120 Minuten vor der Belastung. Diese Angaben beschreiben den Studienrahmen und sind keine Verzehrempfehlung. Gesetzliche Höchstmengen für Aminosäuren bestehen in Deutschland nicht, weshalb die Festlegung der Tagesportion in der Verantwortung des Inverkehrbringers liegt.
Warum wird L-Citrullin oft mit L-Arginin kombiniert?
Beide Aminosäuren hängen im Harnstoffzyklus zusammen: Die Niere setzt einen Großteil des zirkulierenden Citrullins über Argininosuccinat-Synthase und Argininosuccinat-Lyase zu Arginin um. Oral zugeführtes Arginin wird dagegen bereits im Darm und in der Leber teilweise durch Arginase abgebaut. Die Kombination ist deshalb im Markt verbreitet. Eine gesundheitsbezogene Aussage lässt sich daraus nicht ableiten, da für beide Stoffe kein zugelassener Health Claim vorliegt.
Eignet sich L-Citrullin für Kapseln?
Technisch ja, praktisch mit Einschränkung. Übliche Kapselfüllungen liegen bei 500 bis 1.000 Milligramm, sodass für die in Studien verwendeten Grammmengen sehr viele Kapseln nötig wären. Kapselprodukte adressieren daher eher niedrig dosierte Kombinationsrezepturen. Für Portionen im Bereich von sechs bis acht Gramm sind Pulverdosen, Sticks oder Beutel die realistischere Darreichungsform.
§ 10 — SchlussFazit: L-Citrullin in der Praxis
Die Aminosäure ist technisch unkompliziert, gut verfügbar und vergleichsweise gut untersucht — und zugleich einer, bei dem die Kommunikation enger begrenzt ist als die Studienlage vermuten lässt. Der Bioverfügbarkeitsvorteil gegenüber Arginin ist fachlich beschrieben, die klinischen Effekte auf Blutdruck und Leistung sind heterogen und in der Effektstärke klein.
Für die Produktentwicklung folgt daraus eine klare Arbeitsteilung: Die Rezeptur entscheidet über Form, Dosis und Darreichung, die Rechtsprüfung über das, was auf der Packung stehen darf. Da für L-Citrullin kein Health Claim zugelassen ist, trägt das Produkt über Format, Reinheit, Geschmack und Marke — nicht über eine Wirkaussage.
Im Einkauf lohnt sich der Blick auf zwei Details: die verbindliche Definition des Malat-Verhältnisses und eine Spezifikation mit konkreten Zahlen statt allgemeiner Konformitätsfloskeln. Beides kostet im Gespräch fünf Minuten und verhindert später Diskussionen über Deklaration und Chargenfreigabe.
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Produktionsprojekt anfragen →Die hier bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich als fachliche Grundlage für Produktentwickler und Geschäftskunden der OH!S GmbH. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und sind nicht zur Diagnose, Behandlung, Heilung oder Vorbeugung von Krankheiten bestimmt. Für die finalen Produkt-Claims und die Einhaltung der Health-Claims-Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 ist der jeweilige Inverkehrbringer verantwortlich. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und auf Basis verfügbarer wissenschaftlicher Literatur zusammengestellt; eine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit wird nicht übernommen.
Quellen & weiterführende Literatur
- Yang H-H et al. (2019). Effect of oral L-citrulline on brachial and aortic blood pressure defined by resting status: evidence from randomized controlled trials. Nutrition & Metabolism 16:89. PubMed ↗
- Mirenayat MS et al. (2018). Effect of L-Citrulline Supplementation on Blood Pressure: a Systematic Review and Meta-Analysis of Clinical Trials. Current Hypertension Reports 20(11):98. PubMed ↗
- Grimm A et al. (2019). The Effects of Oral l-Arginine and l-Citrulline Supplementation on Blood Pressure. Nutrients 11(7):1679. PubMed ↗
- Wang X et al. (2026). Effects of Citrulline Malate Supplementation on Exercise Performance: A Systematic Review and Three-Level Meta-Analysis. Nutrients 18(12):1881. PubMed ↗
- Nutrients (2025). Watermelon Nutritional Composition with a Focus on L-Citrulline and Its Cardioprotective Health Effects — A Narrative Review. Nutrients 17(20):3221. PubMed ↗
- Eberhardt M et al. (2014). L-citrulline production by metabolically engineered Corynebacterium glutamicum from glucose and alternative carbon sources. AMB Express. PubMed ↗
- EFSA NDA Panel (2012). Scientific Opinion on the substantiation of a health claim related to citrulline-malate and faster recovery from muscle fatigue after exercise. EFSA Journal 10(5):2699. EFSA ↗
- BVL, Allgemeinverfügung 13/01/018 vom 19.08.2013, Nahrungsergänzungsmittel mit Zusatz von L-Arginin und L-Citrullin. BVL ↗
- Verordnung (EU) 2015/2283 über neuartige Lebensmittel. EUR-Lex ↗
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