Vitamin B6 Pyridoxin Rohstoff als weißes kristallines Pulver – OH!S Rohstoff-Lexikon

Rohstoff-LexikonVitamin B6

Vitamin B6 – Pyridoxin

Das wasserlösliche B-Vitamin mit über 100 Enzymfunktionen für moderne NEM-Konzepte

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Vitamin B6 ist ein wasserlösliches Vitamin aus der Gruppe der B-Vitamine, das in der Natur in drei chemischen Hauptformen vorkommt: Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin – sowie jeweils als phosphorylierte Derivate. Im menschlichen Körper wird es zur biologisch aktiven Coenzymform Pyridoxal-5'-Phosphat (PLP) umgewandelt, die an über 100 verschiedenen Enzymreaktionen beteiligt ist. In der Nahrungsergänzungsmittel-Industrie findet Pyridoxin vor allem Anwendung in B-Komplex-Präparaten, Energie- und Immunformulierungen sowie Schwangerschaftspräparaten. Dieser Lexikoneintrag liefert Produktentwicklern und Einkäufern die fachliche Grundlage für fundierte Entscheidungen rund um Rohstoff, Galenik und Produktion pyridoxinhaltiger Nahrungsergänzungsmittel.

§ 01 — SteckbriefTechnische Daten & Synonyme

Für Produktentwickler und Einkäufer sind präzise Spezifikationen unverzichtbar. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten chemisch-physikalischen Eckdaten zu diesem Rohstoff zusammen. Im Handel dominiert Pyridoxinhydrochlorid als kosteneffiziente Standardform, während Pyridoxal-5'-Phosphat (P5P) als Premiumform ohne Umwandlungsschritt im Körper gilt:

Technische Daten zu Pyridoxin (Vitamin B6)
MerkmalSpezifikation
Wissenschaftlicher NamePyridoxin / Pyridoxal / Pyridoxamin (+ Phosphatester); IUPAC: 4,5-bis(hydroxymethyl)-2-methylpyridin-3-ol
Synonyme / TrivialnamenPyridoxin-HCl, Pyridoxinhydrochlorid, Pyridoxal-5'-Phosphat (P5P), Adermin (veraltet)
CAS-Nummer65-23-6 (Pyridoxin) / 58-56-0 (Pyridoxin-HCl) / 54-47-7 (PLP)
SummenformelC₈H₁₁NO₃ (Pyridoxin) / C₈H₁₂ClNO₃ (HCl-Salz) / C₈H₁₀NO₆P (PLP)
Molare Masse169,18 g/mol (Pyridoxin) / 205,64 g/mol (HCl-Salz) / 247,14 g/mol (PLP)
Physikalische EigenschaftenWeißes bis cremefarbenes kristallines Pulver; geruchlos bis leicht bitter; hygroskopisch
LöslichkeitGut wasserlöslich (Pyridoxin·HCl: ~220 g/l bei 20 °C); praktisch unlöslich in organischen Lösungsmitteln
Herkunft (kommerziell)Überwiegend chemische Synthese; zunehmend biotechnologische Fermentation
Standardisierung≥99,0 % Reinheit (Pyridoxin-HCl, gemäß Ph. Eur. / USP); P5P-Formen ≥98 %
LagerungKühl, trocken, lichtgeschützt; lichtempfindlich (UV-Abbau!); Haltbarkeit typisch 24–36 Monate
EU-NRV (Nährstoffbezugswert)1,4 mg pro Tag (VO 1169/2011, Anhang XIII)

§ 02 — HerkunftHerkunft & Gewinnung

Pyridoxin kommt natürlich in einer Vielzahl tierischer und pflanzlicher Lebensmittel vor. Besonders reiche Quellen sind Geflügel (Huhn, Pute), Fisch (Thunfisch, Lachs), Kartoffeln, Bananen, Hülsenfrüchte und Weizenkeime. In tierischen Produkten liegt das B-Vitamin vorwiegend als Pyridoxalphosphat vor, in pflanzlichen Quellen dagegen hauptsächlich als Pyridoxin-5'-Glukosid – einer Form mit reduzierter Bioverfügbarkeit gegenüber freiem Pyridoxin.

Für die industrielle Herstellung als Reinrohstoff für Nahrungsergänzungsmittel stehen heute zwei Produktionswege zur Verfügung. Die klassische Route ist die mehrstufige chemische Totalsynthese auf Basis von Acrylnitril und anderen petrochemischen Grundstoffen. Dieser Weg dominiert weiterhin den Markt und liefert Pyridoxin-HCl in pharmazeutischer Qualität (≥99 %). Daneben gewinnt die mikrobielle Fermentation an Bedeutung: Bestimmte Bakterienstämme – unter anderem Escherichia coli-Mutanten und Bacillus-Spezies – können den Wirkstoff biosynthetisch produzieren, was potenziell natürlichere Rohstoffbeschaffungen ermöglicht.

Die Hauptlieferländer für synthetisches Pyridoxin-HCl sind China (dominanter Weltmarktanteil) sowie in geringerem Umfang europäische und indische Produzenten. Für hochwertige P5P-Formen sind spezialisierte Hersteller aus Japan, den USA und Deutschland am Markt. Einkäufer sollten auf Chargenanalytik gemäß Ph. Eur. oder USP achten, da Qualitätsunterschiede zwischen verschiedenen Lieferquellen erheblich sein können.

ℹ Praxis-Hinweis für Einkäufer

Der Rohstoff wird überwiegend als Pyridoxinhydrochlorid gehandelt. Wer gezielt mit der aktiven Form Pyridoxal-5'-Phosphat (P5P) arbeiten möchte, muss mit deutlich höheren Rohstoffkosten und engerer Lieferantenbasis rechnen. P5P ist lichtempfindlicher und erfordert besondere Verpackungs- und Lagerkonzepte. Für Bio-Zertifizierungen ist zu beachten, dass synthetisches Pyridoxin-HCl in der Regel nicht EU-Bio-konform ist; natürlich-identische Varianten aus Fermentation sind selten und teuer.

§ 03 — WirkprofilInhaltsstoffe & Wirkprofil

Das Wirkprofil des B-Vitamins ergibt sich nahezu vollständig aus der Funktion des aktiven Coenzyms Pyridoxal-5'-Phosphat (PLP). Im Körper wird aufgenommenes Pyridoxin in der Leber zu PLP phosphoryliert und oxidiert. PLP fungiert als prosthetische Gruppe für über 100 Enzyme, die am Aminosäure-, Kohlenhydrat- und Lipidstoffwechsel beteiligt sind. Dieses breite enzymatische Spektrum erklärt die Vielzahl der zugelassenen Health Claims für diesen Rohstoff.

Vitamin B6 Pyridoxal-5-Phosphat PLP als Coenzym im Stoffwechsel – Schematische Darstellung

Pyridoxal-5'-Phosphat (PLP) als zentrales Coenzym

PLP ist für Transaminierungsreaktionen unerlässlich, bei denen Aminogruppen zwischen Aminosäuren und Ketosäuren übertragen werden. Dies macht Pyridoxin zum Schlüsselfaktor im Proteinkatabolismus und in der Gluconeogenese. Darüber hinaus ist PLP an der Synthese von Neurotransmittern beteiligt: GABA, Serotonin, Dopamin und Noradrenalin werden alle unter Mitwirkung von PLP-abhängigen Enzymen gebildet. Für Produktentwickler im Bereich Mood & Cognitive Health ist dies ein wissenschaftlich fundiertes Differenzierungsmerkmal – vorausgesetzt, es werden ausschließlich die regulatorisch zugelassenen Claims verwendet.

Rolle im Homocystein-Stoffwechsel

Das B-Vitamin ist an der Transsulfurierung von Homocystein zu Cystin beteiligt und wirkt damit synergistisch mit Folsäure und Vitamin B12 im Homocystein-Abbau. Erhöhte Homocysteinspiegel gelten als kardiovaskulärer Risikofaktor; die Kombination dieser drei B-Vitamine in einem Produkt ist daher eine wissenschaftlich sinnvolle Formulierungsstrategie. Der entsprechende Health Claim zur „normalen Homocystein-Verstoffwechslung" kann eigenständig genutzt werden.

Immunfunktion und Hämatopoese

Pyridoxin trägt zur normalen Funktion des Immunsystems und zur normalen Bildung roter Blutkörperchen bei. PLP ist an der Biosynthese von Häm, dem eisenhaltigen Bestandteil des Hämoglobins, beteiligt. Gerade in Kombinations-NEM für Frauen (Eisen + B6 + Biotin) oder für Sportler ergibt sich daraus eine sinnvolle Formulierungslogik.

§ 04 — ForschungsstandWissenschaftlicher Stand

Pyridoxin gehört zu den am intensivsten erforschten Mikronährstoffen. Die wissenschaftliche Datenlage ist im Vergleich zu vielen anderen NEM-Rohstoffen außergewöhnlich gut – was sich direkt in der hohen Zahl EFSA-zugelassener Health Claims widerspiegelt. Im Gegensatz zu weniger etablierten Wirkstoffen gibt es für diesen Nährstoff keine nennenswerten Kontroversen bezüglich der Grundfunktionen; die wissenschaftliche Diskussion konzentriert sich auf Dosierungsfragen und die optimale Supplementierungsform (Pyridoxin-HCl vs. P5P).

Eine systematische Übersichtsarbeit der EFSA (2010) zur tolerierbaren Aufnahmemenge ↗ analysierte die Sicherheit hoher Pyridoxin-Dosen und setzte den damaligen tolerierbaren Höchstwert (UL) für Erwachsene auf 25 mg/Tag fest. Die EFSA hat diese Bewertung 2023 im Rahmen einer erneuten Überprüfung deutlich nach unten korrigiert und den UL auf 12,5 mg/Tag abgesenkt (siehe § 07). Für NEM-Formulierer ist dies ein kritischer Aspekt, der bei der Dosierungsstrategie zwingend berücksichtigt werden muss.

Bezüglich der Supplementierungsform zeigen vergleichende Studien, dass Pyridoxal-5'-Phosphat eine höhere initiale Plasmakonzentration erreicht als Pyridoxin-HCl, da der erste Umwandlungsschritt entfällt. Klinisch relevante Unterschiede in der Wirksamkeit bei gesunden Erwachsenen mit ausreichender Leberkapazität sind bisher jedoch nicht eindeutig belegt. Aktuelle Forschungsdaten finden sich in der Datenbank der U.S. National Library of Medicine (PubMed) ↗.

✓ Wissenschaftliche Stärke

Pyridoxin zählt zu den wenigen NEM-Rohstoffen mit einer Vielzahl EFSA-geprüfter, zugelassener Health Claims. Das gibt Produktentwicklern seltene Sicherheit bei der Auslobung – sofern Dosierung und Formulierung korrekt sind. Im Gegensatz zu vielen pflanzlichen Extrakten besteht hier kein regulatorisches Graugebiet.

§ 05 — AnwendungAnwendungsbereiche & Produktkonzepte

Pyridoxin ist ein hochgradig flexibler Rohstoff, der in nahezu allen Nahrungsergänzungsmittel-Kategorien eingesetzt wird. Die herausragende Breite zugelassener Health Claims ermöglicht eine zielgruppenspezifische Positionierung in unterschiedlichsten Marktsegmenten – von der Schwangerschaftsversorgung bis hin zur sportlichen Performance.

Vitamin B6 Kapseln und Tabletten als Nahrungsergänzungsmittel für verschiedene Anwendungsbereiche

Geeignete Darreichungsformen für Vitamin B6

Der Rohstoff lässt sich in praktisch allen gängigen Darreichungsformen verarbeiten. Hartgelatinekapseln und HPMC-Kapseln (vegane Alternative) sind die mit Abstand häufigste Galenik, da Pyridoxin-HCl in geringen Mengen (1,4–10 mg) einfach abzufüllen ist und in Kapseln hervorragende Stabilität zeigt. Tabletten eignen sich gut für Multivitamin-Kombinationsprodukte, erfordern jedoch geeignete Presshilfsstoffe und eine Stabilitätsprüfung auf Unverträglichkeiten mit Mineralstoffverbindungen.

Pulverformulierungen für Stickpacks oder Direktportionen sind technisch möglich, stellen jedoch höhere Anforderungen an die Partikelgröße und Fließfähigkeit. Das Vitamin ist lichtempfindlich; bei transluzenten oder transparenten Verpackungsmaterialien ist ein UV-Schutz essenziell. Flüssigformen (Trinkampullen, Liquidkapseln) sind möglich, aber anspruchsvoller in der Stabilitätssicherung, da Pyridoxin-HCl in wässriger Lösung bei Lichtexposition zur Photodegradation neigt. Für die professionelle Lohnabfüllung von Vitamin B6 in Kapseln empfiehlt sich die Abstimmung von Chargenanalytik und Stabilitätsprogramm direkt mit dem Lohnhersteller.

Typische Produktkonzepte mit Vitamin B6

B-Komplex-Präparate sind das klassische und umsatzstärkste Einsatzfeld. Pyridoxin wirkt hier synergistisch mit Vitamin B3 (Niacin), Folsäure, Biotin und den übrigen B-Vitaminen. Die kombinierte Auslobung „zur Unterstützung des normalen Energiestoffwechsels und zur Verringerung von Müdigkeit" ist bei korrekter Dosierung sämtlicher Komponenten vollständig EFSA-konform.

Frauen-Gesundheitsprodukte – insbesondere Schwangerschaftspräparate und PMS-Formeln – profitieren von der zugelassenen Claim-Kombination mit Folsäure. Pyridoxin wird in der klinischen Praxis auch zur Linderung von Schwangerschaftsübelkeit eingesetzt; dieser Anwendungsbereich ist in Deutschland jedoch als rein therapeutische Indikation zu verstehen und darf im NEM-Bereich nicht kommuniziert werden.

Sport & Performance-Präparate nutzen den Protein- und Glycogenstoffwechsel-Claim; das Vitamin ist häufiger Bestandteil von Pre-Workout-Blends und Protein-Ergänzungen. Die Auslobung „trägt zu einem normalen Proteinstoffwechsel bei" ist bei ausreichender Dosierung (≥0,2 mg pro 100 kcal) zulässig.

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§ 06 — RegulatorikRegulatorik & Zulassung

Pyridoxin ist kein Novel Food im Sinne der EU-Novel-Food-Verordnung (VO 2015/2283) und kann damit ohne spezifische Zulassung in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden. Die Verwendung in NEM ist in Deutschland durch die Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV) geregelt, die für Vitamine keine spezifischen Höchst- oder Mindestmengen festschreibt – jedoch auf die BfR-Höchstmengenempfehlung verwiesen wird (siehe § 07).

Für die Produktkennzeichnung gelten die Anforderungen der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV, VO 1169/2011): Das Vitamin muss mit dem NRV von 1,4 mg/Tag ausgewiesen werden. In der Nährwerttabelle ist es als „Vitamin B6" zu deklarieren.

⚠ Regulatorischer Hinweis

Die EFSA hat 2023 den tolerierbaren Höchstwert (UL) des Vitamins für Erwachsene auf 12,5 mg/Tag aus allen Quellen gesenkt (von vormals 25 mg/Tag). Produkte mit höheren Tagesdosen müssen überprüft und gegebenenfalls neu formuliert werden. Bestehende Marktprodukte mit >12,5 mg/Tag sind regulatorisch nicht automatisch verboten, müssen aber im Hinblick auf das neue UL-Level bewertet werden. Wir empfehlen eine Rechtsberatung vor der Markteinführung von Hochdosisprodukten.

EFSA Health Claims (Stand 2025) — Zugelassene Auslobungen für Vitamin B6

Folgende Health Claims sind gemäß EU-Verordnung Nr. 432/2012 zugelassen und dürfen bei ausreichender Dosierung (i.d.R. ≥15 % des NRV = 0,21 mg pro Portion) kommuniziert werden:

  • Vitamin B6 trägt zu einem normalen Energiestoffwechsel bei
  • Es trägt zur normalen Funktion des Nervensystems bei
  • Es trägt zu einem normalen Homocystein-Stoffwechsel bei
  • Es trägt zu einem normalen Protein- und Glykogenstoffwechsel bei
  • Es trägt zur normalen psychologischen Funktion bei
  • Es trägt zur Verringerung von Müdigkeit und Erschöpfung bei
  • Es trägt zur Regulierung der Hormontätigkeit bei
  • Es trägt zur normalen Funktion des Immunsystems bei
  • Es trägt zur normalen Bildung roter Blutkörperchen bei
  • Es trägt zur normalen Cysteinsynthese bei

Die Mindestmenge zur Nutzung eines Claims beträgt eine signifikante Menge gemäß VO 1924/2006 – hierfür allgemein ≥15 % NRV (0,21 mg) pro Tagesration bzw. 100 ml bei Getränken. Eine genaue Prüfung der Dosisvorgaben ist vor der Produktentwicklung unerlässlich.

§ 07 — SicherheitSicherheit & Kontraindikationen

Pyridoxin gilt in den für NEM üblichen Dosierungen (bis 3,5 mg/Tag gemäß BfR-Empfehlung) als gut verträglich und ist in der internationalen Sicherheitsbewertung als sicher eingestuft. Bei dauerhafter Einnahme sehr hoher Dosen (>25–50 mg/Tag über Monate) wurden in klinischen Fallberichten und Studien sensorische Neuropathien beschrieben – ein Risiko, das die EFSA 2023 zu einer deutlichen Absenkung des tolerierbaren Höchstwerts veranlasst hat.

  • BfR-Höchstmengenempfehlung: 3,5 mg/Tag aus Nahrungsergänzungsmitteln (BfR, Aktualisierung 2021)
  • EFSA Tolerable Upper Intake Level (UL): 12,5 mg/Tag für Erwachsene (EFSA, 2023) — aus allen Quellen (Nahrung + NEM)
  • Risikogruppen: Schwangere und Stillende (DGE-Empfehlung: 1,9 mg/Tag in der Schwangerschaft); ärztliche Rücksprache bei Hochdosisprodukten empfohlen
  • Wechselwirkungen: Das Vitamin kann die Wirkung des Parkinson-Medikaments Levodopa (L-DOPA ohne Decarboxylase-Hemmer) abschwächen; Wechselwirkungen mit Phenytoin und Phenobarbital sind beschrieben.
  • Nebenwirkungen: Bei Tagesdosen im NEM-üblichen Bereich (1,4–5 mg) sind keine klinisch relevanten Nebenwirkungen bekannt. Bei Dauerdosen über 25 mg/Tag können sensorische Neuropathien auftreten – reversibel nach Dosisreduktion.

§ 08 — EinkaufQualitätskriterien beim Einkauf

Wer pyridoxinhaltige Produkte vermarktet, steht vor der Herausforderung, einen Rohstoff zu beschaffen, der hinsichtlich Wirkstoffgehalt, Reinheit und Lieferkontinuität Premium-Anforderungen genügt. Die folgenden Kriterien sind für professionelle Einkäufer und Produktentwickler relevant:

Qualitätskontrolle Vitamin B6 Rohstoff im Labor – Analysenzertifikat und HPLC-Prüfung für NEM-Hersteller
  • Reinheit und Normenkonformität: Nur Pyridoxin-HCl gemäß Ph. Eur. (Europäisches Arzneibuch) oder USP (United States Pharmacopeia) verwenden — Mindestgehalt ≥99,0 %.
  • Analysenzertifikat (CoA) pro Charge: Pflichtangaben: Identitätsprüfung (IR oder HPLC), quantitativer Gehalt, Trocknungsverlust, Schwermetalle (Blei, Cadmium, Quecksilber, Arsen), mikrobiologischer Status.
  • HPLC-Quantifizierung: Pyridoxin-HCl sollte per HPLC quantifiziert sein — chromatografische Rohdaten auf Anfrage einfordern. Einfache UV-Spektrometrie ist als alleinige Methode nicht ausreichend.
  • Zertifizierungen: IFS Food, FSSC 22000 oder ISO 22000 beim Produzenten; für den Lohnhersteller ebenfalls IFS oder GMP+ empfohlen. Non-GMO-Zertifizierung relevant für bestimmte Zielgruppen.
  • Lieferkontinuität: Mindestens zwei qualifizierte Lieferquellen vorhalten, da China-Lieferengpässe für Vitamin-Rohstoffe periodisch auftreten. Schriftliche Liefergarantien und Mindestlagermengen vertraglich absichern.
  • Lichtschutz: Der Rohstoff ist UV-empfindlich und wird in lichtundurchlässigen Gebinden (HDPE-Fässer, Aluminiumbeutel) geliefert. Lagerung beim Lieferanten kritisch prüfen.
  • P5P-Beschaffung: Für Pyridoxal-5'-Phosphat gelten höhere Preise und eine engere Lieferantenbasis. Das CoA sollte spezifisch auf P5P-Stabilität (Phosphatgruppe intakt) prüfen.

§ 09 — SchnellantwortenHäufig gestellte Fragen zu Vitamin B6

Was ist Vitamin B6 und warum ist es wichtig?

Vitamin B6 ist ein wasserlösliches B-Vitamin, das in den drei natürlichen Formen Pyridoxin, Pyridoxal und Pyridoxamin vorkommt. Im Körper wird es zur aktiven Coenzymform Pyridoxal-5'-Phosphat (PLP) umgewandelt, die an über 100 Enzymreaktionen beteiligt ist – insbesondere im Aminosäure-, Neurotransmitter- und Homocystein-Stoffwechsel. Für NEM-Hersteller ist der Rohstoff besonders attraktiv, weil er mit zehn EFSA-zugelassenen Health Claims zu den am breitesten einsetzbaren Vitaminen gehört.

Wo kommt Vitamin B6 natürlich vor?

Vitamin B6 ist in zahlreichen tierischen und pflanzlichen Lebensmitteln enthalten. Besonders gute Quellen sind Geflügelfleisch (ca. 0,8–1,0 mg/100 g), Thunfisch (ca. 0,9 mg/100 g), Lachs (ca. 0,8 mg/100 g), Kartoffeln (ca. 0,3 mg/100 g), Bananen (ca. 0,4 mg/100 g) sowie Kichererbsen und andere Hülsenfrüchte (ca. 0,5 mg/100 g, gekocht). In pflanzlichen Quellen liegt es häufig als schlechter absorbierbares Pyridoxin-5'-Glukosid vor.

Welche Dosierung ist für Vitamin B6 in NEM marktüblich?

Im Mainstream-NEM-Markt ist Pyridoxin in Tagesdosen von 1,4 mg (100 % NRV) bis 3,5 mg (BfR-Höchstmenge) weit verbreitet. B-Komplex-Präparate liefern häufig 2–5 mg/Tag. Hochdosisprodukte mit mehr als 12,5 mg/Tag müssen vor dem Hintergrund des neuen EFSA-UL (2023) kritisch bewertet werden. Die BfR-Empfehlung für NEM liegt bei maximal 3,5 mg pro Tag.

Welche Darreichungsformen eignen sich für Vitamin B6?

Die bevorzugte Darreichungsform ist die Kapsel (Hartgelatine oder HPMC/vegan), da Pyridoxin-HCl gut fließt und im Trockenbereich hervorragende Stabilität zeigt. Tabletten eignen sich gut für Multivitamin-Kombinationen. Für Stickpacks und Pulver ist das Vitamin tauglich, jedoch ist Licht- und Feuchteschutz besonders wichtig. Flüssigformulierungen sind möglich, aber anspruchsvoller in der Stabilisierung.

Worauf müssen Hersteller bei der Vitamin B6 Lohnabfüllung achten?

Bei der Lohnabfüllung sind folgende Punkte praxisrelevant: (1) Rohstoff gemäß Ph. Eur./USP mit Chargen-CoA einfordern; (2) Lager und Produktion im Dunkeln durchführen (UV-Empfindlichkeit); (3) bei Kapseln auf ausreichende Trennmittel achten (Magnesiumstearat ≤1 %); (4) Stabilitätsstudien für die gewählte Verpackung und Laufzeit durchführen (beschleunigte Stabilitätsprüfung bei 40 °C/75 % rF); (5) bei Kombination mit Mineralien auf mögliche Wechselwirkungen achten.

Hat Vitamin B6 Nebenwirkungen?

In marktüblichen Dosierungen bis 3,5 mg/Tag gilt das Vitamin als sehr gut verträglich; unerwünschte Wirkungen sind bei diesen Mengen nicht beschrieben. Bei dauerhafter Einnahme sehr hoher Dosen (über 25–50 mg/Tag über viele Monate) wurden sensorische Neuropathien mit Taubheitsgefühl und Kribbeln in den Extremitäten beobachtet. Dieser Effekt ist nach Dosisreduktion in der Regel reversibel. Personen, die Levodopa gegen Parkinson einnehmen, sollten entsprechende Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden.

Wie ist Vitamin B6 in der EU regulatorisch eingestuft?

Pyridoxin ist kein Novel Food und bedarf keiner besonderen Marktzulassung für den Einsatz in NEM. Die Verwendung ist durch die Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV) gestattet. Zehn Health Claims sind gemäß EU-Verordnung 432/2012 zugelassen (Stand 2025). Der EFSA-UL liegt bei 12,5 mg/Tag für Erwachsene (seit 2023); die BfR-Höchstmengenempfehlung für NEM beträgt 3,5 mg/Tag. Kennzeichnung erfolgt nach LMIV mit NRV-Angabe (1,4 mg/Tag = 100 %).

Was ist der Unterschied zwischen Pyridoxin-HCl und Pyridoxal-5'-Phosphat (P5P)?

Pyridoxin-HCl ist die kostengünstigste und am häufigsten eingesetzte Handelsform. Der Körper muss es in der Leber zur aktiven Coenzymform PLP umwandeln. Pyridoxal-5'-Phosphat (P5P) ist dagegen bereits die direkte, biologisch aktive Form – der erste Umwandlungsschritt entfällt. P5P ist teurer und lichtempfindlicher, richtet sich aber an Premium-Formulierungen, bei denen maximale Bioverfügbarkeit ein Differenzierungsmerkmal ist.

§ 10 — SchlussFazit: Pyridoxin als Rohstoff mit breitem Formulierungspotenzial

Pyridoxin ist einer der vielseitigsten und regulatorisch sichersten Rohstoffe im NEM-Portfolio. Die Kombination aus zehn EFSA-zugelassenen Health Claims, hervorragender galenischer Verarbeitbarkeit und unproblematischem Rechtsstatus (kein Novel Food) macht ihn zu einem unverzichtbaren Baustein in B-Komplex-Formulierungen, Energie-NEM, Frauenpräparaten und Sport-Supplements. Die überarbeitete EFSA-Sicherheitsbewertung von 2023 mit dem gesenkten UL (12,5 mg/Tag) erfordert eine kritische Überprüfung bestehender Hochdosisprodukte und sollte bei Neuentwicklungen von Anfang an berücksichtigt werden.

Für die Rohstoffbeschaffung gilt: Pyridoxin-HCl nach Ph. Eur. oder USP ist das Standardmittel der Wahl; P5P bietet ein Premiumdifferenzierungsmerkmal für Zielgruppen, die maximale Bioverfügbarkeit honorieren. In beiden Fällen ist eine sorgfältige Lieferantenqualifizierung mit lückenlosem CoA-Management entscheidend – insbesondere da der Markt für Vitamin-Rohstoffe durch Lieferkonzentration in Asien volatil sein kann.

Für Produktentwickler, die mit diesem B-Vitamin in den Markt einsteigen oder bestehende Formulierungen optimieren wollen, empfiehlt sich als erster Schritt eine Klärung der Zieldosierung und des Health-Claims-Konzepts – erst dann die Galenik und den Lohnhersteller wählen. Die OH!S GmbH begleitet Sie dabei von der ersten Rohstoffkalkulation bis zum fertigen Endprodukt.

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⚠ Rechtlicher Hinweis

Die hier bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich als fachliche Grundlage für Produktentwickler und Geschäftskunden der OH!S GmbH. Sie stellen keine medizinische Beratung dar und sind nicht zur Diagnose, Behandlung, Heilung oder Vorbeugung von Krankheiten bestimmt. Für die finalen Produkt-Claims und die Einhaltung der Health-Claims-Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 ist der jeweilige Inverkehrbringer verantwortlich. Alle Angaben wurden nach bestem Wissen und auf Basis verfügbarer wissenschaftlicher Literatur zusammengestellt; eine Haftung für Vollständigkeit, Aktualität oder Richtigkeit wird nicht übernommen.

Quellen & weiterführende Literatur

  1. EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (2010). Scientific Opinion on the tolerable upper intake level of Pyridoxine. EFSA Journal, 8(10), 1736. EFSA Journal ↗
  2. Europäische Kommission (2012). Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung zugelassener gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. EUR-Lex ↗
  3. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) (2021). Aktualisierte Höchstmengenempfehlungen für Pyridoxin in Nahrungsergänzungsmitteln. BfR-Stellungnahme. BfR ↗
  4. EFSA Panel on Nutrition, Novel Foods and Food Allergens (2023). Tolerable upper intake levels for vitamins and minerals – Pyridoxine update. EFSA Journal. EFSA ↗
  5. Institute of Medicine (US) (1998). Dietary Reference Intakes for Thiamin, Riboflavin, Niacin, Pyridoxine, Folate, Cobalamin, Pantothenic Acid, Biotin, and Choline. National Academies Press. PubMed ↗
  6. Mooney, S. et al. (2009). Pyridoxine: A long known compound of surprising complexity. Molecules, 14(1), 329–351. PubMed ↗
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